PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelThema der WocheNinjas an der Algarve

Bujinkan Portugal

Ninjas an der Algarve

Es sind scheue Krieger. Sie beherrschen den Nahkampf und wissen mit einem Arsenal an exotischen Waffen umzugehen. Das Schwarz verleiht ihnen ein furchteinflößendes Aussehen, aber ihre größte Kunst ist die Selbstbeherrschung. Sie suchen nicht die Gewalt, sondern die Erleuchtung, um die Kämpfe im Alltag mit Hilfe von Ninjutsu in seiner reinsten Form zu bewältigen. Dies ist eine der Lektionen, die wir Anfang Dezember bei der Eröffnung des Ernani San Dojo, in der Nähe von Faro, mitbekommen. Aufgebaut wurde es durch eine private Investition des Ehepaares Telma Guerreiro und Humberto Brito, die Ninjutsu praktizieren und lehren - mental unterstützt durch ihre Schüler und Freunde. Alle, die diese körperliche und mentale Herausforderung reizt, sind herzlich willkommen, diese alte japanische Kampfkunst zu erlernen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 608 ( 7 Jan 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Shikin Haramitsu Daikomoyo!

Es ist eine Schule für Ninjas. Das Gebäude erweckt den Anschein eines kleinen japanischen Tempels. Es ist einfach eingerichtet, dennoch ist die Atmosphäre im Inneren leicht okkult, jedes Objekt scheint eine Bedeutung zu haben und steht an einem besonderen Ort - der Kamidana (Hausaltar) ist in der Mitte errichtet. An einer der Wände, bleibt der Blick an einer Fotografie von dem Soke (“Gründer”) Masaaki Hatsumi hängen, dem Oberhaupt des Bujinkan Dojo.

Die ganze orientalische Mystik lässt einen fast vergessen, dass man sich im “dojo” (Ort des Weges) von Faro, in Galvana, befindet, am Ende eines schmalen Weges, umschlossen von einem ehemaligen landwirtschaftlichen Gut, das nun Telma Guerreiro und ihrem Mann Humberto Brito gehört.

Als wir eintreffen, sind fast alle Schüler (Kyusha) schon für ihre Trainingsstunde ausgerüstet und bereit, zu zeigen, was sie bisher gelernt haben. Es sind die ersten, die eintreten, gemeinsam mit Shidoshi (Lehrer) Telma, Shidoshi Humberto und Shihan (Seniorlehrer) Ernani Pinto Bastos. Die Schuhe bleiben vor der Tür.

Ninjutsu, auch unter dem Begriff Ninpo bekannt, gehört zu den Martial Arts. Es ist eine Kampfkunst, die im mittelalterlichen Japan (16. Jahrhundert) in Erscheinung trat, aber mindestens 800 Jahre alt ist. Sie entstand aus der Notwendigkeit der Krieger, unter allen Umständen handlungsbereit zu sein. Die Nahkampftechniken von damals erlaubten, sich dem Feind zu nähern, ihn zu stürzen und zu enthaupten. So erstaunt es nicht, dass das Kino das Bild des unsichtbaren Ninjas, der in der Stille der Nacht angreift, bis zur Erschöpfung geschröpft hat.

Abgesehen von diesen Überzeichnungen, vereint Ninjutsu unzählige Techniken, die den Kampfkünstlern konstantes Training abverlangen - auch wenn es auf den ersten Blick durch die Agilität der Ninja-Anwärter der Algarve unheimlich leicht erscheint, dem Gegner einen Stoß zu versetzen und ihm wenig bis keinen Raum für den Widerstand zu lassen.

Was erlernt man dabei? Shihan Ernani und Shidoshi Humberto erklären uns, dass man keine besonderen Fähigkeiten haben muss – wie zum Beispiel als Hochleistungssportler oder Akrobat – und jeder der Lust hat, damit beginnen kann. “Es ist Ninjutsu, das sich der Person anpasst, nicht die Person muss sich gänzlich der Kunst anpassen”, erklärt Humberto Brito, Elektriker, 39 Jahre, und bezieht sich damit auf das, was ihm Shihan Ernani, 64 Jahre, Rentner, vor über einer Dekade, als er mit dem Sport begann, vermittelt hat. “Es ist eigentlich kein Kampfsport. Unser ganzes Leben lang trainieren und lernen wir,” bestätigt Brito.

Die Ausbildung beginnt mit Übungen, um seinen Körper passiv zu schützen. Die Basis des Trainings ist das Fallen zu erlernen - eine fundamentale Praktik, durch die Körperbeherrschung, Mobilität und Flexibilität entwickelt werden.

Diese primäre Disziplin, die sich Taihenjutsu nennt, ist die “Kunst, den Körper zu verändern” (von Tai - Körper, Hen - Veränderung und Jutsu - Kunst/-fertigkeit). Das schließt Sprünge, Falltechniken, Rollen und verschiedene Formen der Ausweichbewegungen, inklusive lautlose Bewegungen - die vielleicht bekannteste Charakteristik der Ninjas - mit ein.

Wenn dem Schüler die Grundlagen in Fleisch und Blut übergegangen sind, ist er so weit, die Anfänge des Trainings mit einigen traditionellen Waffen zu erlernen.

In diesem Dojo wird unter anderem speziell die Handhabung des Hanbo (etwa 90 cm langer 3-Fuß-Stock), des Rokushakubo (etwa 80 cm langer 6-Fuß-Stock), des Ninjanto (gerades Kurzschwert) und der Senban Shuriken (vierendiger Wurfstern) gelehrt.

“Mit der Ausübung dieser Kunst, verändern wir uns auch mental. Viele Leute wären gerne ein Ninja, um sich zu verteidigen, aber nach vielen Trainingsstunden, wissen sie auch, dass sie anderen Schreckliches zufügen können. Sie lernen Selbstbeherrschung”, berichtet uns ein Schüler mit dem dritten Dan (Meistergrad), der anonym bleiben möchte.

Der Meister

Den Titel Shihan erhält man ab dem 10. Dan, maximal gibt es 15 Dan. Ernani Pinto Bastos, der dem neuen Dojo in Faro seinen Namen geliehen hat, ist der einzige mit diesem Grad in Portugal.

Er entdeckte Ninjutsu vor 30 Jahren für sich und studierte viele Bücher darüber. Auf seiner ersten Reise 1988 nach Japan traf er Masaaki Hatsumi persönlich – international bekannt als größter Lehrmeister der Ninjas der Gegenwart.

In dem gleichen Jahr gründete der Shihan das “Bujinkan Portugal - Associação para o Estudo e Divulgação da Arte Ninja”, damals etwas komplett Neues in Portugal.

Heute existieren Dojos in Armação de Pêra, Barrosas, Entroncamento und Faro (das Haupt-Dojo), mit insgesamt circa 100 Schülern.

Da dies keine Sportart ist, deren Ziel das Erreichen höherer Stufen oder Punkte zu machen ist, wie bei herkömmlichen Sportarten, und auch weder Pokale noch Medaillen gewonnen oder Meisterschaften abgehalten werden, scheint sie von den portugiesischen Sportbehörden etwas vernachlässigt. Bestimmte Veranstaltungen für Ninjutsu in Portugal, wie 1992 die Ankunft von Masaaki Hatsumi, den Shihan Ernani an die Algarve gebracht hat, laufen von Repräsentanten des nationalen Sport oder der Presse völlig unbemerkt ab.

Laut Ernani Pinto Bastos gibt es Richtlinien, die die Schüler schützen und einhalten müssen. Unter ihnen finden sich zwei Schlüsselworte: “Geduld” und “Ausdauer”.

Die wahre Bedeutung beider zu kennen, ist die größte Herausforderung für jeden Ninja-Anwärter.

An der Algarve, wie überall sonst.

Verwandte Artikel
Faro
Ausgabe 694 ( 8 Sep 2011), Ohne Kommentare »
Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.