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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Wer will Ausbildung an der Algarve?

Stellen Sie sich vor, Sie verspürten den Wunsch, Ihre Kenntnisse in einer Fremdsprache zu vertiefen, mehr über Informatik zu lernen, oder zu erfahren, wie man eine Firma besser managt. Oder Sie möchten einen neuen Beruf erlernen, neue Projekte entwickeln. Die Antwort, um im Leben etwas weiter zu kommen, könnte eine Berufsausbildung sein. Aber wo beginnt man sich zu orientieren? Was wird in der Region angeboten und wo? Was kostet es? Wahrscheinlich tappen Sie im Dunkeln... Sofia Justino, 24 Jahre, und Eliana Calixto, 23 Jahre, haben beide 2008 ihr Psychologie-Studium an der Universität der Algarve abgeschlossen. Danach wollten sie ihre akademische Laufbahn mit Weiterbildungskursen ergänzen. Allerdings mussten sie bald feststellen, dass es an der Algarve keinen Informationsdienst für Interessenten gibt – weder für Studenten, noch für die Allgemeinheit. Also entschieden sich die beiden jungen Frauen aktiv zu werden und ihr eigenes Internetportal zu schaffen, um die neuesten Möglichkeiten publik zu machen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 637 (29 Jul 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Sie durchkämmen ganze Nächte lang das Internet nach Möglichkeiten etwas Neues zu erlernen. Zu Beginn war das Suchkriterium auf ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zur Weiterbildung in ihrem Metier begrenzt – Fortbildungskurse im Bereich soziale und psychologische Intervention.

“Wir dachten, wir könnten eine Plattform für junge Studenten schaffen - oder Abgänger, die nicht wissen, welche Art von Ausbildungsstätten es an der Algarve gibt und wo man Informationen über Initiativen erhält”, erklärt Eliana Calixto.

Also “haben wir eine E-mail an verschiedene Behörden in der Region verschickt, um unsere Idee vorzustellen und ihnen mitzuteilen, dass sie die Möglichkeit haben, kostenlos ihre Initiativen bekannt zu machen. Wir baten sie, uns ganz einfach ihre Informationen zu schicken, egal in welchem Format, oder, wenn nötig, einen Link, damit wir das Format unserem Blog anpassen können”, erklärt Sofia Justino.

“Wir dachten, wir könnten das Angebot dieser Einrichtungen veröffentlichen und ihnen irgendwie andere Märkte öffnen”, fügt sie hinzu. Aber “es ist das geschehen, was hier meistens geschieht - nichts. Wir erhielten keine Antworten”, lamentiert sie. Nur zwei von Dutzenden Behörden, die die jungen Frauen kontaktiert hatten, haben sich gemeldet - was beide lächerlich wenig finden.

“Wenn wir eine Webseite besuchen und einen Newsletter abonnieren, erhalten wir schnell erste Informationen. Anders gesagt, wenn viele Behörden diesen Dienst anbieten, warum reagieren sie nicht auf eine direkte Anfrage?”, fragt Sofia.

“Obwohl es uns nun schon über ein Jahr gibt, müssen wir immer noch selbst die Internetseiten der uns bekannten Einrichtungen durchsuchen, Seite für Seite, jede Woche, um neue Angebote zu finden”, sagt Eliana Calixto, die die Fehlbarkeit dieser Methode sieht.

Um das Projekt weiter nach vorne zu bringen, haben die Gründerinnen eine Seite in dem sozialen Netzwerk «facebook» angelegt, deren Besucherzahl stark steigt - im Schnitt um 20 täglich.

Inzwischen hat sich ihr Blog auch anderen Wissensgebieten geöffnet - Wissenschaft, Geschichte, Informatik, Gesundheit, Kino und zukünftig hoffen sie auch das Angebot von Sprachkursen zu verbreiten, wie zum Beispiel Portugiesisch für Ausländer – wir leben schließlich in einer multikulturellen Region. Trotz der Schwierigkeiten wird das Projekt fortgesetzt, denn “wir haben schon einige regelmäßige Besucher und fühlen uns verpflichtet dabei zu bleiben”.

Kommunikationsprobleme

Wenn das Interesse der Organisationen, die neue Bildungswege anbieten, schon wenig enthusiastisch war, so mussten Sofia Justino und Eliana Calixto feststellen, dass es sich mit den Besuchern ihres Blogs nicht viel anders verhält.

“Wir hätten gerne ein Feedback von den Besuchern, ob sie an einem solchen Projekt interessiert sind, oder ob die Kursangebote in unserem Blog für sie interessant sind, und welche Gebiete gerne gesehen werden würden.”

“Wir bitten die Personen, uns mitzuteilen, welchen Kurs sie belegen werden. Ich glaube, wir haben das Recht - und die Obliegenheit - auf Kritik - egal ob positiv oder negativ. Daher denke ich, könnte der Blog auch ein Forum für Diskussionen werden”, sagt Sofia Justino.

Aber die Realität zeigt, dass “es im Allgemeinen sehr schwierig ist, die Leute einzubeziehen. In unserer Generation gibt es viele kritische Menschen, aber die diskutieren lieber in Cafés als öffentlich”, erläutert sie.

“Ich glaube, deshalb geben so viele Menschen ihre Träume und Hoffnungen einfach auf”, meint sie.

Der Meinung der beiden Psychologinnen nach, hängt der Grund für Trägheit und mangelnde Kommunikation im heutigen Portugal “mit vielen sozialen Faktoren zusammen.”

“Der Portugiese ist Konformist. Er sieht zu, was andere machen und kopiert sie. Das ist seit vielen Generationen so! Ich sage oft, der 25. April ist noch nicht so lange her. Und es herrscht eine rückschrittliche, konservative Mentalität, die uns alle, auch wenn es uns jungen Menschen nicht gefällt, zurückzieht. Ich glaube, es dauert noch viele Jahre, bis sich die Mentalität wirklich verändert”, schließt sie.

Ausbildung, nützlich oder nicht wirklich?

Wie man in dem Blog erkennen kann, ist das Gebiet der Ausbildung weit. “Nun, es gibt verschiedene Ausbildungseinrichtungen. Das Krankenhaus kann eine davon sein, die Bibliotheken oder Gemeinden andere - jedenfalls sporadisch. Außerdem gibt es die permanenten Bildungseinrichtungen”, zum Beispiel Firmen, die diesen Service anbieten.

Sofia Justino und Eliana Calixto glauben fest an die Bedeutung der Ausbildung für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Aber sie wissen auch, dass es vieles von fragwürdigem Interesse gibt.

“Es gibt oft eine Verwässerung der Inhalte. Viele Workshops beinhalten zum Beispiel mehr Theorie als Praxis”, kritisiert Eliana.

“Ich verstehe ja, dass eine theoretische Komponente nötig ist, um die praktische Seite zu stützen. Dann beenden die Personen ihren Kurs mit dem Gefühl, dass etwas Wichtiges fehlt, wie zum Beispiel der Erfahrungsaustausch oder die Präsentation von Projekten - Praktische Dinge und konkrete Beispiele”, sagt Sofia Justino.

“Theorie findet sich zuhauf im Internet oder in Büchern. Was fehlt, ist das Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Werdegänge”, schließt sie.

Andererseits haben einige Menschen heute Angst, in Ausbildung zu investieren. Warum? “Wahrscheinlich, weil es letztlich nur ein weiterer Eintrag im Lebenslauf bleibt - ohne weitere Vorteile”. Tatsächlich droht sogar das öffentliche Bildungssystem zusammenzubrechen. Junge Menschen sind dafür pragmatische Beispiele.

Der jüngst geschaffene “Ordem dos Psicólogos” “hat entschieden, dass ab einem bestimmten Datum diejenigen, denen das 12- oder 18-monatige Berufspraktikum fehlt, nicht als Psychologen praktizieren können”, erklärt Eliana.

Das bedeutet, “dass uns nach Beendigung des Studiums mitgeteilt wird, dass wir unseren erlernten Beruf nicht ausüben können. Und wir wissen auch nicht, wann und unter welchen Bedingungen wir dazu ermächtigt sind, auf unsererem Gebiet tätig zu sein…

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