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Nuno Branco, ERA – Portimão

“Jedes Haus hat eine Geschichte”

Nuno Branco ist Filialleiter der Immobilienagentur ERA im Zentrum von Portimão, einer der 19 Zweigstellen der Region, die 2010 den größten Erfolg verbuchen konnten. Ungeachtet der Krise hat es ERA an der Algarve geschafft, ein signifikantes Wachstum von 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 zu verzeichnen. Trotz der Schwierigkeiten, die diesen Wirtschaftszweig beeinträchtigen, insbesondere aufgrund der Reduzierung der Kreditvergabe seitens der Banken, verkaufte der Marktführer des Immobiliensektors in Portugal im vergangenen Jahr 12.000 Objekte. Im Interview berichtet uns Nuno Branco, dass dieses Geschäft vor allem mit menschlichen Geschichten zu tun hat, und verrät uns sein Erfolgsgeheimnis.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 660 (13 Jan 2011), Ohne Kommentare »
Nuno Branco - ERA, Portimão

“Was ich zusammen mit meinem Team mache, ist, das Haus des Verkäufers in unser Angebot aufzunehmen und zu versuchen eine andere Person zu finden, die dieses kaufen möchte”, ohne spätere Beschwerden oder Änderungen der Ideen. Im Prinzip ist dies das Geheimnis des Erfolgs der Geschäftsfiliale, die am 5. Januar 2009 aufgemacht hat, elf Menschen beschäftigt und 2010 etwa 40 Verkäufe abschloss - inmitten der Krise.

Nuno Branco, 43 Jahre, hat erkannt, dass man die Dynamik der Gesellschaft verstehen muss, um auf dem Wohnungsmarkt zu gedeihen. “Ich sage oft, dass dieses Geschäft wenig mit Häusern zu tun hat. Fast nichts. Es hat mit Menschen und ihren Problemen zu tun”, erklärt er.

“Wer verkauft, befindet sich häufig in einer komplizierten finanziellen Situation und muss diese auf eine schnelle und sichere Art lösen. Oder es muss ein größeres Haus gesucht werden, da ein Kind unterwegs ist, oder ein kleineres aus anderen Gründen. Manche ziehen aufgrund ihres Arbeitswechsels in eine andere Stadt.

Normalerweise steht immer ein sehr dringendes Bedürfnis dahinter. Niemand zieht einfach so um, kauft oder verkauft sein Haus - es sei denn, es sind Anleger, aber diese machen nur zehn Prozent unserer Arbeit aus”, sagt er.

Über 80 Prozent seiner Klienten (aller Nationalitäten) wohnen in Portimão. Am meisten gefragt ist ein T3 - eine Drei-Schlafzimmer-Wohnung. “Aber der Traum der Menschen ist es, ein Haus zu besitzen”, was aber nicht zu jedem Portemonnaie passt. Ein ferner Traum?

“Normalerweise läuft es so ab, dass mit dem Kauf eines erschwinglichen Eigenheimes begonnen wird, in der Regel einer Zwei-Schlafzimmer-Wohnung”. Sie ist die typische Wahl eines jungen Paares.

“Dann folgt der Erwerb einer Drei-Schlafzimmer-Wohnung. Danach wird versucht ein Haus zu kaufen. Bei Menschen um die 60 bis 65 Jahre haben deren Kinder das Haus schon verlassen und sind in ihr eigenes Heim gezogen. Bei diesen verkleinerten Familien sehen sich die Paare in zu großen Wohnungen. Hier ist der Prozess umgekehrt und normalerweise wird eine Wohnung in der Nähe des Stadtzentrums gesucht”.

In Anbetracht der wuchernden Urbanisierung Portimãos fragen wir Nuno Branco, ob es nicht zu viele Häuser gibt.

“Nein. Ich bin davon überzeugt, dass es zu wenig Häuser gibt”, meint er. “Welches ist das letzte Gebäude, dessen Baubeginn und Fertigstellung Sie gesehen haben - und wie lange ist das her?”, fragt er zurück.

Anhand eines zufälligen Beispiels, wie dem Glasgebäude, das nahe der Sardinen-Restaurants an der Uferpromenade gewachsen ist, hat sich Nuno Branco einige interessante Gedanken über den Wohnungsbestand der Stadt gemacht.

“Dieses Gebäude befindet sich seit 2008 im Bau. Und wir sprechen hier von der gehobenen Klasse (Luxus), die es in Portimão noch nicht gibt. Laut Informationen des Promoters ist fast alles verkauft.”

Ist es in Krisenzeiten nicht viel schwieriger das Teuerste, was der Markt zu bieten hat, zu verkaufen?

“Nein! Im Gegenteil. Heute haben diejenigen mit einem höheren Einkommen eine Chance einen Kredit zu bekommen. Sie haben die meisten Garantien für die Bankkredite und sie sind auch die letzten, die von der Krise betroffen sind”, erklärt Branco.

Und der einfache Bürger? “Es ist wahrscheinlich schwieriger für jemanden, der 1.000 Euro im Monat verdient 100.000 Euro von der Bank zu kriegen, als für jemanden, der 5.000 Euro monatlich erhält, sich 200.000 oder 300.000 Euro zu leihen. So läuft es eben”.

Bis vor kurzem “war es einfach einen Kredit zu bekommen und es war sehr einfach ein Haus zu kaufen. Damals, als es so um den Markt stand, glaubten die Menschen es würde immer so weiter gehen. Aber nichts ist ewig und die Dinge haben sich wegen des Fehlens von Regeln über die Art der Kreditaufnahmen der Menschen drastisch geändert; sie benutzen ihre Häuser als Sicherheit. Sie nutzen das Haus für den Konsum, um Autos zu kaufen, um Reisen zu bezahlen und in dem Moment, in dem das Haus auf dem Markt ist, verkaufen sie aber auch all das. Der Wert der Hypotheken entspricht nicht dem der Immobilie”.

Derzeit ist der Erwerb von Eigenheimen sehr eingeschränkt. Die Banken suchen sich die Kunden, denen sie einen Kredit geben, viel genauer aus. Aber das soll nicht heißen, “dass sich keine Häuser verkaufen lassen. Ich will damit sagen, dass der Markt heute sehr viel selektiver ist”, meint Nuno Branco.

“Das Immobiliengeschäft wurde in vielen Fällen nicht gut durchgeführt, weil es so einfach war. Und die Agenten haben sich nicht genug Mühe gegeben, einen guten Dienst zu leisten, da, wenn sie einen Kunden verloren haben, bald der nächste kam. Im Moment ist das anders. Wir sind in einer Zeit, in der das Vermittlungsgeschäft tatsächlich ein Service ist, der dazu dient, die Probleme der Klienten zu lösen”, garantiert er.

Aber zurück zu unserer Frage. Gibt es in Portimão nun zu viele Immobilien oder nicht?

“Das ist ganz einfach. Man muss verstehen, wie Portimão strukturiert ist. Es gibt zwei Sekundarschulen und etwa sieben höhere Ausbildungsstätten. Sie sind alle überfüllt. In diesem Schuljahr gibt es in der Sekundarschule Teixeira Gomes 22 achte Klassen mit durchschnittlich je 28 Schülern. Das bedeutet, es gibt viele Menschen in der Stadt. Die Bevölkerungszahl steigt”, gibt er zu bedenken.

“Realität in Portimão ist, dass es eine große Nachfrage nach Häusern gibt. Was den Rückgang der Zahl an verkauften Immobilien erklärt, ist ganz klar die Schwierigkeit, einen Kredit zu erhalten. Aber die Nachfrage existiert und ist weiterhin hoch”, schließt er.

So wundert es nicht, dass täglich Leute auf der Suche nach Mietobjekten in das Geschäft kommen. Die Nachfrage ist sehr hoch, aber das Angebot ist fast inexistent. Nuno Branco meint, dass es ein “Markt ist, der nicht funktioniert”, weil er einer “Logik” unterworfen ist, die für “den Mieter genauso wie für den Vermieter” unüblich ist.

Wenn Portimão in der Vergangenheit für diejenigen interessant war, die sich den Luxus geleistet haben ein Zweitwohnsitz für die Ferien zu erwerben, so ist diese Nische heute von geringer Bedeutung. “Obwohl es sie noch gibt, ist der erlittene Rückgang deutlich”. Sie fällt bei den Umsätzen des Geschäftes von Nuno Branco nicht sehr ins Gewicht.

“Als Folge des starken Rückgangs sehen wir, dass die Menschen ihre Zweitimmobilien zum Verkauf anbieten - um die Zahlung der Hypothek auf das Heim, in dem sie leben, zu erleichtern” und damit die Schulden bei der Bank zu tilgen.

“Menschen, die ein ausreichendes Einkommen hatten, um sich ein zweites Haus an der Algarve zu leisten und es heute wahrscheinlich für überflüssig halten”, erklärt er.

“Es ist ein Phänomen, das sich seit 2008 verwirklicht hat”. Zeichen der Zeit? Branco wiegelt ab. “Der Immobilienmarkt ist sehr dynamisch. Er verändert sich ständig”.

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