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Bonsai an der Algarve

Es mag Zufall sein. Aber es gibt einen gemeinsamen Faktor. Fast jeder, der beginnt, sich für Bonsai zu interessieren, erhielt den kleinen Baum irgendwann in seinem Leben als Geschenk. Fast immer handelt es sich um ein zu wertvolles und zerbrechliches Geschenk, als dass man das Bäumchen sterben ließe.
So begann es vor 19 Jahren auch bei Cecília Peres (oder Tita, wie sie sich in der virtuellen Welt um den Bonsai nennt), Gründungsmitglied des Bonsai-Klubs der Algarve und vielleicht die Erfahrenste der Gruppe.
Damals schenkte ihr Sohn ihr “ein Buch und einen kleinen Bonsai. Ich glaube, es war eine Serissa. Da ich zu der Zeit nichts darüber wusste, starb das Bäumchen… ”, erzählt sie. Seitdem ist das Kultivieren von Bonsai eine Leidenschaft geworden und ein Teil des täglichen Lebens, mehr als nur ein Hobby. Heute gibt es Dutzende in ihrem Hof.
Eine ähnliche Geschichte hören wir von Carlos Madeira, 45 Jahre, Vertriebsassistent und derzeit Vorstand des Clubs. Interessanterweise war dies auch der Beginn des Weges von Rui Ferreira, der aktuell als Mentor und einer der großen Meister der Bonsai in Portugal gilt.
Jeden dritten Sonntag im Monat treffen sich die Vereinsmitglieder, insgesamt 47, in der Baumschule Win Garden & Home, in der Nähe von Lagoa. “Wir kannten uns alle nicht, heute sind wir eine Gruppe von Freunden”, berichtet uns Carlos Madeira. Die Basis zur Gründung des Clubs entstand im Internet, in verschiedenen Diskussions-Foren über Bonsai. Nachdem diverse Kontakte geknüpft waren, gipfelte der Enthusiasmus in der Gründung eines Vereins, mit Sitz in Olhão.
Eine weitere interessante Tatsache ist, dass der Club, obwohl er noch gar nicht so lange existiert, schon verschiedene Aktivitäten veranstaltet hat - von Workshops bis zur Teilnahme an Events wie der “Feira Nacional de Parques Naturais e Ambiente” (im August 2009) und Kongresse im In- und Ausland.
Die nächste Veranstaltung findet im Mai in der “Sociedade Recreativa Olhanense” statt. Dabei handelt es sich um eine öffentliche Ausstellung, um zu zeigen, dass und wie an der Algarve Bonsai kultiviert wird. Bisher hält Carlos Madeira den Club noch für “zu grün hinter den Ohren”, um an nationalen und europäischen Schauen teilzunehmen, obwohl das ein Ziel für die nahe Zukunft ist.
Auf den ersten Blick ist die Gruppe weniger homogen, als man es sich vorstellen würde - Männer und Frauen jeden Alters (sogar Kinder) kommen aus vielen Orten der Region her, um Ideen, Kenntnissen und Fähigkeiten auszutauschen.
Während des letzten Treffens präsentierte Nuno Encarnação, 26 Jahre, Psychologe, einen ausführlichen Vortrag über die Kultur und die Bildung von Kiefern als Bonsai. Es mag nach einer einfachen Idee klingen, aber es gibt mehrere Faktoren, die es zu einer konstanten Herausforderung machen. Zum Beispiel kann die Bewässerung das übermäßige Wachstum der Nadeln auslösen und das Gleichgewicht der Pflanze stören.
Danach gefragt, was man braucht, um mit diesem Hobby zu beginnen, erklärt Carlos Madeira, dass es keiner besonderen Bedingung bedarf. “Meine Bäume befinden sich zum Beispiel im Freien, auf der Veranda meiner Wohnung”, sagt er. Ein Konsens ist, dass die Pflege dieser kleinen Bäume eine gute Entlastung vom Alltagsstress ist.
Das Wort “Bonsai” besteht aus zwei Elementen: “bon” (Schale) und “sai” (Pflanze). Interessanterweise findet sich der Ursprung in der chinesischen Kunst des “Penjing” (Landschaft in der Schale). Man schätzt, dass sie um das Jahr 1200 nach Japan exportiert wurde. Es gibt mehrere Arten, sowohl für drinnen, als auch für draußen, und fast jede Baumart kann als Bonsai verwendet werden. Die traditionellen sind unter anderem Kiefer, Ahorn, Ulme, Wacholder oder Rhododendron.
Und an der Algarve? “Von der Auswahl hier ist unsere bevorzugte Spezies der Olivenbaum. Er ist ein sehr resistenter Baum, ideal daran zu lernen. Außerdem ist er bestens an das mediterrane Klima angepasst. Und auch außerhalb, auf Ausstellungen, stehen Olivenbäume gewöhnlich im Mittelpunkt”, erläutert Carlos Madeira, der uns ein Exemplar zeigte, das er von einem Grundstück gerettet hat, das planiert werden sollte, um dort zu bauen.
In der Tat kann der Beginn einer Kultur des Bonsai von “Yamadori” (Findlingen) gemacht werden - Pflanzen in der Natur, die bestimmten Bedingungen unterworfen sind, die zu einer Verringerung ihrer ursprünglichen Größe führen.
Die besondere Beziehung zu dem Baum ist auch durch seinen abstrakten Aspekt zu erklären - er hat keinen definierten Stil und ist leicht zu pflegen. Sich selbst als Autodidakt beschreibend, sagt Cecilia, dass sie ohne Fähigkeiten oder Know-how, einen Baum aufgelesen und gezogen hat, der heute, 19 Jahre später, immer noch lebt.
Die Invasion der Bonsai-Bäume in die Regale der Supermärkte und herkömmlichen Blumengeschäfte hat ein erneutes Interesse für dieses Hobby mit sich gebracht. Allerdings kann Carlos Madeira den Kauf dieser Bäume nicht empfehlen. Sie haben keine Pflegeanleitung dabei und ein unzureichendes Substrat. Oft ist es unmöglich, sie zu retten, und am Ende landen sie im Müll.
Der Frühling ist für viele Bonsai-Fans die ideale Zeit, einen Bonsai zu erstehen und mit dem Erlernen der Pflege zu beginnen. Um das Lernen zu erleichtern, hat der Verein mehrere Artikel mit Tipps und Ratschlägen übersetzt und diese auf ihrer Webseite zur Verfügung gestellt. Es gibt eine Galerie mit Bildern und sogar ein Wörterbuch mit Fachausdrücken (japanisches Vokabular).
Bezüglich der Kosten - es ist für jedermann erschwinglich. “Hängt ganz davon ab, wie viel man ausgeben kann und möchte”, sagt der Vereinsvorstand. Einige Instrumente sind wichtig, wie eine gute Schere zum Beschneiden der Stämme und Wurzeln, eine Gießkanne und eine Sprühpistole, um den Bonsai feucht zu halten. Vitamine, Dünger und ein gutes Substrat können die Kosten erhöhen. Ach ja, und ein Draht, um den Bonsai in die Form zu bringen, die Sie wünschen ...
Für weitere Informationen besuchen Sie die Internetseite des “Clube Bonsai do Algarve”: clubebonsaidoalgarve.wordpress.com oder kontaktieren Sie den Verein per E-Mail: Email oder rufen Sie an: Carlos Madeira – 962 580 555, Luís Mascarenhas – 914 760 222 und Cecília Reis Peres – 918 101 438








