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ACTA

In Gesellschaft von Dieben

Es ist die 50. Vorstellung der ACTA – der Theatertruppe der Algarve. Aber es ist mehr als ein Meilenstein im Leben dieser Gruppe, denn das Stück «A Cova dos Ladrões» (Die Höhle der Diebe) ist auch das Debüt eines neuen Dramaturgen und sieben angehender Schauspieler. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit der Sekundarstufe “Pinheiro e Rosa“ aus Faro im Rahmen des Kurses “Professionelle Schauspielkunst”. Vom 28. bis 30. April wird es im Teatro Lethes in Faro aufgeführt. Das Thema ist die Wertekrise der modernen Gesellschaft.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 621 ( 8 Apr 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Das Stück besteht aus viel Stille und Charakteren, die schlecht miteinander kommunizieren. Für alle, die die Zukunft nur im Handeln sehen eine echte Herausforderung. Und für alle im Publikum, die pure Unterhaltung erwarten, ist es ein unbequemes Stück. Aber für Paulo Moreira, 47 Jahre, einem Bühnenregisseur der regelmäßig neue Wege im Theater einschlägt, ist es einfach perfekt.

«A Cova dos Ladrões» erweckte erstmalig seine Aufmerksamkeit während eines Literaturwettbewerbs, den Albufeira 2008 organisiert hat. Das Stück stammt aus der Feder von Luís Campião, einem jungen Autor, 35 Jahre, aus Portimão, und war eines von 40, das Paulo Moreira als Jurymitglied in den Händen hielt.

“Aus rein literarischer Sicht ist der Text nicht von all zu großem Interesse. Kurze Sätze, Umgangssprache. Es gibt viele Andeutungen, unvollendete Sätze, die im Raum schweben”, berichtet er. Aber der Text schien aufgrund seiner Rohheit ideales Material zur Ausarbeitung durch Theaterschüler, die ihr Niveau in technischer Hinsicht entwickeln möchten, um eine professionelle Produktion daraus zu machen.

Der Regisseur erklärt: “In dem Kurs, den sie belegen, erörtern die Schüler gewöhnlich Klassiker von Gil Vicente und Shakespeare”. Daher “fehlt ihnen die Erfahrung mit kontemporären Arbeiten”. Außerdem “war die Art und Weise, wie ich dieses Stück aufgezogen habe, relativ frei. Es durfte viel improvisiert und neue Ideen von den Akteuren eingebracht werden”. In der Schule “ist das nicht sehr üblich”, setzt er hinzu. Die Herausforderung wuchs noch, da es keine lineare Erzählstruktur gab. Es gibt keine traditionelle Einteilung in Akte.

Das Stück spielt simultan auf zwei verschiedenen Ebenen – zu Hause und auf der Straße. Zwei Universen, die eng miteinander verbunden sind – beide zeigen den Zusammenbruch der aktuellen Gesellschaft.

In dysfunktionalen Familien wächst eine urbane Jugend heran, die sich für Gewalt begeistert. “Für mich ist dies eine Art, die Menschen mit dieser Problematik zu konfrontieren”, sagt Paulo Moreira.

Aber die Sozialkritik berührt auch andere sensible Punkte im Konservativismus der Geisteshaltung. “Ja. Es gibt homophobe Menschen (Angst vor Homosexuellen)” erläutert er. “Und das Bühnenwerk handelt auch von diesen Vorurteilen und bringt die möglichen tragischen Konsequenzen dem Publikum nahe.”

Moreira verweist damit auf den Fall von Gisberta Salce Júnior, einer brasilianischen Transsexuellen, die im Februar 2006 von einer Gruppe von 14 Jugendlichen, im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, in einem leer stehenden Gebäude in Porto zu Tode geprügelt wurde. “Wenn wir bedenken, dass die Gesellschaft immer urbaner wird - man muss sich nur die andauernde Landflucht vergegenwärtigen - haben wir hier ein Beispiel für das Leben in der Stadt”.

Ein Spiegel des Soziallebens?

Elisabete Martins, 31 Jahre, repräsentiert den Archetyp der deprimierten Hausfrau. Von den Kindern und dem arbeitslosen – dafür fremdgehenden – Ehemann ignoriert, füllt die Frau ihre Zeit und das leere Haus mit den Todesanzeigen aus den Zeitungen.

Nach dem soziokulturellen Kontext des Stückes gefragt, sagt die Schauspielerin, dass sich viele Analogien zu dem finden, was an den Schulen der Algarve geschieht.

Elisabete Martins hat auch bei «Bullying» mitgespielt, einem Stück über Gewalt an den Schulen, das zu Beginn des Jahres in verschiedenen Lehranstalten der Region aufgeführt wurde.

“Ich kann sehen, dass viele negative Verhaltensweisen mit einer Gruppendynamik zu tun haben. Um zu einer Gruppe zu gehören, muss man sich erst einmal beweisen. Oft bedeutet das, eine Rolle zu spielen, etwas was man gar nicht ist, um dabei zu sein”, gibt sie zu bedenken.

Während ihrer Zeit in dem Stück «Bullying» – das ebenfalls Paulo Moreira inszeniert hatte – beobachtete die Schauspielerin Anzeichen von Intoleranz und Vorurteilen gegenüber “Andersartigkeiten” unter den Jugendlichen der Algarve. “Normalerweise machen sie sich über die Schwächsten und Verwundbarsten lustig”.

Ebenso in «A Cova dos Ladrões». Es gibt eine Clique Jugendlicher in den Straßen, die besonders Wert auf Markenkleidung legt, um angesehen zu sein.

“Die Kinder, die Kleidung aus Billigmärkten oder von den Zigeunermärkten tragen, werden konstant getriezt. Und sie sind sich selbst überlassen. Wir haben es selbst erlebt. Man hat vielleicht gedacht, dass dies nicht mehr passiert und Vergangenheit ist. Aber dem ist nicht so. Es ist beängstigend”, schließt sie.

Wilson Benedito, 19 Jahre, spielt Bruno – einen weiteren Charakter des Stückes. Ohne ein Problem mit seiner eigenen Herkunft zu haben, sieht auch er viele Zusammenhänge zwischen dem Leben der Figuren aus dem Theaterstück und der Realität.

“Ich sehe viele Ähnlichkeiten, da ich in einem sozial schwachen Viertel von Quarteira aufgewachsen bin, wo es von allem etwas gab – von all dem Schlechten, meine ich. Und in dem Stück finde ich einige Parallelen, wie die Jugendlichen, die den Transvestiten töten. Sie erinnern mich an meine Kindheit. Ich habe die Dinge damals auch so gesehen”, gibt er zu. “Und ich weiß, wie es ist in solch schlechten familiären Umständen aufzuwachsen, da ich Freunde habe, die so leben müssen.”

Zukünftige Projekte

Mit dieser Aufführung hofft ACTA auf experimentelle Weise eine Hilfsgruppe für junge Schaffende organisieren zu können. Das Projekt, für das es noch keinen Starttermin gibt, wird mit der Entstehung der Theatergruppe im Teatro Lethes in Faro zusammenfallen.

Aber es sollte nicht lange dauern, bis Resultate zu sehen sind. “Ich tue alles dafür, mir diesen Traum zu erfüllen. Erst dachte ich nur an das Kino, aber inzwischen liebe ich die Bühne”, sagt Wilson. Wenn das Schuljahr vorbei ist, “werde ich etwa eineinhalb Jahre damit verbringen, Gelder aufzutreiben. Danach möchte ich auf die Central School of Speech and Drama gehen”, eine Stätte, die zu der Universität London gehört und für die Ausbildung junger Schauspieler ausgezeichnet ist.

Marco Mártires, Filmregisseur, der in London ausgebildet wurde, produziert ein Making-of von dieser Veranstaltung. Die Grundidee ist, “einen Film mit einer cinematografischen Apparatur zu machen, mit der Möglichkeit, dass er kommerziell erfolgreich wird. Es gibt auch noch die Idee zu einem Drehbuch für das Kino auf der Grundlage dieses Textes”, schließt der Regisseur.

In der Spielzeit 2009 gab ACTA 180 Vorstellungen vor 21.117 Besuchern. Laut Luís Vicente, dem künstlerischen Leiter, wird die nächste Produktion ein Tanztheater – das erste der Truppe. Es wird den Titel «Insustentável Leveza» tragen und unter Teilnahme deutscher und portugiesischer Musiker, Sänger und Tänzer entstehen. Die Erstaufführung ist für den 2. Juli im Teatro das Figuras in Faro geplant.

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