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Aljezur
Plastik - Nein, danke!

Dank der Hartnäckigkeit der britischen Fotografin Michelle Cassar, 35, wird das Arrifana Sunset Festival am 31. Juli so kunststofffrei wie möglich werden.
Statt Getränke in Plastikbechern und mit Strohhalmen auszugeben, werden die Besucher aufgefordert, ihre eigenen Becher mitzubringen (womit sie Anspruch auf ein kostenloses Sagres haben), oder es wird ihnen angeboten, ihre Getränke aus Bechern, die gespendet wurden, zu trinken.
Abgabestellen für die Becher von Menschen, die bereit für eine Spende sind (und im Gegenzug Tickets erhalten), gibt es entlang der Westküste und in Lagos (Details siehe unten).
Doch vor der Veranstaltung unterstützen die Festival-Organisatoren noch die Säuberung des Strandes Monte Clérigo (neben Arrifana), an diesem Sonntag zwischen 16 und 20 Uhr, wofür die freiwilligen Sammler Freikarten erhalten.
Wie ist es zu diesem Vorbild an gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein gekommen?
„Alles begann nach der ersten Strandsäuberung, an der ich teilgenommen habe“, berichtet Cassar, die in Aljezur lebt. „Plötzlich wurde mir klar, wie viel Kunststoff es da draußen gibt - und dann habe ich einige Nachforschungen angestellt...“
Ihre Recherche - die leicht über das Internet möglich war - zeigte ihr, wie Kunststoff die Weltmeere verschmutzt.
Auf der ersten Seite des Wikipedia-Artikels über Kunststoffe las sie: „Es gibt schätzungsweise 46.000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche. Vieles davon befindet sich in einem Müllstrudel im Nordpazifik, bekannt als «The Great Pacific Garbage Patch» - verantwortlich für die Tötung von einer Million Seevögeln und 100.000 Meeressäugetieren jedes Jahr.“
„Es wird geschätzt, dass der Wirbel die Größe von Portugal, Deutschland und Großbritannien zusammen hat - und er ist nicht der einzige. Es gibt vier andere, darunter einen im Atlantik“, ergänzt Cassar.
Sie hat auch auf Youtube einen Clip von der „Plastic Oceans Foundation” gefunden, die berichtet, dass im Jahr 1999 der Kunststoff das Plankton im Verhältnis 6:1 aufgewogen hat. Nur ein Jahrzehnt später hat sich das Verhältnis auf 36:1 erhöht.
Und sie sah endlos herzzerreißende Filmausschnitte von Tieren, die durch die Plastikteile im Meer erstickt sind.
„Es gibt sogar eine Insel mitten im Pazifik, meilenweit weg von allem, die mit toten Albatrosküken übersät war, weil die Eltern das Plastik, das sie im Meer fanden, mit Nahrung verwechselt haben, und es ihnen fütterten!“
Cassar Recherchen veränderten die Art ihr Leben zu führen sofort. Und sie fuhr fort, ihr eigenes New-Age-Mantra zu prägen - ein Schritt vor den „3Rs“: „Überdenke, verweigere!“ (Rethink, Refuse!).
„Als ich begriffen hatte, dass Kunststoff nicht recycelt werden kann, fühlte ich mich betrogen! Ich habe eine Webseite namens “Rise Above Plastics” entdeckt, die zeigt, wie Plastik Millionen von Meerestieren tötet - darunter Vögel, Schildkröten, Delfine und Wale - und unsere Nahrungskette und Umwelt vergiftet.“
„Die einzige Antwort ist die Reduzierung am Ursprung, was eine Verringerung der Menge an Plastik, das wir alle in unserem täglichen Leben verwenden, bedeutet. Selbst kleine tägliche Aktionen können einen großen Unterschied machen...“
Tatsächlich haben Michelle und ihr Partner John ausgerechnet, dass sie schon 4.680 Plastiktüten - eine der am stärksten belastenden Form von Kunststoff, da sie in der Regel nur einmal gebraucht werden und sich nicht abbauen oder recycelt werden – „verweigert“ haben, seit sie sich der „Rethink, Refuse“-Politik verschrieben haben.
Und Michelle beharrte darauf, ihren eigenen Becher zu den Musikveranstaltungen in der Nachbarschaft mitzunehmen, was die Organisatoren zum Nachdenken angeregt hat.
„Mein eigenes Geschirr zu einer Veranstaltung mitzunehmen fühlte sich zunächst seltsam an“, lächelt sie, „aber es wurde um einiges einfacher, da die Menschen nun verstehen, warum ich das tue.“
„Keiner der Läden, in denen ich in Aljezur einkaufen gehe, würde sich im Traum einfallen lassen, mir eine Plastiktüte anzubieten!“, lacht sie.
„In der Tat bin ich sehr froh über diesen Artikel, da zumindest das portugiesische Volk auf dem Bauern-Markt nun in der Lage ist, in seiner eigenen Sprache zu lesen, warum ich darauf bestehe, dass sie mir alles direkt in meinen Einkaufskorb kippen!“
Ozeanograf und Segelboot-Kapitän Charles J. Moore, der unwissentlich in den späten 90er Jahren in den «Great Pacific Garbage Patch» gesegelt ist und seither Kunststoff nie mehr auf die gleiche Weise betrachten kann, sagte kürzlich bei einer TEDX Gesprächsrunde der „Plastic Pollution Coalition“: „Lasst uns auf lokaler Ebene beginnen die Kunststoff-Plage zu bekämpfen.“
Das ist genau das, was Michelle Cassar, und jetzt auch die Organisatoren vom Arrifana Sunset Fest, tun. Cassar hofft, dass die Menge an Bechern, die sie sammeln, die Grundlage für „Cups for the Community” („Tassen für die Gemeinschaft“) bildet - ein Plan, den sie für einen Bestand von Mehrweg-Geschirr für alle lokalen Veranstaltungen hat.
„Es ist egal, wie unpassend sie sind - ob Keramik oder Ton. Das einzig Wichtige ist, dass sie nicht aus Kunststoff sind und am Ende nicht den Planeten verschmutzen!“
„Ein erstaunlicher Nebeneffekt wäre, wenn wir lokale Kunsthandwerker dazu inspirieren könnten, Becher für diese Veranstaltungen zu fertigen!“
Aber das ist Zukunftsmusik. Denn der zunächst wichtigste Punkt ist, dass es sich herumspricht, und dabei zu helfen, die erste lokale „Rising Above Plastics“ Strand-Veranstaltung in Aljezur zu bewerben…








