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2010
Die Weinlese auf der «Quinta dos Vales»

Die Hitze inmitten der Reben ist beinahe unerträglich, obschon die circa 900 Kilogramm Trauben der Sorte “Gouveio” am Anfang ihres Verwandlungsprozesses stehen, um ein Genuss für kühlere Tage zu bieten. Das ist kein Zufall. “Aufgrund der hohen Temperaturen zerläuft die Traube beinahe. Über Nacht werden die Trauben an einem kühlen Ort gelagert, um am nächsten Morgen weiterverarbeitet zu werden,” erklärt uns Marta Rosa, 29 Jahre alt, die eine Ausbildung an der Universität Évora genoss und nun als Önologin auf der «Quinta dos Vales» arbeitet.
Die Ärmel hochgekrempelt, liest sie manuell die besten Weintrauben auf dem Sortierisch aus. Und hier beginnt alles. “Ja, der wichtigste Prozess ist die Wahl der Tauben. Indem wir das gesündeste Lesegut auswählen, stellen wir die Weichen für einen Qualitätswein”, erklärt uns die junge Önologin.
Die Verarbeitungsmethode ist zwar nicht mehr rein traditioneller Natur, erreicht aber auch nicht den Grad einer Vollindustrialisierung. Die Trauben kommen in eine Maschine, den Entrapper, die die Beeren von den Stielen und Grünteilen trennt, gelangen in eine pneumatische Presse, und es entsteht die Maische.
Die trübe, grüne Flüssigkeit ist der Ursprung des Weines und in geschmacklicher Hinsicht eine Überraschung – süß wie Honig. Die Vergärung des Zuckers lässt diesen Most in Wein verwandeln.
So ausgedrückt scheint alles sehr einfach zu sein. Aber bevor die Trauben von Hand verlesen und in 15 Kilogramm Kisten gelegt werden, stehen sie unter strengster wissenschaftlicher Beobachtung.
“Die Trauben werden jeden Tag am Rebstock kontrolliert, damit sie nicht überreifen”, erklärt Marta Rosa. Das heißt, es werden täglich Proben von verschiedenen Rebstöcken genommen, um zu sehen, in welchem Reifezustand sich die Trauben befinden und ob sie den Zucker- und Säuregehalt, den wir erreichen wollen, besitzen”.
“Der Zuckergehalt gibt dem Wein den Alkoholgehalt. Und die Säure muss abgepuffert werden”, fügt sie hinzu.
In Wahrheit ist dies die wichtigste Komponente bei der Weinherstellung. Wenn der Säuregehalt zu niedrig ist, werden die Weine uninteressant. Ist er zu hoch ist, hinterlässt der Wein einen bitteren Geschmack auf der Zunge. Aber in der richtigen Quantität entsteht ein spritziger, frischer Wein. Die Säure ist eines der vier wichtigsten Elemente für die Geschmacksgebung. Die Säuren verleihen dem Wein sein Aroma, seine Identität.
Auf die Frage, wie die Weinlese in diesem Jahr sein wird, antwortet Marta Rosa mit Optimismus: “Die Erwartungen sind hoch. Die Trauben sind in einem hervorragenden Zustand, und es wird alles zum richtigen Zeitpunkt gemacht”.
Wahrscheinlich wird die Rebsorte “Castelão” – zur Herstellung von Rosé oder Weißwein - in diesem Jahr die letzte sein, die gelesen wird. Als erste wurde “Aragonês”, bestimmend für den Rotwein, geerntet. Darauf hin folgen “Castelões” und die weißen “Arinto, Siria, Malvasia und Viognier”, erzählt uns Aníbal Neto, 31, Agraringenieur und Verantwortlicher für den Weinbau und die Herstellung.
Nach der Lese folgt viel Feinarbeit in der Kellerei, und es müssen ständig Kontrollen durchgeführt werden”. Das ganze Jahr über stehen für Marta Rosa im Labor viele Arbeiten an. Es werden täglich Analysen durchgeführt. “Aufgrund dieser Analysen weiß ich, wann der Wein mit der Gärung begonnen hat und wann diese abgeschlossen ist”, sagt sie.
Der Weiß- und Schaumwein, sowie der Rosé werden in einer Kühlkammer gemacht. Die Basis für den Schaumwein 2010, hergestellt aus “Castelão”-Trauben, steht schon bereit. Wann der Schaumwein trinkbereit ist, ist noch ungewiss. Der Schaumwein 2008 ist fast soweit. “Es ist ein langwieriger Prozess”, fügt Aníbal Neto hinzu.
Der Weißwein 2010 wir erst im kommenden Februar in Flaschen abgefüllt. “Wir produzieren schätzungsweise 4000 tausend Liter Weißwein “Grace“, wovon circa 10 tausend Liter Qualitätswein ist, 5000 Liter Rosé und 25.000 Liter Schaumwein”, sagt uns Aníbal Neto.
“Beim Rotwein dürften es mehr werden. Wir setzen auf Qualität. Unsere “Castelão” Rebstöcke produzieren 10 Tonnen pro Hektar. Aber wenn die Trauben reifen, schneiden wir circa 70 Prozent weg, und es bleiben lediglich 30 Prozent. Das ist eine äußerst konsequente, aber sehr kostspielige Entscheidung. Beim Cabernet Sauvignon beispielsweise liegt die Ausdünnung bei rund 50 Prozent.”
In Kellern vier Meter unter der Erdoberfläche ruhen bei konstanter Temperatur 80 bis 100 Eichenholzfässer (Barrique) mit einem Inhalt von je 225 Litern, in welchen die «Quinta dos Vales» die Rotweine des Jahrgangs 2009 lagert. Der Ausbau der circa 18 tausend Liter Rotwein wird bis Ende Oktober dauern.
Ausbau nennt sich in der Fachsprache der Zeitraum, in dem der Wein in den Holzfässern reift, was viel Fingerspitzengefühl verlangt. Werden die Weine nicht überwacht und getestet, können sie aufgrund der Verdunstung eine Qualitätseinbusse von bis zu einem Viertel erleiden oder oxydieren.
Auf der «Quinta dos Vales» wird ein Holzfasses drei Jahre benutzt. Danach können die Barriques einmal aufgearbeitet und maximal weitere zwei Jahre verwendet werden. Das billigste Fass kostet 600 Euro, das teuerste 960 Euro. “Die Wahl des Holzes bedeutet eine gezielte Anreicherung des Weines. Wir versuchen, den Wein den verschiedenen Hölzern, je nach Charakteristika, anzugleichen. Es ist nicht das Barrique, das dem Wein seinen Geschmack und sein Aroma verleiht, es unterstützt den Wein lediglich, sein Potential voll zu entfalten”.
Der hier produzierte Wein steht in verschiedenen Supermarktketten und “circa fünf Prozent der Restaurants an der Algarve” im Angebot. Der Export befindet sich im Aufbau, wobei Kanada, Holland, Deutschland, Frankreich und die Schweiz bereits zu den Abnahmeländern gehören.
Es ist geplant, dass in Zukunft auch Branntweine hergestellt werden. “Auf unserer Quinta wachsen verschiedenste Früchte – Zwetschgen, Pfirsiche, Feigen, Johannisbrot und Mandeln. Produkte, die destilliert werden können. Und natürlich sind wir an einer kleinen Destille interessiert“, wird uns verraten.
Nebst der Kunstausstellung, die bereits ein Image der Marke ist, dem Landgasthof und dem neu eröffneten Laden „artes barricas“ in Porches, ist die «Quinta dos Vales» Mitglied einer Kommission, die plant, eine Weinstrasse in der Algarve ins Leben zu rufen.








