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RIAS
Hoffnung für ein verlorenes Paradies?

Es gab Zeiten, da hat er den Himmel erobert. Heute ist der Schlangenadler Opfer einer langer Gefangenschaft. Die Person, bei der er in der Nähe von Mértola war, “hatte ihm die Flügel gestutzt, damit er nicht wegflog”.
Er kam am 12. November ins RIAS, an der Ria Formosa. “Unsere Aufgabe ist es, ihn wieder mit seinesgleichen zusammen zu führen, damit er wieder ausgewildert werden kann. Oft ist das aber nicht möglich”, bedauert Fábia Azevedo, 25 Jahre, Biologin.
Schwach und schwarz gefärbt versucht ein Basstölpel sich von Öl an seinen Füßen zu befreien. Es sind nicht nur die großen Katastrophen, wie die des Frachters «Prestige», die die Umwelt angreifen.
“Täglich werden Tiere von Motoröl befleckt und verschmutzt. Hier an der Algarve passiert das ausgesprochen häufig an den Docks und den Jachthäfen”, berichtet der Mitverantwortliche des RIAS.
Um zu helfen ist es unabdinglich, dass “wir warmes Wasser haben”, um die Tiere zu baden. Das RIAS hat immer noch keinen Durchlauferhitzer oder Boiler und bittet um einen als Spende.
Eigentlich sind es simple Dinge, die benötigt werden. Aber diese Dinge machen einen großen Unterschied für das (Über-)Leben der Tiere, die hier eingeliefert werden.
Seit der Verein «aldeia» im vergangenen Oktober das ehemalige Vogelzentrum an der Ria Formosa übernommen hat, erfuhr die Anlage bemerkenswerte Verbesserungen.
Nur mit der Arbeit der Freiwilligen und einigen Spenden konnte das Loch im Dach, durch das es in das Hauptgebäude geregnet hat, gestopft und die Räumlichkeiten wieder voll in Betrieb genommen werden.
Auch das Gebäude, in dem die Klinik mit ihren unterschiedlichen Einlieferungssälen für verletzte Tiere liegt, ist wieder zum Leben erweckt worden, nachdem es lange nicht genutzt werden konnte. Heute verfügt es über einen Röntgenapparat und ein Vivarium (unter anderem für die Fütterung der Raubvögel).
Laut Azevedo machen die verschiedenen externen Flugtunnel (insgesamt 15) das RIAS zu etwas ganz Besonderem. Ihre Dimensionen erlauben auch die Aufnahme von sehr großen Vögeln – wie Geier, die jedes Jahr über die ganze Algarve verteilt “notlanden”.
“Sie sind fundamental, damit die Vögel das Fliegen wieder lernen können, bevor sie in die Natur entlassen werden. Dort können sie Muskulatur aufbauen und Flugtechniken praktizieren. Außerdem üben sie, Lebendfutter (Mäuse) zu erjagen”, erklärt er.
Das Problem ist aber, dass nur einer der Tunnel momentan betriebsbereit ist. Der Mangel an Instandhaltungsmöglichkeiten und Arbeitskräften in der jüngeren Vergangenheit erklärt den fortgeschrittenen Verfall der Anlage.
Die Netze, die das Entfliegen der Vögel vermeiden, sind total durchlöchert. Einige sind mit der Zeit einfach verrottet. Die losen Maschen und Schnüre stellen eine Gefahr für alle Lebewesen dar. Das Gestrüpp wuchert unaufhörlich im Inneren der Gehege. Um das Szenario noch zu verschlimmern, haben die letzten Regenfälle einige der Volieren unbetretbar gemacht.
Sie sind das Hauptanliegen in der Woche der Freiwilligenarbeit, die während der Faschingszeit geplant ist. Ein weiteres ist das Streichen der Einrichtung. Dann der Bau einer Arbeitsbank für den Waschbereich, sowie der Bau und die Aufstellung von Sitzstangen und Vogelkästen und die Entfernung der Vegetation aus den Volieren.
Wer Interesse hat, der Einrichtung behilflich zu sein, kann das das ganze Jahr über. Außer Arbeitskraft ist auch Material mehr als willkommen.
“Im Moment benötigen wir sehr dringend Netze. Und wir brauchen Baumaterial, wie Steine und Zement. Außerdem Gartengeräte. Natürlich werden auch alltäglich Dinge für die Tiere gebraucht, wie Handtücher”, schließt er.
“Wir haben Tiere, die es nicht schaffen aus eigener Kraft zu fressen”
An einem ganz normalen Tag beginnt um 9 Uhr die Routine für das Team, das aus vier Personen besteht. Ein großer Teil des Morgens wird mit der Fütterung verbracht. Luís Jorna, Tierpfleger, hat alles auf dem Tisch in der Küche vorbereitet. Huhn und Kaninchen sind seit dem Vortag aufgetaut.
Carla Ferreira, Tierärztin im Praktikum, öffnet die Klinik für die täglichen Behandlungen. Der Umfang reicht vom einfachen Wechseln der Verbände und Reinigen der Wunden bis zur Gabe von Flüssigkeiten (Sera und Vitamine), wenn die Patienten dehydriert sind.
Zwischen Oktober und Dezember 2009 kamen 107 Tiere ins RIAS - Vögel, Dachse, Füchse, Chamäleons, Reptilien. Von Januar bis heute waren es weitere 47. Viele wurden leblos gebracht oder haben nicht überlebt.
Die Tiere kommen auf unterschiedliche Arten aus der Algarve und dem ganzen Baixo Alentejo hier an. “Es gibt Leute, die bei einem Spaziergang verletzte Tiere finden, die sie uns bringen”. Aber die meisten bringen die SEPNA (Brigada da Protecção da Natureza), eine Sparte der GNR, und die Forstwirte.
Am Nachmittag variieren die Arbeitsabläufe etwas. “Normalerweise nutzen wir die Zeit für Autopsien”. Das mag komisch erscheinen, aber diese Untersuchungen sind sehr wichtig, um zu bestimmen, warum und unter welchen Umständen das entsprechende Tier verendet ist. Das Ziel ist, auszuschließen, dass zum Beispiel während der Behandlung etwas schief gelaufen ist, und nur so “können wir unsere Arbeit stetig verbessern”.
Tote Tiere können auch Hinweise darauf geben, was in der freien Natur passiert. Ein Beispiel sind die ganzen Möwen, die gebracht wurden. Die Forscher haben den Verdacht, dass es sich um eine Erkrankung des Verdauungssystems handelt. Das sagt Nuno Abrantes, der die Daten auch zu wissenschaftlichen Zwecken nutzt – er stellt biometrische Studien über verschiedene Wasservogelarten an.
Den Einfluss der modernen Zivilisation und seine Konsequenzen auf das Leben der Wildtiere spürt man hier auch. Bei Sagres flog ein Geier in ein Windrad. “Ein Flügel war so kompliziert gebrochen, dass er nicht wirklich wieder herzustellen ist”.
Erneuerbare Energien haben einen guten Ruf, da sie sauber sind, aber nichtsdestotrotz ist ihr Einwirken auf die Natur heftig. “Es stimmt. Die Algarve ist eine Gebiet, durch das Zugvögel fliegen, und zu bestimmten Jahreszeiten kann es passieren, dass eine Gruppe von 600.000 Geiern Sagres überfliegt. Diese Vögel haben eine Flügelspannweite von über zwei Meter, daher kollidieren sie leichter mit den Windmühlenflügeln”.
“Und es gibt auch immens viele kleine Arten, von Schwalben bis zu Fledermäusen, die durch die Windräder oder an den Hochspannungsleitungen sterben”, berichtet er.
“Wenn wir in Erfahrung bringen, an welchen Masten die Vögel durch elektrischen Schlag sterben, können wir versuchen, die verantwortliche Firma darauf hinzuweisen, um Verbesserungen vorzunehmen”. Diesbezüglich deutet Fábia auf den Report von SPEA (portugiesischer Verband für Vogelstudien), der den Einfluss der Leitungen auf die Avifauna aufzeigt.
Zu Beginn des Jahres hat RIAS begonnen, eine Datenbank mit allen Informationen zu der Herkunft der Tiere anzulegen. Bevor sie in die Natur zurück kehren, werden sie beringt. Eine Seriennummer “erlaubt die Geschichte des Tieres, das Überleben und die Routen nachzuvollziehen”. Im letzten Jahr wurden 29 Tiere freigesetzt. Zurzeit erholen sich dort 24. In Zukunft, mit der Hilfe Freiwilliger, könnten es mehr sein.
• Abgeschossen
Fast jede Woche treffen dort Tiere ein, die voller Blei sind. “Einige müssen wir einschläfern. In einigen Fällen könnten die Vögel aufgrund ihrer schweren Verletzungen oder Brüche nie wieder ein angemessenes Leben führen. Es wäre nicht fair, sie weiter leiden zu lassen”.
Obwohl es illegal ist, geschützte Tierarten zu töten (“Decreto-Lei nº 316/89 de 22“) und es allerhand Regularien bezüglich der Jagd und der Jagdsaison, und welche Arten überhaupt gejagt werden dürfen, gibt, sind die “Kollateralschäden“ evident.
Ohne jemandem die Schuld zuweisen zu wollen, denkt Azevedo, dass “es doch eigentlich sehr schwierig ist, einen Hasen mit einem Adler zu verwechseln”. Aber warum sollte jemand absichtlich auf diese Spezies zielen und abdrücken? “Normalerweise mögen die Leute keine Raubvögel. Sie denken, dass es Konkurrenten bei der Jagd seien, weil sie Kaninchen und Rebhühner reißen. Aber das ist falsch, denn die Raubvögel bevorzugen kranke oder schwache Tiere. Die Rolle des Adlers im Ökosystem ist, mögliche Krankheitsausbrüche in den Populationen zu eliminieren. Der Jäger sollte eher froh sein, einen Adler in seiner Nähe zu sehen, da das bedeutet, dass es genug Nahrung für alle gibt.” Was ist die Lösung dieses Problems? Für den Biologen ist es einzig die Umwelterziehung, die die Mentalität ändern kann.








