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Mäuse helfen der Wissenschaft an der Algarve

“Das Heilmittel wird nicht in einer dieser Mäuse gefunden werden. Aber alle möglichen Heilmethoden hängen von der Forschung der verschiedenen Teams ab, die seit vielen Jahren mit diesen Tierchen forschen”. Das sagt José António Belo, Forschungsleiter im biomedizinischen Zentrum (CBME) und Leiter des Tierlabors der Universität der Algarve (UAlg).
Im Tierlabor der Algarve gibt es nur eine Spezies Maus, Mus Musculus - die Hausmaus, deren Körper 5 bis 10 Zentimeter lang wird und die einen kurzen Schwanz hat. “Sie sind, wie wir sagen, ideal für die Arbeit im Labor. An ihnen können wir sehr viele verschiedene Experimente durchführen – von der Forschung an der Embryonalentwicklung, über genetische Manipulationen, bis hin zu pharmakologischen Tests und Zelltherapien”, erklärt José Belo.
Das Labor hat eine Kapazität für 10.000 Tiere. Zurzeit gibt es dort etwas weniger als die Hälfte. Momentan haben zwischen 20 und 30 Forscher Zugang zu dem Labor, aber mittelfristig soll diese Zahl steigen. “Im Zusammenhang mit dem Medizinstudium haben wir uns entschieden, ein Forschungsprogramm für regenerative Medizin zu schaffen”, für das die Mäuse als Modellorganismus dienen.
Die Regularien für den Zutritt in das Labor sind hart. Die Tür hat ein elektronisches Schloss, ähnlich einem Hochsicherheits-Safe. Die Besucher müssen über einen klebrigen Teppich gehen, der sämtlichen Staub von den Schuhsohlen aufnimmt, dann einen Laborkittel anziehen, Schutzsäcke über ihre Schuhe ziehen und chirurgische Masken aufsetzen, außerdem natürlich Handschuhe und Kappe.
Die Tiere sind in zwei Räumen untergebracht, alles wird akribisch kontrolliert: Temperatur (24º), Luftfeuchtigkeit, Luftqualität und Lichtintensität, durch die der Tag- und Nachtrhythmus simuliert wird.
Die Käfige sind sterilisiert und werden einmal pro Woche ausgetauscht. Einige sind mit speziellen Filtern ausgestattet, damit keine Mikroben eindringen können. Diese schützen zum Beispiel die Käfige der Mäuse, deren Immunsystem im Rahmen einer Forschungsarbeit geschwächt wurde.
Die Mäuse haben eine Gravidät von etwa drei Wochen. Im Alter von zwei Monaten ist der Nachwuchs geschlechtsreif. Ihre Lebensspanne ist selten länger als sechs Monate, auch wenn sie eigentlich bis zu ein einhalb Jahren alt werden könnten.
Jeder Käfig trägt Etiketten mit einigen nützlichen Daten. Einige der Mäuse wurden genetisch manipuliert. Diese “Mutanten” - bei denen zum Beispiel ein Gen entfernt oder verändert wurde - sind wichtig, um die Embryonalentwicklung der einzelnen Organe, wie Herz oder Hirn, zu verstehen.
“Wenn wir wüssten, welche Zelle der Ausgang für ein bestimmtes Organ ist und welche Gene dabei eine Rolle spielen, könnten wir eines Tages die gebildeten Stammzellen verändern und für die Entwicklung spezieller Organe des Organismus nutzen”, erklärt José Belo.
Laut dem Laborleiter wird jetzt im CBME auch mit der Krebsforschung (Onkobiologie) begonnen, ebenso wie mit anderen Projekten, die im Zusammenhang mit der retinalen Gentherapie stehen und zum Ziel haben, das Augenlicht zurückzugeben. Auch die Behandlung von Alzheimer wird an den Mäusen erforscht.
Die meisten Prozeduren finden in einem kleinen Raum innerhalb des Labors statt. Die Tiere kommen immer dort hin, wenn Experimente durchgeführt werden. Dabei werden sie stets betäubt, um ihnen so wenig Schmerz wie möglich zuzufügen. Während unseres Besuchs können wir bei der Embryonen-Ernte helfen.
Wo aber sind die ethischen Grenzen? “Natürlich muss Rücksicht auf das Tier genommen werden. Heutzutage müssen alle Experimente genau autorisiert werden. Zuerst bei einer internen Ethikkommission. Danach muss jeder Forscher sein Projekt von höherer Instanz genehmigen lassen, von der “Direcção-geral de Veterinária” (Veterinäramt des Landes), der Behörde, die Tierversuche in Portugal koordiniert und reglementiert”, erklärt er.
Das Tierschutzgesetz, das im Falle von wissenschaftlichen Experimenten und anderen wissenschaftlichen Zielen greift, ist in der Verordnung 1005/92 von 23. Oktober festgeschrieben.
Die Forscher müssen eine Reihe Formulare ausgefüllen und angeben, auf welchem Gebiet sie mit den Mäusen forschen wollen. “Sie müssen rechtfertigen, welche Prozesse geplant sind, um die Tiere zu opfern – warum sie sie brauchen und wie viele sie pro Jahr zu benötigen denken”, neben anderen Parametern.
Außerdem “gibt es Normen und Regularien, wie die Tiere im Labor gehalten werden müssen. Es gibt eine Grenze, wie weit den Tieren Unannehmlichkeiten und Schmerz zugefügt werden darf”, fügt Belo hinzu.
In den Kursen “wächst die Tendenz, Demonstrationen an Mäusen nicht zu autorisieren”, genau wegen der Bedenken bezüglich des Tierschutzes. Es sind Lebewesen, und wir möchten sie uns nur zu einem wissenschaftlichen Vorteil zunutze machen. Es besteht ein großer internationaler Druck, sie nicht für den Unterricht zu benutzen. Immer öfter hören wir ein ‘nein’.”
José Belo zufolge könnten die Forschungsarbeiten, die an den kleinen Mäusen beginnen, an Primaten fortgeführt werden. Später dann könnten sogar Menschen hinzu gezogen werden. “Der Punkt ist, dass die Entwicklung der Gene und Proteine bei Mensch und Maus im embryonalen Stadium Ähnlichkeiten aufweist. Daher können wir diese Tiere in der Anfangsphase verwenden. Später, wenn wir zu Schlüssen gelangt sind, können wir anfangen darüber nachzudenken, den Prozess auf Menschen zu übertragen”, erläutert er.
Neben Belo gibt es noch zwei weitere Mitarbeiter in dem Tierlabor - Sara Marques (Managerin) und Neusa Miguel (Tierpflegerin). Des Weiteren gibt es einen Tierarzt unter Vertrag, der für die Gesundheit der Tiere verantwortlich ist.
Zwei Mal pro Jahr werden sogenannte “Wächtermäuse” an ein unabhängiges Labor geschickt, wo sie untersucht werden und mit ihnen Tests auf Krankheiten, Viren und ein Dutzend anderer Möglichkeiten der Kontamination durchgeführt werden. Ein Prozedere, das die sanitäre Sicherheit nach den internationalen Regeln gewährleistet. Das ist wichtig, weil das Labor mit anderen Einrichtungen dieser Art in der ganzen Welt Austausch betreibt. UAlg hat seine Mäuse schon bis nach Japan exportiert.
Das Tierlabor der CBME war eine Investition, die rund eine halbe Million Euro gekostet hat und die von der Calouste Gulbenkian Stiftung (Hauptsponsor) und von der Banco Totta Santander mitfinanziert wurde.








