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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Internationalen Tages der Pflege

Der Instrumentierpfleger

Anlässlich des Internationalen Tages der Pflege, der am 12. Mai begangen wird, wollten wir die andere Seite dieser Berufssparte kennen lernen. Wir sprachen mit José Mimoso, 52 Jahre, operationstechnischer Assistent im Operationssaal des Centro Hospitalar do Barlavento Algarvio (CHBA) in Portimão. Mit seinen 30 Jahren Karriere ermöglichte er uns, sowohl einen Blick auf eine unerbittliche, aktive und gründliche Arbeit, die hilft Leben zu retten, zu werfen, als auch hinter die Kulissen der modernen Medizin zu blicken.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 625 ( 6 Mai 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Er bleibt rechts neben dem Chirurgen, kennt alle chirurgischen Instrumente und weiß genau, wann welches benötigt wird. Am Ende der Operation sind Pinzette, Schere und Schüsseln makellos wie zu Beginn der Operation.

Angesichts des Namens könnte man denken, dass ein Operationstechnischer Assistent (OTA) bloß Anordnungen befolgt. “Aber so ist das nicht ganz. Man ist dabei aktiv an der Operation beteiligt. Oft sagt der Chirurg überhaupt nichts, denn bevor er ein Wort sagen kann, reicht der OTA ihm bereits das, was er braucht”, erklärt José Mimoso.

Simpel? “Ein Chirurg ist mit den Werkzeugen seines Fachgebietes vertraut. Der OTA muss aber alle Instrumente kennen, da er in allen Fachgebieten arbeitet und muss über die einzelnen Schritte und Verfahren informiert sein”, erklärt er.

Die Instrumente werden standardmäßig platziert, was mit der Reihenfolge und dem Tempo der Operation zu tun hat. Allerdings drückt jeder seinen persönlichen Stempel auf, da jeder OTA den Instrumententisch nach seiner persönlichen Vorliebe vorbereitet. “Ich kann das Material anreichen, ohne hinzuschauen. Deshalb lege ich es immer auf eine bestimmte Art und Weise hin”, sagt er.

Bei einer einfachen Operation, wie Blinddarmentzündung oder Leistenbruch, werden mindestens 30 Instrumente benötigt. Für größere Operationen kann der Satz über hundert enthalten. Aber der Grad der Komplexität wird immer größer.

Einige Instrumente werden für die Sterilisation zerlegt und müssen mit chirurgischer Präzision kurz vor dem Eingriff wieder zusammengefügt werden. “Sie sind auch nicht alle vom gleichen Hersteller und werden daher nicht immer auf die gleiche Weise zusammengesetzt”.

“Die orthopädische Chirurgie ist diejenige, die sich Technologien bedient, und die benötigten Instrumente sind komplizierter, die Verfahren schwieriger. Für Knie- oder Hüftgelenkprothesen gibt es Teile, die erst zusammengebaut und in ganz speziellen Positionen angereicht werden müssen”, sagt er.

“Wir lernen viel dazu, wenn die Firmen, die die Prothesen verkaufen, ihre Techniker und Instrumente vorbeischicken und uns alles genau erklären”, sagt er. Auch weil “es zurzeit kein Spezialgebiet in der Chirurgie gibt und das auch nicht geplant ist. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Portugal keine perioperative Krankenpflege”.

Am Tag vor unserem Interview hat Mimoso eine Endoskopie vorbereitet (ein Teil des Dickdarms wurde mit Hilfe eines Laparoskops entfernt, eine Technik, bei der Organe mit speziellen Linsen durch kleine, vom Chirurgen geschaffene Öffnungen in der Bauchdecke sichtbar gemacht werden), ein allgemeinchirurgischer Eingriff. Es war das zweite Mal, dass solch ein Eingriff an der Klinik in der Westalgarve durchgeführt wurde.

Aber manchmal funktionieren die Hightech-Geräte auch nicht. Bestimmte Instrumente “müssen an Apparate angeschlossen werden. Wenn wir sie dann ausprobieren, funktionieren sie nicht.” In einem Rahmen, in dem hochkonzentriert gearbeitet werden muss, wo es keinen Platz für Fehler gibt und wo man sehr oft gegen die Zeit kämpft, “bringt so etwas viel Stress und verkompliziert die Lage”.

“Was wir in der Chirurgie praktizieren ist auf dem Papier gut ausgearbeitet - aber es ist ein großer Unterschied, es zweidimensional vor sich zu haben oder in der Realität. Manchmal sind Blutgefäße dort, wo man sie am wenigsten erwartet.” Es treten unvorhersehbare Blutungen auf, und es liegen nicht immer die Instrumente für alle Eventualitäten bereit. In solchen Fällen ist der OTA an vorderster Front.

“Ich will nicht sagen, dass wir etwas erfinden, aber in vielen Situationen müssen wir improvisieren. Vor allem, wenn man ganz schnell ein Problem bewältigen muss”, sagt er. “Ich habe lange Zeit mit einem südafrikanischen Chirurgen zusammengearbeitet, der sagte, dass er die Portugiesen ob ihres Improvisationstalentes mag”, lächelt er.

Angesichts Widrigkeiten und Unerwartetem ist Mimoso für seine Ruhe und Nerven aus Stahl bekannt. “Obwohl ich mich manchmal etwas bange fühle, lasse ich mir das nicht anmerken. Davon hätte keiner etwas”, sagt er.

Vielleicht gefällt ihm deshalb die Schichtarbeit in der Notaufnahme am besten. “Das sind Teams, die auf jeden Notfall und jede Besonderheit vorbereitet sind. Für mich ist es eine attraktive Arbeit. Bei geplanten Operationen wissen wir schon am Vortag, was am kommenden Tag passieren wird, und es wird schließlich monoton. Das hier ist eine größere Herausforderung.”

Bei jeder Art des menschlichen Schmerzes und Leidens, die er gesehen hat, gab es eine bezeichnende Episode. “Es gab eine Dame mit einem Atem- und Blutgerinnungsproblem, die in scheinbar gutem Zustand in die Entbindungsstation eingeliefert wurde. Plötzlich fing sie an aus dem Mund zu bluten. Wir brachten sie ganz schnell in den OP. Wir konnten das Kind per Kaiserschnitt holen und wiederbeleben, nachdem sein Herz aufgehört hatte zu schlagen; aber die Dame ist gestorben. Das war eine fürchterliche Situation. Wir wissen, dass wir etwa 30 Minuten Wiederbelebungsversuche unternehmen können, wenn wir es bis dann nicht geschafft haben, die Person zurückzuholen, hat es keinen Sinn weiter zu machen. Sicher ist, dass wir es immer versuchen und es immer versuchen werden”, erinnert er sich traurig.

Spürt er, dass das Leben der Patienten in seinen Händen liegt? “Ja. Mir ist die ganze Zeit klar, dass ich dazu beitrage Leben zu retten. Seit über 30 Jahren “habe ich nie jemanden bewusst fahrlässig handeln sehen. Ich denke jeder hier gibt sein Bestes, aber manchmal sind die Situationen so kompliziert, dass die Verfahren nicht immer gut funktionieren”. “Es gibt einen Spruch, den ich einmal von einem Augenchirurgen gehört habe und den sage ich jetzt immer am Ende aller Operationen - Geh an die Arbeit, Gott, denn ich habe mein Bestes gegeben”, scherzt er.

Im Jahr 1974 war Mimoso nicht mit dem Ersatzdienst einverstanden, den er leisten sollte, um auf die Uni zu gehen. “Ich konnte nicht Medizin studieren und dachte über eine Alternative nach. Dann kam ich zu dem Schluss, dass ich als Pfleger zufrieden sein könnte, da ich eng mit den Patienten arbeiten würde”, sagt er.

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