PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelThema der WocheJugend vernetzt Olhão

www.mwp-olhao.net/

Jugend vernetzt Olhão

Sie sind jung, kennen sich aber bestens mit den neuen Netzwerken aus. Pedro Sousa, 24 Jahre, und Telmo Bento, 19 Jahre, haben die Algarve bei «Movimento Wireless Português» angemeldet, um der Gemeinde Olhão ein freies, kostenloses und offenes Netzwerk zu schaffen. Alleine mit ihrer Hingabe haben sie bereits eine Infrastruktur entwickelt, die bis zur Ria Formosa reicht. Die Kosten dafür begleichen sie aus eigener Tasche. Das Ziel ist das Fachwissen der Nutzer zu teilen. Während des Sommers begünstigt der kostenlose Internetzugang auch den Tourismus, da die Urlauber davon Gebrauch machen können.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 617 (11 Mär 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Guter Wille und Antennen

Es begann als ein Spaß unter Freunden.

Im Sommer 2004 wollte Pedro Sousa (im Internet auch bekannt als Kry0h) den Computer in seinem Zimmer mit denen im Informatikgeschäft eines Freundes verbinden.

Mit der Technologie der Zeit war das eine echte Herausforderung, da die beiden Orte durch die Hauptverkehrsstraße der Stadt getrennt waren.

“Ich hatte mir selbst einen Floh ins Ohr gesetzt. Also schrieb ich mich bei dem Forum “Movimento Wireless Português“ (MWP) ein, las viel, probierte Sachen aus und verschaffte mir Wissen”, erzählt er. Mit einem kostspieligen Gerät («Access Point» genannt), einem Router und einer Antenne meldete Sousa Olhão beim MWP an – einer informellen Initiative, deren Ziel ist, die Schaffung von Netzwerken im ganzen Land ins Rollen zu bringen.

“Im Prinzip war es ein Schuss ins Dunkel, ich hatte keine Ahnung, was passieren würde. Ich erstellte eine Seite, die das Projekt erklärte und bemerkte, dass Leute anfingen sich anzuschließen und Fragen stellten”, sagt er.

Allen Interessierten gegenüber offen, wuchs das Netzwerk schnell.

“Es kamen Personen dazu, die an Informatik, Multimedia und Programmieren interessiert waren. Wir kreierten Dienste für online Spiele, internes Fernsehen und sogar einen Radiosender. Der Hintergrund war ganz einfach Wissen zu teilen”, erklärt er.

Zurzeit lebt Pedro Sousa am Gürtel des Stadtkerns, wo er das Kontrollzentrum (Bridge) eingerichtet hat. Die Management-Software wurde von ihm selbst entwickelt, gemeinsam mit Telmo Bento, einem jungen Informatiker von gerade mal 19 Jahren.

Das Signal erreicht ein Umfeld in einem Radius von fast zehn Kilometern. Ausreichend, um einen Großteil der Stadt mit einem Netz von 15 Antennen, die millimetergenau dreieckig an strategischen Punkten aufgestellt sind, abzudecken.

“Wir zählen auf das Wohlwollen der Wohnungseigentümer und Hausbewohner, die glücklicherweise unsere Idee verstanden haben. Sie fanden das gut und ließen uns die Ausrüstung aufbauen und installieren”, erzählt er.

Die Konfiguration einer jeder Antenne dauert im Schnitt drei bis vier Stunden, aber nach dem Prozedere funktionieren sie viele Jahre ohne Wartung.

“Es gibt eine Antenne auf einem Gebäude, um die zu erreichen wir durch das halbe Haus einer Dame spazieren müssen”, lächelt Pedro.

Kostenloser Internetzugang an der Ria Formosa

Sogenanntes Wi-Fi (Abkürzung für “Wireless Fidelity”) ist heutzutage eine gängige Technologie, die jetzt bei den meisten Computern und Gadgets schon eingebaut wird.

Grundsätzlich erlaubt das die Verbindung mit kabellosen Geräten. Per Definition werden diese Netze auf den Frequenzen für die freie öffentliche Nutzung betrieben.

Laut Portugals Gesetzgebung bezüglich elektronischer Kommunikation ist es möglich, diese Struktur ohne Lizenz aufzubauen und zu nutzen (n.º 5/2004, vom 10. Februar). Das Gesetz regelt nur die physikalischen Grenzen der maximalen Transmission. Die Werte liegen bei 200 mW (20 dBm) auf der Bandbreite 2.4 GHz und 1 W (30 dBm) bei 5GHz.

Aber das ist stark genug, als dass das Signal des MWP-Olhão bis zur Ria Formosa und den vorgelagerten Inseln reicht. Eine Tatsache, die bei den Urlaubern nicht unbemerkt bleibt.

“Es ist 100 Mal stärker als Algarvedigital” – ein Netz, das einige “Hotspots” für den kostenlosen Internetzugang in der Region eingerichtet hat. Aufgrund mehrerer Anfragen, seitens Ausländer und Portugiesen, die hier entlang kamen, entschlossen sie sich im Sommer 2006, die bereits vorhandene Infrastruktur zu nutzen, um einen kostenlosen Internetzugang anzubieten. Zurzeit, vom 30. Mai bis zum 1. September, ist das Netz einige Stunden pro Tag in Betrieb.

“Es sind zwischen 100 und 200 Personen mit uns verbunden. Wir entwickeln nun Server und Software, um automatisch festzulegen, was die User tun können. Wir erlauben keinen Zugang zu Webseiten mit Piraterie-Inhalten, zu Seiten, die Erwachsenen vorbehalten sind, oder zu peer-to-peer-Programmen”, sagt Pedro Sousa, der sein Breitband mit uns allen teilt.

“Die Nutzer sind aller Nationalitäten. Diejenigen, die per Boot hier anlanden freuen sich besonders über unseren Service, denn viele sehen sich sonst gezwungen, in jedem Land durch das sie kommen, einen 3G Pen zu kaufen. Diese kleinen Dinge geben uns stets die Kraft weiter zu machen - für andere ist es eine große Hilfe. Manchmal wollen die Gäste uns sogar kennen lernen und fragen uns um Rat bezüglich ihrer Bordcomputer”.

Immer ohne einen einzigen Cent von einer Behörde werden alle Kosten zum Betrieb des Netzes durch die Großzügigkeit der beiden aktiven Mitglieder getragen.

“Ich glaube, ich habe bereits fünf bis zehn tausend Euro in dieses Projekt gesteckt”, rechnet Pedro Sousa, der die treibende Kraft und der größte Enthusiast bei dieser Sache ist. “Oft fragen wir uns, was das in der Zukunft werden soll. Aber ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich möchte unsere Investition nicht in eine Stammtischpolitik involviert sehen”, verspricht er.

Amateurwissenschaftler in den Bergen der Algarve

Von Anfang an war das Experimentieren die Hauptmotivation der Gründer von MWP-Olhão. “Seit wir angefangen haben zu verstehen, wie das elektromagnetische Prinzip funktioniert, entwickeln wir Antennen in den unterschiedlichsten Formen”.

Zusätzlich zur Hardware aus den Läden haben Sousa und Bento verschiedenes Material selbst gebaut, um ihr drahtloses Netzwerk zu verbessern. Vor allem besonders effiziente, ursprüngliche Antennen - aus Materialien wie Aluminiumstangen und nicht mehr genutzten Parabolantennen, aber auch aus Milchtüten, Hefedosen, Kartoffelchipstüten und Töpfen. “Antennen, die zwischen 200 und 300 Euro kosten bauen wir für 30 Euro selbst”, sagt Sousa.

Während der Entwicklung des Netzes im Jahr 2007, “haben wir einen Test gemacht, bei dem wir den Cerro de São Miguel (São Brás de Alportel) mit Barão de São João (Lagos) verbinden konnten”.

“Damit haben wir den landesweiten Rekord geschlagen! Mit nur zwei Antennen, ohne Signalverstärker, haben wir zwei Computer in 76 Kilometer Entfernung miteinander verbunden”.

Bei dem Experiment “verschickten wir Fotos, live-Videos und Dateien per FTP Protokoll”, berichtet Bento.

“Wir haben dies für nur einen Bruchteil der Kosten, die ein solches System auf dem Markt hätte, geschafft”, sagte er. Diese Leistung ist als Video festgehalten und auf YouTube zu sehen.

Die Arbeit, die die Mitglieder des MWP-Olhão entwickelt haben, hat sogar schon zu mehreren Einladungen zu Diskussionen an Schulen und Universitäten geführt.

Internationale Anerkennung

Auf lokaler Ebene, sagen Sousa und Bento, hat weder die Gemeinde noch ein Verein bisher Interesse gezeigt, das Netzwerk zu nutzen.

“Schade, weil noch viel mehr möglich wäre. Wir könnten zum Beispiel Dienstleistungen und Inhalte anbieten oder Reportagen direkt übertragen. Die Möglichkeiten sind eigentlich unbegrenzt”, meinen sie. Außerhalb sieht man es aber als Beispiel an, dem man folgen möchte. “Es kamen schon Brasilianer auf uns zu, die uns helfen wollen das Netzwerk zu erweitern und Communities einzurichten.”

Auf der Grundlage von Variablen, wie “die Typologie des Terrains, die Anzahl der Häuser und die Art der Daten”, kombiniert mit Satellitenfotos, “können wir eine virtuelle Karte erstellen, bis wohin das Signal reicht”, erklärt er.

Abgesehen von ein paar Programmen, um das Netzwerk zu entwickeln, “ist Erfahrung sehr wichtig”.

“Drahtlose Netzwerke sind heikel. Manchmal ist man nur wenige Meter von der Antenne entfernt und bekommt kein Signal. Wir müssen verstehen, warum. Dabei sind viele Dinge zu berücksichtigen – Brechungsindex, Ausbreitung, Schatten.”

Leider interessieren sich in Portugal “die meisten Menschen nur für Projekte dieser Art, wenn sie daraus Profit schlagen können. Wenn nicht, wollen Sie nichts darüber wissen. Sie beachten dabei weder den technologischen Aspekt, noch den gemeinschaftlichen”, meint Pedro Sousa, der uns aber garantiert, dass die Aktionen weiter gehen...

Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.