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Müll
Ein wachsendes Dilemma

Diese Woche teilt der Umweltschutzaktivist Antonio Lambe seine Gedanken zu Portugals stetig wachsendem Problem mit den Müllhalden mit uns. Es ist ein Problem, das sich rasend einem Knackpunkt nähert. Die Müllhalden des Landes füllen sich um einiges schneller, als anfänglich gedacht und unsere Recyclingrate ist beschämend niedrig. Wenn Sie daran Interesse haben, das wachsende Problem in den Griff zu bekommen und einen Beitrag für unsere Zukunft zu leisten, lesen Sie weiter…
Das Konzept Müll existiert in der Natur nicht - alles wird wiederverwertet oder weiterverwertet. Fast alles wird regeneriert. In unserer Gesellschaft ist Abfall aber ein großes und wachsendes Problem.
Laut Eurostat (2008) werden in den europäischen Haushalten über eine halbe Tonne Müll jedes Jahr pro Kopf entsorgt. Die Konsequenzen dieser Verschwendung sind ernst zu nehmen. Abgesehen von der Zerstörung der Ressourcen - 40% wird auf Gemeindedeponien vergraben, 20% landet in Müllverbrennungsanlagen - gibt es mehrere andere schädliche Auswirkungen. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass über fünf Millionen Menschen jedes Jahr weltweit an Krankheiten sterben, die mit dem inadäquaten Abfallentsorgungssystem in Zusammenhang stehen.
Der Einfluss auf die Flora und Fauna ist natürlich weit größer. Das Oberflächenwasser und das Grundwasser sind durch Abwässer kontaminiert. Die Luft ist mit Stickoxiden, Schwefeldioxid, Dioxinen, Feinstaub und ozonabbauenden Substanzen belastet.
Und dann ist da noch der Geruch. So schlimm, dass die Anwohner nahe der Barlavento Müllkippe bei Portimão - die den Wert ihrer Grundstücke mit dem wachsenden Müllberg schwinden sehen - sogar in heißen Sommernächten gezwungen sind, ihre Fenster geschlossen zu halten.
Der Rückgang der Artenvielfalt und die Ausbreitung von Neozoen (durch Menschen bewirkte Verbreitung einer Spezies), die auf den tausenden Tonnen Müll durch die Weltmeere gespült werden, sind andere Auswirkungen.
Und da ist eines der jüngeren Anliegen: Der Klimawandel. Papier, Biomüll und andere abbaubare Abfälle in den Deponien setzen Methan frei - ein bekanntes Treibhausgas, das fast 70 Mal mehr Wärme erzeugt, als Kohlendioxid.
Wenn Plastik und Textilien in Müllverbrennungsanlagen vernichtet werden, wird Distickstoffoxid ausgestoßen - das fast 300 Mal stärker ist als Kohlendioxid.
Mit der Erkenntnis über einige dieser Bedrohungen, verbot die Europäische Union 1975 die üblichen (und sehr viel umweltverschmutzenderen) Müllhalden, speziell in den ärmeren südlichen EU-Mitgliedstaaten, die für die meisten Siedlungsabfälle bestimmt waren.
Mit Fördermitteln aus Brüssel begann Portugal in den 90er Jahren mit dem Bau von über 40 Deponien. Zwei davon verarbeiten heute die 355.000 Tonnen Abfall, die jährlich an der Algarve anfallen - die größte Menge der Regionen des Landes.
Offiziell spricht die Abfallwirtschaft immer von der Bedeutung der “drei Rs”: “Reduce, Reuse, Recycle” (Reduzieren, Wiederverwerten, Wiederaufbereiten) - Hausmüll aber scheint keine Priorität zu haben.
Die Förderung des öffentlichen Bewusstseins ist bescheiden, während die Nachfrage der Gemeinschaft nach “Ecopontos”, wo der Müll getrennt werden kann, häufig ignoriert wird. (Die Gemeinde Silves wartet inzwischen schon zwei Jahre auf die Einrichtung der Wertstoffcontainer).
Gleichzeitig gibt es seitens der Regierung keinen Anstoß, dass die Geschäfte die Verpackungen reduzieren - und viele Supermärkte händigen weiterhin wahllos Plastiktüten aus. Die Behörden könnten steuerliche Anreize geben, um recyceltes Material für neue Produkte zu fördern.
Aber das Problem liegt nicht nur an der Regierung. Wir Bürger müssen reagieren. Bei der groß angelegten, landesweiten Aufräumkampagne «Limpar Portugal» Anfang diesen Jahres waren die Bürger tatkräftig dabei. Tausende Freiwilliger sammelten tonnenweise Müll und Schutt aus der Landschaft ein. Die Resonanz war beispiellos und, in dem Land mit der niedrigsten Bürgerbeteiligung des Kontinents, historisch und vielversprechend. Aber die Gruppe ist wieder weitgehend im Schlaf versunken, statt die öffentliche Aufmerksamkeit für weitere Aktionen zu nutzen.
Als Ergebnis dieser offiziellen und öffentlichen Defizite sind die Recycling- und Kompostierungsraten in Portugal erwartungsgemäß enttäuschend. Während Österreich, Deutschland und die Niederlande den Großteil ihrer Abfälle trennen und weiterverwerten (70, 65 und 60%), verbrennt oder vergräbt Portugal seinen ganzen Abfall bis auf magere 17%.
Der Einsatz ist so gering, dass die meisten Halden des Landes viel schneller als erwartet an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.
Viele Leser helfen vielleicht bereits dabei, diesen Prozess zu verlangsamen, indem sie ihre Abfälle in die drei verschiedenen Container der “Ecopontos” sortieren: Glas, Papier und Verpackungen, statt sie alle zusammen als “lixo” wegzuschmeißen. Aber immer wieder taucht die Frage auf, was wo rein gehört; und die falsche Trennung ist ein großes Problem für die Gemeinden: Safttüten im Papier zum Beispiel. Wenig offensichtlich sind vielleicht auch folgende Stoffe:
Verpackungen
Tetrapaks (obwohl sie hauptsächlich aus Papier bestehen, enthalten sie Plastik und Aluminium);
Hundefuttersäcke aus Papier mit Plastikeinlage, wenn Sie diese vorher nicht voneinander trennen;
leere Speiseöl-Plastikflaschen und ausgekratzte Margarinebecher;
Plastiktüten mit Papieraufklebern (wie bei Bäckereiprodukten);
Plastiknetze (von Kartoffeln, Zwiebeln, etc.);
alle anderen Plastiktüten, vorzugsweise mehrfach benutzt;
Gartendüngersäcke.
Papier
An Waschpulverkartons kann der Plastikgriff dran bleiben.
Glas
Metall und Plastikverschlüsse müssen nicht von Flaschen und Gläsern abgeschraubt werden, obwohl es richtiger ist, diese als Verpackungen zu entsorgen.
Restmüll
Zellophan, Frischhaltefolie;
Aluminiumfolie (leider; nur Ungarn recycelt weniger Aluminium als Portugal);
leere Papiersäcke von Zement und anderen Baumaterialien, leere Motoröl- und ähnliche Plastikkanister können (bisher) wegen der Rückstände nicht recycelt werden.
Sperrmüll
Alles mögliche, meist großvolumige Dinge oder Haushaltsgeräte. Aber auch Garten- und Landwirtschaftsmaterialien wie Plastikschläuche, Gewächshausfolien und Verschattungsnetze ebenso wie Farbeimer, wenn sie nicht komplett sauber sind, fallen in diese Kategorie. Jede Gemeinde behandelt diesen Müll auf ihre Weise und sollte über die ordnungsgemäße Entsorgung konsultiert werden.
Allgemeine Tipps
- Bitte beachten Sie die Reihenfolge der “Drei Rs” (Reduce, Reuse, Recycle/ Reduzieren, Wiederverwerten, Wiederaufbereiten). Recyceln ist der letzte Schritt. Reduzieren ist am besten.
- Kompostieren Sie zu Hause so viel wie möglich. Die Hauptquelle der unangenehmen Gerüche und die Hauptquelle von potenziell umweltbelastendem Sickerwasser auf den Deponien sind Speisereste.
- Zerkleinern Sie Kartons und Dosen vor dem Einwurf in die Wertstoffcontainer, um Platz zu sparen.
- Für normale Batterien gibt es an einigen Ecopontos Container und in vielen Geschäften findet sich die Möglichkeit zur Entsorgung in Sammelboxen.
- Lassen Sie NIE Altöl ins Abwasser gelangen. Alle Werkstätten haben Recyclingeinrichtungen.
Der Planet, von dem unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden abhängt, schwebt in Gefahr. Einige Gefahren, wie die Zerstörung der Ozonschicht, sind verwirrend. Andere, wie der Klimawandel, scheinen in weiter Ferne, und nur wenige von uns begreifen, und noch weniger von uns akzeptieren, dass wir erhebliche Veränderungen in unserer Lebensweise brauchen, wenn wir hoffen unseren Kindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.
Der verantwortungsbewusste Umgang mit unserem Abfall ist eigentlich eines der einfacher zu lösenden Probleme. Hoffentlich können wir uns dieser verhältnismäßig bescheidenen Herausforderung stellen.








