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Schlaflabor an der Algarve
In den Tiefschlaf abgetaucht

Mit Schlappen und Pyjama bekleidet bereitet sich Vitor Pereira auf eine etwas andere Nacht vor. In den nächsten acht Stunden wird er mit Sensoren von Kopf bis Fuß verteilt schlafen gehen.
Elisabete Patrício, Kardio-Pneumologin, die Schlafapnoe-Patienten eine Nacht pro Woche überwacht und deren Schlaf verfolgt, bringt so viele Sensoren an, dass die Vorbereitung etwa eineinhalb Stunden dauert. Nur um die Hirnaktivitäten aufzuzeichnen sind zwischen zwanzig bis dreißig Elektroden auf der Kopfhaut zu platzieren.
Die Vorbereitungen für eine Untersuchung im Schlaflabor beginnen um 21 Uhr. Zuerst müssen die biometrischen Merkmale aufgenommen werden – Gewicht, Größe, Umfang von Hals, Taille und Hüfte des Patienten.
Das Schlaflabor befindet sich nicht im Gebäude des Krankenhauses, wie man vielleicht annehmen mag. Aus Platzgründen ist es in einem Gebäude am Stadteingang untergebracht, wo auch die Abteilung für Pneumologie ist.
Es ist kurz nach 23 Uhr. Das Zimmer ist klein, simpel und ruhig. Patrício legt die letzten Kabel an und verbindet sie mit einem elektronischen Kästchen (Embla N7000), das alle Daten in Echtzeit auf einen Computer überträgt. Sie deckt Vitor Pereira zu und geht.
“Liegen Sie bequem? Brauchen Sie noch etwas?”, fragt sie, bevor sie das kleine Fenster schließt und das Licht ausmacht.
Inzwischen kann man die Informationen schon auf dem Monitor beobachten, der den Herzrhythmus und die Atmung von Vitor Pereira zeigt. Über eine Infrarot-Kamera, die an der Decke montiert ist, wird der Patient überwacht, ohne gestört zu werden. Innerhalb weniger Minuten ist der LKW-Fahrer aus Coimbra im Schlaf versunken...
Ein Jahr Wartezeit
Die meisten der Patienten, die das Schlaflabor aufsuchen, leiden nicht an Schlafmangel. Sie schlafen ausreichend – hauptsächlich am Tage. Denn das sind ironischerweise die primären Konsequenzen solcher Schlafstörungen.
Das Schlafapnoe-Syndrom wird seit 2002 im Krankenhaus Faro ambulant untersucht. Das heißt, die Patienten nehmen portable Geräte zur Aufzeichnung der Daten von Herz und Atemwegen während des Schlafes einfach mit nach Hause. Das wird noch heute praktiziert.
Das Problem war, dass, wann immer eine Polysomnographie (eine Technik, die eine detailliertere Schlafstudie garantiert) erforderlich war, viele aus der Algarve nach Lissabon gehen mussten.
Erst seit 2008 gibt es die Infrastruktur und die nötige Ausrüstung für das Schlaflabor an der Algarve.
Aber bis ein Patient sich dort Schlafen legen kann, muss ein langer Weg zurückgelegt werden. Es gibt eine sehr lange Warteliste für diese spezielle Störung. Laut José Romero bekommen Patienten ihren Termin etwa ein Jahr nach der Anmeldung.
Dennoch zieht der Arzt aus Huelva eine positive Bilanz. Heute “gibt es an zwei Nachmittagen pro Woche Sprechstunden, jeweils mit 10 bis 15 Personen”. Fast tausend Patienten wurde inzwischen hier geholfen.
Nur wenn eine ernste Situation erkannt wird, wird eine Nacht im Labor vereinbart. Vorrangig werden Menschen mit Berufen behandelt, in denen die Tagmüdigkeit durch Sekundenschlaf gefährlich werden kann (z.B. LKW-Fahrer), und diejenigen, deren Gesundheit bereits aufgrund ihrer nächtlichen Probleme in Gefahr ist.
Momentan werden mindestens zwei Studien pro Monat in dem Labor durchgeführt.
Schnarchen – ein Alarmsignal
“Es scheint etwas ganz Normales zu sein. Männer schnarchen und die meisten Frauen nach der Menopause auch”, entmystifiziert Doktor José Romero. Viele Menschen mit Schlafapnoe wissen gar nicht, dass sie daran leiden.
“Oftmals denken die Ehegatten es sei normal und auf Alter oder Müdigkeit zurückzuführen. Es sind die Familienmitglieder, die einen warnen und raten medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen”, erklärt er.
“Es ist aber so, dass dieses Schnarchen eine Art unterbrochenes Atmen ist. Es stoppt ab und zu”, erläutert der Arzt, der erstaunt Zeuge davon wurde, wie einer seiner Patienten im Schlaf zwei Minuten lang aufgehört hatte zu atmen – und zwar jedes Mal, nachdem er Luft geholt hatte. So ein Sauerstoffmangel kann schwere gesundheitliche Konsequenzen haben. “Heute gibt es viele Studien, die Diabetes oder Bluthochdruck mit der Schlafapnoe in Verbindung bringen.”
Dieses Problem kann alle Altersstufen betreffen. “Noch ist uns die Entstehung dieser Krankheit schleierhaft. Die Patienten, die zu uns kommen, sind im Schnitt 50 bis 60 Jahre alt. Auch haben wir hier einige Kinder, aber normalerweise steht es bei denen mit einem Problem mit den Mandeln in Zusammenhang.”
Andere Probleme
Manchmal, wenn Atemanomalien im Schlaf auftauchen, entdecken Mediziner komplexere Probleme, die in der Neurologie ihren Ursprung finden.
So zum Beispiel bei Nakolepsie. Ein komplizierter Name für eine chronische Krankheit, die mitten am Tag eine sehr starke und unerwartete Schläfrigkeit verursacht – zu Hause, am Arbeitsplatz, mitten im Verkehr.
Ein anderes Beispiel ist das Restless-Legs-Syndrom (Bewegungsdrang in den Beinen, Füßen und weniger häufig auch in den Armen). “Dabei macht der Patient eine Reihe unwillkürlicher Bewegungen im Schlaf”.
Das verhindert einen erholsamen und ruhigen Schlaf, und das Resultat ist, dass die Erkrankten nicht ausgeruht sind und sich den ganzen Tag müde fühlen.
“Auch über Schlaflosigkeit wird sich oft beschwert – aber das behandeln wir nicht hier. Ideal wäre es, wenn es hier eine Abteilung gäbe, die sich mit allen Arten Schlafstörungen befasst.”
Heilung und Satisfaktion
Im Falle von Schlafapnoe helfen nicht unbedingt Medikamente oder schmerzvolle Behandlungen. Eine Veränderung der Gewohnheiten reicht oft aus. “Vielen verschreiben wir ein Nasenspray. Wir raten zu gesunder Ernährung und ermutigen die Patienten etwas abzunehmen und den Alkoholkonsum einzuschränken. Raucher sollten versuchen, vom Tabak loszukommen”, sagt er. Im schlimmsten Fall wird ein kleines tragbares Beatmungsgerät benötigt (CPAP - Continuous Positive airway pressure). “Man mag denken, dass mit einer Maske im Gesicht und an Schläuchen schlafen zu müssen eine aggressive Form der Behandlung ist. Aber die Patienten gewöhnen sich sehr schnell daran und sind sehr zufrieden”, sagt der Mediziner.
Für Romero ist es sehr wichtig zu sehen, wie die Patienten wieder glücklich sind. “Die Besserung ist spektakulär. Die Patienten sind äußerst dankbar dafür. Sie sind ausgeruhter und ihre Lebensqualität ist erhöht”, erklärt er.
“Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen – oder dem Versuch Schlaf zu finden. Aber man hat den Eindruck, die Medizin hat das Thema Schlaf vergessen. Es gibt auf dem Gebiet noch so viel zu entdecken… Neulich habe ich mir einen Eindruck über all unsere Sprechstunden verschafft und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass zwischen acht und zehn Prozent der Menschen, die ins Krankenhaus Faro kommen, Schlafprobleme haben. Das zeigt uns, dass es noch viel zu tun gibt”, schließt er.








