| Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen. | more licence problems to strangle the country, ![]() karl, Quarteira, 7 April 2010 22:17 |
Sonnenschein - Die Zukunft des Alentejo

In dem Dorfcafé von Rosário erfreut sich keiner mehr an der Aussicht. Genau vor der Nase recken sich bis zum Horizont 12.780 Solarpaneele in den Himmel, die auf 426 Türmen auf den beiden Nachbargrundstücken installiert sind. “Jetzt wird gerade ein weiterer Solarpark auf dem Weg zu den Minen von Neves Corvo errichtet”, berichtet uns einer der Einwohner.
Der Park von mittelgroßer Dimension im Herzen des Baixo Alentejo “ist ein gutes Beispiel für die Art Projekte, die Portugal braucht”, meint der Ingenieur Jorge Dallot, 56 Jahre, technischer Leiter und Verantwortlicher der Anlage. “Nach aktuellem Ermessen braucht das Land keine größenwahnsinnigen, öffentlichen Projekte. Es braucht welche, die nachhaltig und finanzierbar sind”, erklärt er.
Im November 2007 eingeweiht, entstammt die Anlage einem Investment von 12 Millionen Euro der deutschen Firma WPD AG. Sie wurde 1996 gegründet und begann Projekte zur Energiegewinnung durch Windanlagen in Deutschland zu entwickeln. Heute produziert sie erneuerbare Energien in elf Ländern.
“Dieser Solarpark hat eine Nennleistung von 2,15 Megawatts. Die jährliche Produktion liegt bei 4,45 Gigawattstunden. Das ist genug, um etwa 2.000 Familien zu versorgen”, erläutert Dallot.
Es wird erwartet, dass die Anlage 25 Jahre lang in Betrieb bleibt. Die kompletten Kosten sollten nach neun Jahren abgeschrieben sein.
Durchschnittlich werden hier, im Vergleich zu der Nutzung der gleichen Produktion durch fossile Brennstoffe, 2.100 Tonnen Treibhausgase (CO2) eingespart. Um eine Vorstellung über die Dimension zu bekommen: die Zentrale für Solarenergie in Brinches, Serpa, eine der größten der Welt, hat 61 Millionen gekostet und produziert jährlich 20 Gigawattstunden für das öffentliche Netz.
Aber das macht diese Anlage nicht weniger interessant. Der Park nimmt 22 Hektare ein. Das Leben der Natur scheint nicht gestört zu werden, wenn man die Rebhühner zwischen den Paneelen und die vielen Störche am Himmel sieht. Obwohl viel Land eingenommen wird, behält es doch seine ursprüngliche Funktion – als Weide. Schafherden grasen hier und da unter den Solar-Türmen.
“Dies ist eine Anlage, die allein gelassen werden kann. Hier ist niemand dauerhaft vor Ort. Nur automatische Systeme, die uns auf unseren Computern übers Internet wissen lassen, was hier los ist”. Eine Reihe Kameras überwacht die Umgebung. So wurde sicherlich auch unser Interview in Bremen in Echtzeit beobachtet.Die Sicherheitsmaßnahmen sind wie die Risiken minimal. Die Kabel verlaufen unterirdisch, es gibt Blitzableiter und im Falle von Sturm, schaltet sich die Anlage aus.
Die Paneele (Mono- und Polychristalin) wurden in Japan von Kyocera auf Siliziumbasis (Sand) hergestellt. Sie sind beweglich und richten sich auf zwei Achsen nach dem Sonnenstand aus. Angetrieben durch die Elektrizität, die in diesem Park hergestellt wird, folgen sie für eine optimale Leistung dem Lauf der Sonne. In idealer Ausrichtung können 13,5 Prozent der Sonnenstrahlung, die eingefangen wird, in Strom umgewandelt werden.
Um eine Verschattung zu vermeiden, stehen die Türme in 20 Meter Entfernung zu einander. Jeder sechste ist mit einem Elektrokasten ausgestattet, in dem der Strom, den die Sechsergruppe produziert, gebündelt wird.
Danach muss der Gleichstrom in Wechselstrom gewandelt werden – so wie er durch das öffentliche Netz geht und wir ihn aus der Steckdose bekommen. Das macht eine Apparatur, die sich Wechselrichter nennt. Nur dann kann er an die EDP geliefert werden. Das ist der Prozess mit den stärksten direkten Auswirkungen auf die Umwelt, denn dabei wird Lärm erzeugt. Doch die leistungsstarken Enduros, die mit Vollgas durch die Landschaft rasen, sind beim Beschleunigen um einiges lauter.
In der Kommandozentrale erledigt ein Industrie-Computer die ganze Arbeit. Die Software, die benutzt wird, hat Siemens entwickelt. “Es ist die gleiche, die auch in Fabriken und Kraftwerken gebraucht wird”. Leicht abzulesen zeigt der Hauptbildschirm drei aktuelle Werte – meteorologische Daten (Temperatur), Sonneneinstrahlung und die Leistung, die der Park erbringt (produzierte Energie).
Eine Berührung des Bildschirms reicht, um sich eine Grafik der täglichen, monatlichen oder jährlichen Ausbeute anzeigen zu lassen. Im Laufe des Tages verändern sich die Werte. “Normalerweise ist der Wert von 10 Uhr morgens bis 16 Uhr etwa konstant. Danach fällt er ab”, erklärt Dallot.
Entgegen dem, was man annehmen mag, sind die Monate im Frühling und Herbst die ertragreichsten des Jahres. Das kommt, weil zu hohe Temperaturen für einen Energieverlust sorgen.
Vor dem Hintergrund all dieser Informationen stellt sich die Frage - warum gibt es nicht mehr dieser Parks? “Das ist nicht möglich, da die Regierung 2006 ein Produktionslimit für Solarenergie von 150 Megawatt festgelegt hat. Alles in allem, von solch großen Anlagen bis zu den kleinen im Privatgebrauch. Ich weiß, dass es Lizenzen für 26 Megawatt gibt, die noch nicht vergeben wurden und von denen niemand weiß, wie viel tatsächlich umgesetzt werden.”
Abgesehen von dieser Kritik, schaut Dallot “sehr optimistisch in die Zukunft”. “Erst kürzlich genehmigte die Regierung eine Politik für erneuerbare Energien für den Zeitraum 2010/ 2020. Sie entwickelt sehr ehrgeizige Ziele für das Land, die uns begünstigen werden. Mal sehen, wie es in der Praxis sein wird, wenn Lizenzen an privat vergeben werden.”
Andererseits “ist es für ein Land nicht interessant sich nur auf erneuerbare Energien zu konzentrieren. Es muss eine Industrie geschaffen werden. Etwas, das Arbeitsplätze schafft. Es macht keinen Sinn 90 Prozent der Anlagen, die wir installieren zu importieren. Wir sind in der Lage einen guten Prozentsatz hier zu produzieren”, schließt er.
Bezüglich der Algarve ist es so, dass zwar nicht die Sonne fehlt, aber das Land Geisel der Immobilienspekulanten ist. “Ich hatte mit der Planung der Errichtung einer 10 Megawatt-Anlage in Paderne zu tun. Aber das Umweltministerium hat den Besitzer gezwungen, 100.000 Tonnen Schutt zu entsorgen, die dort abgeladen waren. Aber nicht wir hatten ihn dort abgeladen, sondern die Baufirmen des Jachthafens Albufeira!”, sagt er. “Somit war das Projekt dort nicht realisierbar, und wir sind nach Ferreira im Alentejo gegangen und haben es da verwirklicht”.
Übrigens ist die deutsche Verwaltung der Umwelterziehung sehr zugetan und öffnet ihre Tore gerne auf Anfrage. “Wir haben zahlreiche Besuche von Schulen, von den kleinsten bis zur Universität”.
In der Zukunft soll der Park erweitert werden, um 10 Prozent mehr zu produzieren – genug, um die erworbene Lizenz voll auszunutzen.






karl

