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Maria Gabriela de Sousa Silva

Der Lehrer, den sich Schüler wünschen

Maria Gabriela de Sousa Silva, 58, ist Lehrerin, Forscherin und Ausbilderin in verschiedenen Bildungsbereichen. Sie wurde in Faro geboren, wuchs dort auf und absolvierte ihre akademische und berufliche Ausbildung in Lissabon, wo sie seit ihrem sechzehnten Lebensjahr lebt. Seit über 30 Jahren ist sie nun Gymnasiallehrerin und hat mehrere Bücher über die Probleme des Erwachsenwerdens veröffentlicht – und immer regt sie zu neuen Wegen für die Zukunft der Bildung in Portugal an. Am vergangenen Freitag, 9. Juli, war sie in der Buchhandlung «Pátio de Letras» in Faro, um ihre neueste Arbeit vorzustellen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 635 (15 Jul 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires
Maria Gabriela de Sousa Silva

„Normalerweise, so sagt man, wollen Teenager nichts wissen, sind faul, unhöflich und arbeiten nicht. Sie wollen das Schuljahr ohne große Mühe hinter sich bringen, sie wollen Handys und Markenkleidung. Und einen Lehrer, der nicht viel von ihnen verlangt“.

Dieser Stereotyp ist tief verwurzelt, und in der Tat spricht man meistens über junge Menschen, wenn sie in irgendeinen Schlamassel verwickelt sind oder es einen ungewöhnlichen Vorfall gab.

Maria Gabriela de Sousa Silva, Forscherin im «Centro de Investigação e Estudos de Sociologia» (CIES) des Höheren Instituts für Unternehmens- und Arbeitswissenschaften ISCTE-IUL, kennt eine andere Seite der Jugend von heute.

Das hat sie dazu veranlasst, eine Reihe aus insgesamt fünf Büchern zu verfassen. Sie wurden aus der akademischen Forschungsarbeit und ihrer persönlichen Erfahrung geboren. „Ich habe zwischen meinen Unterrichtsstunden schon seit Jahren keine Pausen mehr, weil ich fast immer mit den Schülern spreche und sie mir bei diesen Gesprächen von vielen wichtigen Themen des Lebens und den Sorgen der Jugend berichten“, erzählt sie.

Die jüngste Veröffentlichung ist ein Buch über die Anschauung der Lehrerin, „was Jugendliche von einer Schule erwarten“ und zerstört das Klischee des faulen Teenagers, der keine Lust zu lernen hat.

„In den meisten Fällen habe ich Schüler getroffen, die einen wirklich guten Lehrer wollen. Einen Lehrer, der viel weiß - der kompetent ist. Darüber hinaus verlangen sie einen Lehrer, der sie versteht, zuhören kann und der sie nicht gleich abschreibt. Im Grunde wollen sie keinen Lehrer, der nur anwesend ist, um seinen Zeitplan zu erfüllen“, sagt sie.

Die Autorin entdeckte dieses Profil der Jugend bei ihren vielen Unterredungen mit den Schülern. Kurz gesagt, ist der ideale Lehrer „professionell, kompetent - und ein Erzieher. Er ist eine Person, mit der sich die Schüler identifizieren können. Solch ein Lehrer ist eine Referenz für das ganze Leben.“

Aber wäre dies nicht, wenn auch ein wenig idealisiert, das normale Profil, das man von einem Lehrer erwartet?

In vielen Kursen zur Ausbildung zum Lehrer, wird den erzieherischen und didaktischen Aspekten oftmals weniger Bedeutung zugemessen als anderen Bereichen. Etwas, was heute häufig vorkommt und das „dringend überprüft werden muss“, gibt Maria Gabriela de Sousa Silva zu bedenken. Auf der anderen Seite ist anzumerken, dass es eine Phase in der jüngeren Geschichte der portugiesischen Gesellschaft gab, in der „viele Leute Lehrer wurden, die keine andere Arbeit finden konnten“, sagt sie. Lange Zeit „nahmen die Schulen fast jeden an - oftmals Personen, deren Hintergrund völlig ungeeignet ist, um die Ansprüche zu erfüllen“.

So sind für den Lehrstuhl untaugliche Personen in die Klassen der portugiesischen Schulen gekommen. „Noch heute gibt es solche Fälle“, sagt sie.

Die Klassiker – lesen oder nicht lesen?

„Einer meiner größten Kämpfe ist immer noch die Auswahl angemessener Lektüre für die unterschiedlichen Stufen“, berichtet die Lehrerin aus Faro, die an dem Gymnasium „D. Pedro V” in Lissabon unterrichtet.

Über die fast tausend Interviews, die sie mit Schülern aus verschiedenen Jahrgängen an Gymnasien geführt hat, hat Maria Gabriela Silva eine in Portugal einzigartige Doktorarbeit geschrieben. Inzwischen wurde diese als Buch verlegt, das den Titel «Ler e Amar na Adolescência» („Lesen und Lieben in der Adoleszenz“) trägt und zu dem das Vorwort von Maria Lúcia Lepecki und Daniel Sampaio stammt.

Es zeigt, dass die obligatorische klassische portugiesische Literatur das (von Natur aus labile) Gleichgewicht junger Menschen beeinflusst. „In den meisten obligatorischen Klassikern werden Aspekte des Lebens in ihrer schlimmsten Form beschrieben. Liebe kann zu etwas schrecklichem in den Leben der Menschen werden – weil “Liebe” verhindert oder verboten sein oder sogar zum Tode, Selbstmord oder zur Trennung der Familie führen kann.

So bekommen unsere Jugendlichen ein sehr negatives Bild mit auf ihren Lebensweg - über das Wundervollste, was es gibt“. Zum Beispiel ist das Grundthema des 720 Seiten umfassenden Klassikers «Os Maias» des portugiesischen Schriftstellers Eça de Queiroz von 1888, die inzestuöse Liebesbeziehung zwischen einem Geschwisterpaar.

Das müssen die jungen Menschen in einem Alter lesen, in dem sie die erste Liebe erleben und „beginnen Leidenschaften zu entwickeln.“

„Mein Vorschlag ist, eine Art Ideenschmiede an den Schulen einzurichten, mit einer Palette Personen, die sich mit Jugendlichen gut auskennen, um ihnen für die jeweilige Entwicklungsphase angemessene Lektüre auszuwählen“, empfiehlt sie.

Lehrer könnten zusammen mit Psychologen, Kinderärzten und Soziologen solche Gruppen bilden. Außerdem plant die Forscherin herauszufinden, was die Kleinsten seit der Grundschule gelesen haben. Weiß das jemand?

Soziale Umwälzungen

Ein anderes Diskussionsthema bezüglich Lehrer ist, ob sie Erzieher im weiteren Sinne sein sollten, die auch Manieren beibringen. Maria Gabriela de Sousa Silva denkt, dass das richtig wäre. „Ich behaupte, dass ein Lehrer nicht nur ein Fach lehren, sondern auch erzieherisch tätig sein sollte. Die Schulen können sich von dieser Aufgabe nicht abwenden. Heutzutage verbringen die Schüler mehr Zeit in der Schule als zuhause. Sie kommen morgens sehr früh, und nach dem Unterricht bleiben sie lieber noch mit ihren Freunden da, als nach Hause zu gehen, wo niemand ist.“ „Was mich am meisten besorgt, ist, dass manche von ihnen heute schon ansatzweise Ideen haben, was sie später einmal machen oder werden möchten, aber keine Ahnung haben, wie sie das in Zukunft umsetzen können.“

„Auf ihren Rücken tragen die Kinder nicht nur Taschen mit Büchern - auch geplatzte Träume und Familiendramen.“

„Sie möchten an ihre Zukunft glauben, aber erkennen schon früh die Schwierigkeiten im eigenen Elternhaus – arbeitslose Eltern, mit Problemen ihre Lebenshaltungskosten zu decken, etc. Sie beginnen, das Leben durch ihre Eltern zu sehen“, sagt sie.

Bezüglich der sexuellen Aufklärung, meint sie, sollte es keine Polemiken geben. „Ich respektiere die Ideen anderer, aber ich glaube, Sexualität ist eine gewöhnliche Sache. Viele Lehrer fühlen sich gehemmt und sind wenig darauf vorbereitet, über dieses Thema zu sprechen. Aber die verschiedenen Fächer, die unterrichtet werden, wie Portugiesisch, Geschichte, Physik, Chemie und Mathematik, könnten sehr hilfreich sein, das Thema über Beispiele und Rubriken einzuführen – natürlich angepasst an das heutige Leben, mit angemessener Wortwahl und Respekt gegenüber den Schülern“.

Um letztlich die Probleme mit Disziplinlosigkeiten zu minimieren, müssten “die Lehrer von der Gesellschaft neu bewertet werden“. „Heutzutage wird ein Lehrer als minderwertiges Individuum gesehen, das an der Schule die Vorschriften seiner Vorgesetzten befolgt, sein Lehrprogramm abzieht und nicht viel mehr macht“, schließt Silva.

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