PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelReportageDie Missionen der Boa Esperança

Lagos

Die Missionen der Boa Esperança

Vor Anker in Lagos, wo sie seit 2005 im Kanal des Ribeira Bensafrim ihre eigene Anlegestelle hat, zieht die Karavelle Boa Esperança ungebrochen die Aufmerksamkeit der Urlauber, die die Stadt besuchen, auf sich. Aus 140 Tonnen Holz hergestellt, ist sie eine moderne Replik des Schiffes, das der Seefahrer Bartolomeu Dias im Jahre 1488 benutzt hatte, um das Kap der Guten Hoffnung, das er Sturmkap nannte, zu umrunden. Als das Schiff von der Tourismusbehörde der Algarve übernommen wurde, war die Idee, es als Werbeinstrument einzusetzen. Laut Kommandant José Gravata, 61, wurde es zu viel mehr. Es hat an Regatten teilgenommen, wurde zur Filmkulisse, dient als Schulschiff und hat im nächsten Jahr noch ein paar weitere Herausforderungen zu umschiffen.
Ausgabe 688 (28 Jul 2011), Ohne Kommentare »

Das Schiff an sich ist nichts Neues. Aber es bewahrt seinen Charme, als wäre es direkt irgendwo aus der Zeit der Entdeckungsreisen aufgetaucht.

José Gravata hat eine ulkige Geschichte auf Lager. Im Jahr 2009 war ein Reporterteam des zweitgrößten Fernsehkanals Chinas zu Besuch an der Algarve.

Rein zufällig war die Boa Esperança dabei, die Segel zu hissen, um mit Schülern an Bord eine kurze Reise nach Sagres anzutreten.

Die Begeisterung der Chinesen war so groß, dass “sie mich fragten, ob sie uns begleiten dürften”, erzählt der Kommandant. An diesem Tag wollten sie eigentlich “andere historische Stätten” kennenlernen, “opferten aber ihre Reisepläne und haben sich uns angeschlossen – ein wenig gegen den Willen der Person, die den Ausflug organisiert hatte”.

“Drei Tage später kontaktierte mich der Geschäftsträger der chinesischen Botschaft und berichtete mir, dass 80 Millionen Menschen gerade die Aufnahmen gesehen hätten, und es ein großer Erfolg war”, sagt er.

Der in Faro geborene José António Gravata ist seit jeher ein Liebhaber des Meeres und der Boote. Er schloss sich der Karavelle im Jahr 2004 als Steuermann an. Zuvor war er gewohnt, ein zehn Meter langes Segelboot zu navigieren, die Boa Esperança ist 24 Meter.

Und auf seiner dritten Reise schlug der damalige Kommandant (und sehr beschäftigte Direktor des Hafens von Lissabon) José Castro Centeno vor, dass Gravata ihn ersetzen sollte.

“Es ist eine große Verantwortung, sowohl in Bezug auf die heutige Navigation als auch weil die Karavelle mit einer freiwilligen Besatzung arbeitet. Menschen, die das Segeln genießen und verfügbar sind, aber keine Profis.

Für eine lange Reise ist es sehr schwierig, Menschen zu finden, denen die Verteidigung der Karavelle bei schlechtem Wetter oder in Schwierigkeiten zuzutrauen ist, und die für eine lange Zeit zur Verfügung stehen. Es erfordert viel Engagement seitens derer, die mitfahren wollen”, sagt er. Man braucht mindestens siebzehn Personen.

“Es sind dreieckige Segel, und von dem Moment an, in dem sie gehisst sind, müssen wir die ganze Zeit mit ihnen arbeiten, in alle Richtungen,” mit der ganzen Kraft der Arme. Das Großsegel hat acht Seile auf jeder Seite, und die kleineren Segel vier.

Nur um Ihnen eine Idee zu vermitteln, das Ablegen mit dieser Karavelle ist eine komplizierte Aufgabe und muss in Ruhe durchgeführt werden. “Der Hilfsmotor mit 187 PS ist sehr schwach, und es ist notwendig, den Wind und die Strömung zu nutzen, um von einem Pier abzulegen. Daher sind viele Menschen mit einem Minimum an Wissen und Praxis nötig, um alle Seile zu handhaben”.

Interessanterweise “haben wir viel mit Pensionären gearbeitet, weil diese eher zur Verfügung stehen. Mit den Jüngsten ist es schwierig, weil sie studieren” oder im Berufsleben stehen.

Was einst der Laderaum war, dient nun als Saal. Er verfügt über 22 Etagenbetten, drei Bäder und eine Küche mit Gefriermöglichkeit. Die Karavelle kann in Bezug auf Nahrung, Treibstoff und Wasser fünf bis sechs Tage auf See bleiben.

Der Kommandant hat seine eigene Kabine. Es gibt auch einen Raum mit vier Etagenbetten, für den Fall, dass Frauen an Bord sind. Aber bisher wollte keine von ihnen den Raum nutzen.

“Die Präsenz des weiblichen Geschlechtes an Bord ist immer sehr gut, weil dann mehr Disziplin herrscht. Das Verhalten der Besatzung ist ruhiger, sie benimmt sich besser”. Und “das Segeln macht mehr Spaß”, meint José Gravata.

Ursprünglich für den portugiesischen Verband für Segeltraining (APORVELA) gebaut, wurde die Karavelle am 28. April 1990 zu Wasser gelassen. Die Tourismusbehörde erwarb sie erst am 16. Juni 2001.

Heute sind die Zeiten hart, und “jeder versucht die Kosten zu minimieren. Die Karavelle hat ihren Preis, wie jedes Kunstwerk, jedes Denkmal, jede Kirche, die in gutem Zustand erhalten werden soll”.

Derzeit sind es zwei Besatzungsmitglieder, die sich der Wartung widmen. “Jeden Tag gibt es viel Arbeit zu erledigen. Es erfordet sehr hohe Kosten, um ein Boot aus 140 Tonnen Holz zu erhalten.

Jedes Jahr muss es aus dem Wasser geholt werden, um am Dock zu trocknen und angemalt zu werden. Das Holz muss richtig behandelt werden. “

Ist es das wert? “Ich denke schon. Sie ist überall eine große Attraktion. Wir haben viel Erfahrung gesammelt, zum Beispiel mit Menschen in Saint Tourpez, die nicht einmal von der Existenz Portugals wussten”, sagt der Kommandant. Und auch beim Segeln veranlasst die Karavelle andere Boote zu erschreckenden Manövern, nur um einen genaueren Blick auf sie zu erhaschen.

“Es ist ein Boot, das den ganzen Atlantik besegelt, an wichtigen Regatten teilgenommen und sogar das Goldene Jubiläum der Königin von England besucht hat”, fügt er hinzu.

Zudem hat sie schon Karriere im Kino gemacht, “als Kulisse für mehrere Filme”. Kein Wunder also, dass sie bei ihrem Besuch auf den Filmfestspielen von Cannes im Jahr 2008 das Zentrum der Aufmerksamkeit wurde - selbst mitten unter den modernen, luxuriösen Jachten. “Jeder”, von Künstlern bis Filmproduktionsteams, war an Bord. “Ich glaube, wir haben Portugal gut repräsentiert.”

Und in der Zukunft? Im Jahr 2012 “haben wir ein Projekt mit einer französischen Produktion, das den Besuch von neunzehn Häfen im Mittelmeer umfasst. Es soll ein Dokumentarfilm über die Traditionen eines jeden besuchten Landes und dessen traditionelle Musik werden”.

Der Reisekalender enthält eine erneute Reise nach Cannes, zwischen dem 8. und 17. Mai. Die Karavelle wird Lissabon verlassen und dann Gibraltar, Alicante und Marseille ansteuern, bevor sie schließlich am 7. Mai in Cannes anlegt.

Danach segelt sie nach Korsika, Sardinien, dann in der Adria nach Venedig, wonach sie noch weitere drei Häfen besucht - Constanta (Bulgarien), Rumänien (Donau-Delta) und Odessa, Ukraine.

Die gesamte Reise wird vier bis fünf Monate dauern. Eine große Herausforderung? “Sicherlich, und hoffentlich nicht die letzte”...

Verwandte Artikel
Ausgabe 716 (16 Feb 2012), Ohne Kommentare »
Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.