PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelThema der WocheDie Königin der Lüfte

Diana Gomes da Silva

Die Königin der Lüfte

Diana Gomes da Silva, 26 Jahre ist weltweit die jüngste Kunstfliegerin und die einzige auf der iberischen Halbinsel. Das Abenteuer begann, als sie sich aus eigenem Antrieb dazu entschloss den Privat-Pilotenschein (PPA) zu machen. Sie arbeitete ein Jahr lang dafür, sich den Kursus leisten zu können – und schon bei ihrem ersten Flug erkannte sie, dass es das war, was sie wollte: Ein Flugzeug steuern. Heute ist sie Co-Pilotin bei der SATA und lenkt auf Mittelstrecken einen Airbus A320. Auch an Zukunftsplänen mangelt es ihr nicht.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 639 (12 Aug 2010), 1 Kommentar »

Wir treffen die junge Fliegerin während einer Pause in familiärem Ambiente in dem Dorf Pedras del Rei, Tavira. In dem Gespräch berichtet sie davon, dass sie mit João Bettencourt, Pilot bei TAP, ihrem Lebensgefährten und Partner, ein Akrobaten-Team gründen will. Sie wollen an internationalen Meisterschaften teilnehmen.

Wie uns die “Rainha” (Königin) – den Spitznamen haben ihr ihre Kollegen verliehen – eröffnet, wollen sie außerdem die Art der Luftwerbung in Portugal revolutionieren und eine Flugsicherheitsschule in Tires eröffnen.

Wie kam es zu diesen beiden gegensätzlichen Seiten der Luftfahrt? Die Arbeit bei einer Fluggesellschaft, wo alles korrekt sein muss, und die Kunstfliegerei, die viel aufregender ist?

Die Grundlagen der Fliegerei sind bei beiden genau gleich. Jeder denkt, dass nur in der kommerziellen Luftfahrt alles ziemlich geradlinig sein muss. Doch in der Flugakrobatik ist alles noch viel strenger.

Von dem Moment an, in dem man abhebt, muss man sich auf alle Manöver konzentrieren - ich fliege bis Höhe “X”, mit der Geschwindigkeit “Y”, werde umkehren und eine Reihe an Manövern durchführen, komme aus ihnen und mache ein paar weitere. Letztlich ist alles bis zum Moment der Landung durchgeplant. Ein Kunstflug ist also viel durchdachter als ein Linienflug, bei dem alles irgendwann zur Routine wird.

Gibt es denn Platz für Emotionen?

Ja, klar! Es ist viel Arbeit auf intellektueller Ebene, aber gleichzeitig wird unheimlich viel Adrenalin ausgeschüttet.

Wie trat die Fliegerei in Ihr Leben?

Nun, mein Großvater Carlos, der Vater meiner Mutter, hatte ein Flugzeug in Angola, aber der Funke der Leidenschaft ist nie auf mich übergesprungen. Er starb als ich dreizehn war, und wir hatten nie über Flugzeuge gesprochen. Ich wollte eigentlich immer Astrophysikerin werden.

Aber mit 17 Jahren wurde dieser Weg für mich aus verschiedenen Gründen unbeschreitbar. Einer davon war, dass die Anforderungen für einen solchen Kurs in Portugal sehr hoch sind. Und da ich Flugzeuge immer mochte, entschied ich mich für sie.

Hat Sie jemand zur Fliegerei ermutigt?

Nein, niemand. Am Anfang haben mich nicht einmal meine Eltern unterstützt. Ich glaube man muss ein Gespür für den Beruf mitbringen. Eine Affinität hilft immens.

Was meinen Sie mit Affinität?

Vor allem muss man es bedingungslos mögen. Motivation ist alles im Leben, unabhängig davon, worum es sich handelt. Die finanzielle Motivation führt viele Menschen bei ihrer Berufswahl in die Irre. Es reicht nicht aus, wenn jemand in seinem Beruf technisch gut ist.

Denken Sie, dass einige nur wegen des Geldes Piloten sind?

Ja. Ich glaube, dass es in den letzten Jahren einen großen Boom gab. Viele sehen die Fliegerei als eine Art Investition an; nicht weil sie sie mögen, rein aus wirtschaftlichen Gründen.

Es existiert immer noch die Vorstellung, dass Piloten ein wunderbares Leben haben…

Man verdient nicht schlecht, man bekommt die Verantwortung bezahlt, die man trägt. Und im Grunde auch die Wochenenden, die man nicht zu Hause verbringt, Weihnachten oder andere Feiertage, die man alleine ist, und die Ferien, die man nicht hat.

Wir sind stark kosmischen Strahlen ausgesetzt und die Wahrscheinlichkeit Haut- oder anderen Krebs zu kriegen, liegt weit über der normaler Personen. Neuere Studien belegen, dass die Lebenserwartung von Piloten unter der von Menschen aus anderen Berufssparten liegt.

Wussten Sie das, als Sie sich für diese Karriere entschieden haben?

Nein. Aber als ich meinen ersten Flug machte, wusste ich sofort, dass es das war, was ich in meinem Leben wollte.

Denken Sie, dass es eine Luftfahrtkultur in Portugal gibt?

Kaum. Aber ich sehe ein großes Potential und dass die Menschen in Portugal Flugzeuge lieben. Außerdem stelle ich fest, dass mir viel Achtung zuteil kommt und mich viele Personen unterstützt haben. Ich hatte überhaupt nichts erwartet. Aber ich muss auch sagen, dass ich vor kurzem ein Treffen mit einer großen Firma hatte, die mir sagte: “Für uns existiert nur Fußball”.

Wie haben Sie reagiert?

Wir haben im Leben nur zwei Optionen, wenn wir Dinge hören, die uns nicht gefallen. Wenn wir denken, es ist eine intellektuell stimulierende Herausforderung, diskutieren wir weiter. Wenn nicht, belassen wir es dabei. So war es in meinem Fall.

Ich kann einer Person, die sich so äußert, nicht erklären, dass ich Verkehrspilotin bin, dass ich mich weiterbilden muss, mit Flugsimulatoren arbeite, körperlich und intellektuell stark gefordert bin und mir keine Fehler unterlaufen dürfen. Ein Fußballer kickt und wenn er mal daneben schließt, ist es auch nicht so schlimm. Ein solcher Fehler kann in der Luftfahrt Leben kosten.

Wie sieht das Leben eines Kunstfliegers aus?

Das ist eine gute Frage. Bisher war es eine sehr große persönliche Investition. Im Moment versuche ich die Sichtweise der Menschen auf die Kunstfliegerei in Portugal zu ändern. Es gibt diverse Möglichkeiten, sie zu etwas finanziell Nachhaltigem zu machen. Eine davon ist die Werbung - und ein Flugzeug mit einer bestimmten Marke zu verbinden.

Warum haben Sie eine Pitts Special gewählt?

Für mich ist es das schönste Flugzeug der Welt. Technisch ist sie sehr schwierig zu fliegen und eine enorme Herausforderung, weil sie ein Flugzeug aus den sechziger Jahren ist, und obwohl sie den Charme eines Doppeldeckers versprüht, bringt sie einige Nachteile. Aber insgesamt ist es eine fantastische Maschine. Meine hat drei Propellerblätter, mit denen man die gyroskopischen Kräfte gut für die Manöver nutzen kann.

Wo befindet sich Ihr Flugzeug?

In Tires. Die Gemeinde von Cascais hat mich unterstützt. Und dort wollen wir auch bald eine Schule für Flugsicherheit eröffnen.

Ist es für einen Piloten von Linienmaschinen nützlich, sich mit dem Kunstfliegen auszukennen?

Zweifelsohne. Die Kunststücke und ungewöhnlichen Manöver tragen sehr zu der Leistungsfähigkeit bei. Es hilft dem Piloten gefasst auf jede außergewöhnliche Situation zu reagieren.

Was sagen Ihre Kollegen von der SATA?

Das allgemeine Gefühl ist Bewunderung. Sie unterstützen mich und zollen mir eine Menge Respekt.

Hatten Sie in Ihrer Karriere schon einmal Angst?

Die bisher größte Angst in meinem Leben hatte ich auf den Straßen Portugals. Abgesehen davon hatte ich in der Kunstfliegerei, dank meines Trainings und meiner Prinzipien, noch keine.

Bei Linienflügen schon. Ich hatte einen Birdstrike, ein Vogel hat meinen Airbus A320 gerammt, einmal fuhr das Fahrwerk nicht herunter und der Geschwindigkeitsmesser funktionierte irgendwann nicht richtig, was zu den komplexesten Notsituationen überhaupt zählt.

Halten Sie sich für ein Vorbild für portugiesische Frauen?

Absolut, weil ich auf meinem Lebensweg konsequent meinen Traum verfolgt habe. Natürlich musste ich auf viel verzichten. Die familiäre Seite des Lebens, die für viele Frauen an erster Stelle steht, habe ich momentan nicht und steht wegen des Berufs klar hinten an.

Und Wettfliegen?

Ja, das ist auch ein Ziel. Aber ich muss meine Technik noch verbessern, um bei Rennen wie dem Red Bull Air Race mitzumachen. Nächstes Jahr werden ich am Reno Air Race in den Vereinigten Staaten teilnehmen.

Verwandte Artikel
Natividade Gomes Augusto
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 592 (10 Sep 2009), Ohne Kommentare »
Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.
força Diana sou amigo dos teus pais e sou o marido da prof. Celina.
um dia tens de me tirar o medo de voar. bj e boa sorte
velhinho, Porches, 12 August 2010 02:45