PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelThema der WocheÍris - Fernab der Allgarve

Íris - Fernab der Allgarve

Kaum jemand an der Algarve wird noch nie etwas von Íris gehört haben. Die Gruppe wurde vor 30 Jahren von dem charismatischen Sänger, Gitarristen und Komponisten Domingos Caetano, 52 Jahre, gegründet. Sie begannen auf Tanzveranstaltungen und in Bars aufzutreten, und im Laufe der Jahre machten sie mit originellem Rock und einem starken Akzent aus Fuzeta erfolgreich Karriere. Aber in diesem August, voller Festivals und Konzerte bekannter internationaler Namen, wo bleibt die vielleicht “algarvianischste” Band der Algarve?
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 638 ( 5 Aug 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Sie fühlen sich nicht diskriminiert, weil sie ein sehr treues, regionales Publikum haben. Dennoch kritisieren sie das Line-Up, das dieses Jahr in der Region gefördert wird. Fragen Sie zum Beispiel Domingos Caetano, Frontmann von Íris, warum sie nie im Rahmen des Programms von «Allgarve» aufgetreten sind.

“Diese Ebene haben wir nicht erreichen können. Vielleicht halten die Organisatoren uns nicht für ein “Qualitätsprodukt” aus der Algarve.”

Interessanterweise ist es die einzige Band aus der Algarve, die zwei goldene Schallplatten und eine silberne für ihre Plattenverkäufe erhalten hat.

Íris gründete sich 1979 und ist noch heute gut in Form. Gerade hat die Band eine neue Scheibe aufgenommen, namens «Sueste», die im November herausgebracht wird und “einen ethnischeren Klang hat, passend zu unseren Vorfahren, den Marokkanern”, erklärt Domingos.

Die Produktion dauerte fast zwei Jahre. “Wir haben uns dabei Zeit gelassen”. Das Album wurde komplett im bandeigenen Studio in Fuzeta aufgenommen.

Verpackt in Regen und das charakteristische Licht der Ostalgarve im Winter, hat Íris viele Nachmittage mit der Studioarbeit verbracht, mit Aufnahmen und Experimenten. Sie hatten sogar Ideen für das nächste Album, “das noch viel innovativer sein wird”.

“Wir sind die erste portugiesische Rockband, die mit einem Orchester aufgetreten ist und das Konzert live als DVD und CD aufgezeichnet hat”. Ähnlich wie andere große Namen der internationalen Musikszene, sprich die Amerikaner Metallica oder die deutsche Band Scorpions.

“Zu Beginn wollten wir mit dem Orchester der Algarve zusammenarbeiten. Wir dachten, dass es Sinn macht und gut für die Region ist. Wir nahmen Kontakt auf, doch der Maestro hielt die Idee für schlecht. Vielleicht hat er befürchtet, es würde dem Orchester irgendwie schaden”, sagt er.

Der bulgarische Geiger Emiliano Petrov, Lehrer an dem Konservatorium von Vila Real de Santo António, hat schließlich die Idee unterstützt, und das Ergebnis wurde 2007 veröffentlicht.

Trotz ihres Erfolges wurden Irís nie wirklich akzeptiert. Das weiß auch Domingos Caetano. Das Problem liegt an den Stücken, mit denen die Band im Rampenlicht erschien - mit einer Coverversion des berühmten «The House of the rising sun», von The Animals, und einer von «Knocking on Heavens Doors», von Bob Dylan.

Auf Portugiesisch mit einem starken Akzent der Algarve gesungen, wurden ‘Ó Mãe Aquele Moçe Batê-me’ und ‘Atira-te ó Mar’ zu großen Hits.

“Es gibt viele Leute, die unsere Songs nicht schätzen - besonders Personen in Schlüsselpositionen, wie zum Beispiel beim Radio.”

Die beiden Hits haften an dem Image der Band aus der Algarve, die Schwierigkeiten hat, sich von diesem Stigma zu befreien, um ihre neusten Werke und den Rest ihres Repertoires bekannt zu machen.

Nach dem derzeitigen Musikpanorama Portugals gefragt, muss Domingos anerkennen, dass eine neue Generation junger Musiker aufgekommen ist. Aber man könne die portugiesischen Bands, die es hier ins Radio schaffen, “an einer Hand abzählen”.

In Fuzeta geboren und aufgewachsen “kam mir nie in den Sinn, Musiker zu werden. Mein Traum war es Tierarzt zu werden, da ich Tiere liebe. Aber eines Tages brachte mir einer meiner Brüder eine Gitarre mit nach Hause - und das war´s dann”, erzählt Domingos Caetano.

Er verbrachte einige Jahre an einem Konservatorium und lebt seitdem als Musiker - immer an der Algarve. Übrigens hat er mal im Fünf-Sterne-Hotel Atlantis in Vilamoura gearbeitet, und zwar auf seine etwas andere Art und Weise.

“Wir haben das Konzept einer Hotel-Band komplett geändert. Ich erinnere mich, dass wir einmal Black Sabbath spielten und ich mir auf der Bühne das Shirt von Leib riss. Es war verrückt. Die Leute liebten es! Sie kamen auch aus den anderen Hotels, um uns spielen zu sehen”, erinnert er sich zurück.

“Nebenbei habe ich gelernt Swing-Stücke zu singen, wie von Frank Sinatra, und momentan arbeite ich an solch einem Projekt”, das bald präsentiert wird.

Aber es gibt eine Geschichte in seiner Karriere, “die unvergessen bleibt”. Er wollte zusammen mit seiner Band Íris auf die Azoren fliegen, wo sie auf der Insel Pico um Mitternacht des selben Tages ein Konzert geben sollten.

Domingos fliegt nicht besonders gerne, und als der Flug wegen eines Streiks abgesagt wurde, freute er sich - bis die Organisatoren Plätze in einer anderen Maschine arrangierten. Sie bekamen ein Privatflugzeug, das “an allen Seiten erzitterte”, geflogen von einem blutjungen Anfänger.

Am Ende landeten sie auf der falschen Insel (Faial). Dann, als die Nerven bereits blank lagen, mussten sie ihre Reise mit dem Boot fortsetzen. Es war sehr windig und der Wellengang stark. Domingos sagt, es war längst nach Mitternacht, als sie endlich an ihrem Bestimmungsort ankamen - die ganze Band völlig seekrank.

“Ich sah die Menschenmenge singen und entschied mich, selbst in diesem Zustand auf die Bühne zu gehen”. Es war zwei Uhr morgens. “Ich schnappte mir das Mikro, und es wurde eine unglaubliche Nacht, von der heute noch gesprochen wird.”

Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.