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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Ivo Brochado

Hände, die Füßen helfen

Man mag sie oder nicht, aber die Füße sind nun mal das Fundament des menschlichen Körpers. Neben der Verschaffung von Mobilität, helfen sie der Blutzirkulation unseres Körpers. Aber trotzdem sind sie die am meisten vernachlässigten Teile unseres Körpers, um die wir uns nur kümmern, wenn sie schmerzen. Das sagt Ivo Brochado, 27 Jahre, ausgebildet in Podologie – ein Zweig der Medizin, der noch recht unerforscht ist. Vor kurzem kam dieser junge Podologe aus Porto in den Süden, um Füße an der Algarve zu behandeln, einer Region, wo diese Art der Pflege kaum bekannt ist. Aber laut Statistik des IX. Diabetes-Kongresses in Vilamoura im letzten März, ist die Algarve das Gebiet in Europa, wo die meisten großen Amputationen aufgrund des “Diabetischen Fußsyndroms” bei Zuckerkranken durchgeführt werden.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 643 ( 9 Sep 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

“Nein, im Allgemeinen pflegen die Menschen ihre Füße nicht besonders. Sie nehmen die Bedeutung ihrer Füße im Alltag nicht wahr”, sagt Ivo Brochado. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, “suchen sie normalerweise einen Fußpfleger, die Pediküre oder jemand anderen auf, der auch keine detaillierten Kenntnisse über Anatomie, Physiologie, Biochemie oder Pharmakologie hat”, bedauert Ivo Brochado.

Tatsächlich gibt es einen Unterschied. Podologen sind Spezialisten auf dem Gebiet der Podiatrie (Fußerkrankungen). Sie behandelt Füße mit einem klinischen Ansatz, nicht nach ästhetischen Kriterien.

“Oft kann man das Problem nicht vollständig beheben. Ein Kallus (Schwiele) zum Beispiel ist eine Form des Schutzes unseres Organismus. So wie Fieber. Wenn unseren Füßen etwas Schlimmeres widerfährt, wenn übermäßiger Druck auf einzelne Punkte ausgeübt wird, entsteht am Fuß eine Schicht Haut (Hyperkeratose). Und was machen die Menschen? Sie gehen zur Fußpflege und lassen sie abschneiden. Klar verspüren sie erst eine Erleichterung, da die Hornhaut einen Entzündungsprozess verursacht. Aber das ist keine Lösung, da der Körper nach einiger Zeit die Hornhaut wieder aufbaut”, erklärt er.

“Ich hatte eine Patientin, die 30 Jahre Probleme mit ihren Füßen hatte. Sie hatte zwei riesige Kallusse, wirklich ganz schlimm, aufgrund einer Deformation. Sie war bei allen möglichen Spezialisten, aber die Ärzte wussten nicht, wo das Problem liegt. Es reichten zwei maßgefertigte Einlagen, um die Druckstellen zu entlasten und das Problem zu beheben. Die Dame rief mich weinend an, weil sie nicht mehr wusste, wie es ist, schmerzfrei zu gehen. Also, es gibt Lösungen”, garantiert er.

Selbst die geläufigsten Probleme können tückisch sein. “Zu mir kommen Menschen, die denken sie haben Schwielen. Oft sind es aber Humane Papillomviren, gemeinhin als Warzen bezeichnet. Der Virus wird von Fuß zu Fuß auf andere Menschen übertragen”, sagt er.

“Und ein großer Teil der portugiesischen Population leidet an Fußpilz. Die Haut juckt, es ist unbequem und daher suchen die Menschen nach Hilfe. An den Nägeln ist es nur unansehnlich. Die Damen malen sie an und verschleiern es. Die Herren finden es nicht so wichtig. Wir sprechen hier aber über ein Problem, das die öffentliche Gesundheit betrifft”, setzt er hinzu.

Der Fuß leidet an der Bewegungsarmut des modernen Lebens, was die Muskeln verkümmern lässt, aber noch mehr leidet er unter der Mode - besonders unter der der Frau. “Es existieren Schuhe mit hohen Absätzen, die viel zu schmal sind, und schreckliche Schmerzen verursachen”, sagt er.

“Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt, dass neun von zehn Frauen, die hohe Absätze tragen, ihr Leben lang an Deformationen und Gelenkschmerzen leiden”. Nichtsdestotrotz “bevorzugen es viele Leute, jetzt und noch etliche Jahre zu leiden, als andere Schuhe zu tragen”. Männer haben meistens Probleme mit ihren Arbeitsschuhen.

Da schon von Mode die Rede ist, weiß Ivo Brochado zu berichten, dass es einige Menschen gibt, die finden, Füße seinen der am wenigsten attraktive Teil des Körpers. “In der Tat gibt es viele Menschen, die von diesem Körperteil nichts wissen wollen. Wenn sie ihre Füße das Leben lang in inadäquates Schuhwerk zwingen, ist es klar, dass sie eines Tages auf Überbeine, Krallenzehen und Verformungen blicken. Und das ist tatsächlich nicht sehr schön”.

Die Podologie ist sehr umfassend, und Ivo Brochado hat ein spezielles Interesse für das «Diabetische Fußsyndrom» entwickelt - ein Problem, von dem Patienten mit Diabetes mellitus betroffen sind. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel kann eine diabetische Neuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, hervorrufen, wodurch die Patienten kein Gefühl mehr in den unteren oder oberen Extremitäten haben. “Die Füße können durch banale Dinge, wie ein Stein im Schuh, schwere Schäden erleiden. Jemand, der ein volles Gefühl im Fuß verspürt, bleibt sofort stehen und entfernt den Stein. Ein Diabetiker, der spazieren geht, läuft eine ganze Weile damit weiter”.

Brochado arbeitete zuvor im Hospital de Santo António, in Porto - seit 1981 die erste Klinik des Landes zur Beratung beim Diabetischen Fußsyndrom. Dort hat er “absurde und schwer vorstellbare Situationen erlebt”.

“Ich habe Kronkorken mit den Spitzen nach oben gesehen, Pillen, Legoteile von den Enkelkindern, die den Patienten in den Füßen steckten. Eines Tages kam ein Mann, dem ein Nagel durch den Fuß gebohrt war. Es sah aus wie bei einer Kreuzigung. Wir haben seinen Schuh nicht mehr ausbekommen. Er war buchstäblich an seinen Fuß genagelt”, erinnert er sich.

Für das Diabetische Fußsyndrom gibt es keine Heilung, aber man kann die Füße pflegen, um dem totalen Verlust des Gefühls vorzubeugen. Es ist eine Aufgabe, die die Aufklärung von Angehörigen der Gesundheitsberufe und der Patienten umfasst.

“Im Moment bin ich in ein Projekt involviert, das die Algarve und den Alentejo abdeckt und sich an Ärzte und Pfleger richtet, um eine theoretische und praktische Ausbildung zu absolvieren. Währenddessen führe ich Behandlungen am «Diabetischen Fußsyndrom» in den verschiedenen Gesundheitszentren durch. Es wurde schon sehr erfolgreich im Gesundheitszentrum von Faro gearbeitet, und in den kommenden Wochen ist Brochado in Tavira und Vila Real de Santo António.

In Portugal finden seit 1994 Podologie-Fortbildungen statt. Portugal war sogar eines der ersten Länder, die ein Aufbaustudium in Podologie schufen. Im benachbarten Spanien erfreut sich diese Sparte wachsender Popularität, und die Fachleute dort können sogar Rezepte ausstellen. Das einzige Problem, das Ivo Brochado sieht, ist, dass die Podiatrie noch nicht in das nationale Gesundheitssystem eingebunden ist. Wenn man also die Hilfe eines Podologen in Anspruch nehmen will, muss man dafür bezahlen.

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