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Creoula, so portugiesisch wie das Meer

Sie ist 73 Jahre alt und in Topform. Sie gehört zur Portugiesischen Marine, hat aber friedliche Absichten. Nach fast zwei Jahren Pause wegen Reparaturarbeiten hat die «Creoula» nun die Marinebasis Alfeite, in Almada, verlassen und sich auf den Weg Richtung Portimão gemacht, wo sie zu einer der Attraktionen des «Dia da Marinha» am 20. Mai gehörte, dem Datum, an dem Vasco da Gama in Indien anlandete. Ein kurzer Ausflug, aber ausreichend, um den jungen Menschen und der allgemeinen Bevölkerung die enge Beziehung zwischen Portugal und dem Meer zu zeigen. Kommen Sie mit uns an Bord!
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 628 (27 Mai 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Am 17. Mai, um 22 Uhr, wurden die Taue gelöst. Ein Schlepper hilft dem weißen Schiff aus dem Marinestützpunkt inmitten der grauen Korvetten und Fregatten des Militärs, die in Alfeite vor Anker liegen.

Auf beiden Seiten des Schiffes nehmen Matrosen Azimute, um die Position des Schiffes auf dem Tejo zu berechnen. Sie richten die Skala des Kreiselkompasses zum Cristo Rei am Südufer, dabei werden auch die Rua Augusta in Lissabon neben anderen visuellen Referenzen, die an der Küste zu sehen sind, genutzt.

Die Manöver der «Creoula» werden mit Navigationskarten, Linealen, Winkeleisen und Zirkeln berechnet. Geräte des digitalen Zeitalters, wie GPS, stehen im Hintergrund.

“025 auf Backbord! Zehn Grad nach Backbord!”, befiehlt der Kapitän. “0-2-5 auf dem Weg!”, bestätigt der Steuermann. Jeder Befehl, der eingeht, wird laut wiederholt, wobei ständig die Lage und Richtung korrigiert wird, ohne Spielraum für Fehler.

Ein Hochbetrieb, der erst in dem Moment abklingt, in dem die Brücke “Ponte 25 de Abril” passiert ist - die ehrfurchtgebietend über den Masten aufragt. Kurz darauf taucht der Turm von Belém auf, so, wie ihn die Männer an Bord der Karavellen zu Zeiten der Entdeckungen gesehen haben. Und so wie ihn heute viele Menschen sehen, die das Meer an Bord der «Creoula» erobern.

In immer weitere Ferne verschwindet die portugiesische Hauptstadt, als Spur schwächer werdender Lichter. Zurück bleibt auch bald das grüne Licht vom Leuchtturm Bugio. Es ist drei Minuten nach Mitternacht. Wir bewegen uns mit einer Geschwindigkeit von 9 Knoten durch die Dunkelheit. Trotz der ruhigen Gewässer, befiehlt der Kapitän Nuno Cornélio, 43, eines der Segel am Heck des Schiffes zu hissen, um dem Boot Stabilität zu geben.

Hier und da findet man auf dem Meer Beweise für die Anwesenheit von Menschen. Fast den Rumpf berührend schwimmen Styroporbojen im Wasser. Sie gehören zu den Tricks, mit denen sich die Fischer die Nahrung holen, die ihnen das Meer schenkt.

Es ist ein hartes Leben, das die «Creoula» in seinen wildesten Facetten kennengelernt hat. Sie wurde für die Nordmeere konzipiert, für die letzten portugiesischen Kabeljaufänger, und 1937 in Lissabon erbaut. Sie wurde in einer Rekordzeit von nur 62 Tagen fertiggestellt, basierend auf einem Entwurf des englischen Bootsarchitekten Alexander Slatter.

Im Jahr 1973 war es das einzige Boot, das um die Banken vor Neufundland kam, entgegen der modernen und anspruchsvollen Fischkutter aus der Zeit. Im Laufe seiner Karriere machte es 37 Angeltouren (entsprechend mehr als zehn Reisen um die ganze Welt) auf Strecken, die bis um die Westküste Grönlands und nördlich des Polarkreises führten.

“Sie liefen im April aus und kehrten im Oktober zurück. An guten Tagen konnten die Männer sechs Tonnen Kabeljau einholen. Der Fisch wurde an Bord gebracht, aufgeschnitten und von Hand gesalzen. Die Lebern wurden getrennt gelagert, um daraus das Öl zu extrahieren”, berichtet der Kapitän Nuno Cornélio, der seine Leidenschaft für die Geschichte dieses Schiffes und der Menschen, die darauf gelebt haben, nicht verbirgt.

Die Kabeljaufischerei wurde mit 52 kleinen Wasserfahrzeugen namens “Dori” getätigt. Per Segel oder Ruder ging es erst zurück, wenn das Boot mit Fisch vollgestopft war, bis es fast sank. Viele Männer gingen verloren, wenn plötzlich Nebel aufstieg oder sich das Wetter ohne vorherige Ankündigung verschlechterte. Es gibt den Eintrag einer Welle, die im Jahre 1938 über das Deck gefegt ist und auf der Stelle vier Fischer mitnahm, 23 Dori-Boote und auch noch den Kompass.

Angesichts so vieler Gefahren kann man sich leicht das Erstaunen des letzten Kommandeurs, Marques da Silva, zu Fischereizeiten der «Creoula» vorstellen, als ihm berichtet wurde, dass einer seiner Mannschaft schon 40 Mal von Bord gespült wurde!

Diese Zeiten sind lange vorbei. Seit das Schiff im Jahr 1979 erworben wurde, wird es von der portugiesischen Marine betrieben. Seine Mission ist heute, jungen Menschen und der Gesellschaft im Allgemeinen, einen Kontakt mit dem Meer und die Erfahrung des Lebens an Bord zu ermöglichen.

Jedes Jahr zwischen Mai und Ende September werden bis zu 51 Jugendliche verschiedener Institutionen und ein verantwortlicher Betreuer an Bord genommen. Sie reisen in dreistöckigen Etagenbetten in den ehemaligen Kabeljauladeräumen. Die “Lernenden” teilen sich alle Aufgaben des Lebens an Bord mit der Besatzung, die aus 37 Mann und zwei Praktikanten besteht.

An Arbeit mangelt es nie. Wir müssen zwei Mal täglich das Deck schrubben (Meerwasser lässt das Holz aufquellen und bedeckt es mit Salzkristallen), Segel setzen, Wache schieben und natürlich sämtliche Reinigungsarbeiten erledigen. Das nennt sich “allgemeine Pflichten”.

In diesem Jahr kommen Studenten der “Universität Itinerante do Mar” (ein Modell, das in Zusammenarbeit den Universitäten Porto und Oviedo entstand, um Studenten für die Seefahrt auszubilden) und der “Escola Profissional de Artes e Ofícios do Espectáculo do Chapitô” auf die «Creoula».

Selbst wenn sie nicht seekrank werden, müssen sie sich an den anhaltenden Lärm der Generatoren (und bei Flaute des Dieselmotors) gewöhnen, die das Schlafen erschweren.

Darüber hinaus dämmert es immer früh. Beim ersten Kontakt mit dem Tageslicht haben wir uns seit unserer Abreise nur 20 Meilen von der Küste entfernt. Es ist 7:20 Uhr.

An der Brücke zeigt das Radar 56 Schiffe in der Nähe. Das ist die Weltwirtschaft, die Richtung Süden oder Norden, durch die portugiesischen Gewässer, navigiert.

In der Küche, mit Blick auf das Meer, bereiten die Köche Neves (47 Jahre, davon 28 in der Marine), Ribeiro (29 Jahre) und Mendes (29 Jahre) um 8 Uhr den Reis auf valencianische Art für das Mittagessen vor. An Deck wird bereits der Fisch für das Abendessen aufgetaut, das wir fast wieder zurück, vor Praia da Rocha, serviert bekommen werden.

“Es ist wie ein Restaurant, der Unterschied ist, dass es keine Beschwerden von Kunden gibt”, scherzen die Köche. Auf der Reise nach Portimão (und dann weiter nach Sesimbra) ist genug Proviant an Bord, um 40 Personen einen Monat lang zu ernähren. An besonderen Tagen gibt es sogar Süßspeisen wie Milchreis oder Mousse au chocolat.

Viele der Segler haben ebenso viele Geschichten wie die «Creoula» zu erzählen. Der Elektriker Afonso (41 Jahre, 20 bei der Marine) sah den Tanker «Prestige» in der Mitte zerbrechen. Der Maschineningenieur Couteiro erinnert sich an die Öltanker unter liberianischer Flagge und anderer Steuerparadiese, zu Zeiten als es nur zwei Flaschen Whisky für das gesamte Schiff gab, wenn jemand Geburtstag feierte.

Kommandant Cornélio erinnert sich an einen einsamen Leuchtturmwärter, der mehr als 20 Jahre auf einer Insel vor Mosambik vergessen wurde und an eine epische Reise nach Japan an Bord des Schulschiffes Sagres.

Nur Leutnant Ingenieur Martins, laut Besatzung ein Liebhaber des Fados, hat bereits die «Creoula» gesegelt. Er erinnert sich an die schockierenden Wellen von acht Metern, die ihn im Jahr 2007 in der Biskaya überrascht haben, bevor er in Rouen (Frankreich) ankam, auf seinem Weg zu einem Seglertreffen mit der italienischen «Amerigo Vespucci» und der mexikanischen «Cuauhtemoc».

Vor der Ankunft am 19. Mai in Portimão gibt es auf der «Creoula» noch ein paar abenteuerliche Missgeschicke. Eine Überschwemmung mit Schmutzwasser, ein launischer Funkverkehr, der Geburtstag eines Gefreiten – der den “Sitten und Gebräuchen” nach seinen Kameraden den Kaffee und den Digestif bezahlen muss, eine Eskorte von Delfinen vor der Küste von Sagres und schließlich das experimentelle Anlegen im Hafen von Portimão, ein “Manöver, wie es in den Büchern beschrieben wird”.

“Dies ist eine so intensive Erfahrung, dass die Menschen traurig sind, wenn sie das Schiff verlassen”, berichtet uns Leutnant Martins in der Stunde des Abschieds. Auf das es immer so sei!

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