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Helmuth Lehmann
Kleine Wunder

Natürlich gesunde Kinder...
Schon früh am Morgen klingelt das Telefon. Montags bis freitags erhält Doktor Helmuth Lehmann schon zwischen 8 und 9 Uhr im Schnitt täglich 35 Anrufe. Jeden Nachmittag untersucht er durchschnittlich 30 Kinder und hat weitere 2.000 in seinen Akten. Und obwohl er an seiner Tür ein Schild hängen hat, das besagt, dass er keine neuen Patienten aufnehmen kann, sieht er ständig neue Gesichter.
Eigentlich ist das Paar an die Algarve gekommen, um Ruhe und Frieden zu finden. Helmuth, damals 55 Jahre alt, und seine Angetraute Walburga kamen müde und voller Ideen hier an. Sie wollten Ruhe, um zu studieren, ihr Wissen zu vertiefen und um Bücher zu schreiben.
Die Homöopathie “ist eine groß angelegte Studie. Viel umfassender als die herkömmliche Medizin. Es gibt über dreitausend Medikamente. Und zum Beispiel Pulsatilla (Kuhschelle) hat über 2.000 Indikationen”, berichtet Walburga.
1995 kauften sie ein Haus in der ländlichen und herrschaftlichen Gegend bei São Brás de Alportel. Sie wollten nichts von noch mehr Arbeit hören.
In Deutschland hat Lehmann mit anderen Ärzten zusammen gearbeitet, bis er sich entschloss, eine kleine Praxis in Immerath, einem kleinen Bergbaudörfchen mit 800 Einwohnern zwischen Köln und Düsseldorf zu eröffnen.
Mit seinen homöopathischen Ansätzen und seiner Liebe zu Kindern, machte er sich schnell einen Namen. Täglich ab 7 Uhr standen die Patienten vor seiner Praxis Schlange. Im Schnitt hatte er 120 Konsultationen täglich. Das Ehepaar Lehmann hielt diesen Rhythmus einige Jahre durch – bis sie nach Portugal zogen.
Dann nahm er eine Einladung an, einige Homöopathie-Kurse für an der Algarve ansässige deutsche Mütter zu organisieren. Der Erfolg war so groß, dass er keine Sprachbarriere zu überwinden hatte, um bei portugiesischen Müttern Gehör zu finden.
Bald darauf klopften wieder besorgte Eltern bei ihm an. Bei einer solchen Nachfrage, konnte der Arzt nicht anders, als der hiesigen Ärztekammer beizutreten. “Der Prozess hat unglaublich lange gedauert, ständig hat irgendein Papier gefehlt”, erzählt er. Er lief im Jahr 2003 an, und erst 2005 erhielt er die Lizenz.
Heute glaubt Walburga, 61-jährig, dass die Eltern aus der Algarve ihren Mann aufsuchten, weil “man sich erzählte, dass es in São Brás einen Arzt gäbe, der helfen kann”, und nicht aus der Tatsache heraus, dass er Homöopathie anwende.
Viele, die kamen, waren verzweifelt. Andere wollten ihn nur ausprobieren. Warum? Lehmann kommentiert die Professionalität der portugiesischen Mediziner nicht, wird aber täglich mit Beispielen schlechter Praktiken und fragwürdigem Verhalten konfrontiert.
Vor kurzem “brachte mir eine Mutter ihren Jungen mit einem geschwollenen Lymphknoten am Hals. In der Nacht kam ein Arzt zu einem Hausbesuch zu ihnen, der behauptete, es sei Mumps”, berichtet Lehmann. Auch wenn man nur die anatomische Position betrachtet hat, konnte die korrekte Diagnose nicht Mumps sein.
“Ich habe hier Kinder, die seit ihrem zweiten Lebensmonat husten. Sie haben bereits alle Hustensäfte durchprobiert und husten immer noch. Das ist hierzulande bezeichnend. Die Ärzte stellen einfach nur Rezepte aus”, sagt er. “Von einigen Eltern werde ich gefragt, ob die Kinder sich ausziehen müssen. Darauf antworte ich: Wenn ein Arzt Ihr Kind über der Kleidung abhören will – hauen Sie ab!”, sagt Helmuth Lehmann. Es ist einfach nicht möglich, klar zu hören, wenn das Stethoskop auf der Kleidung entlang rutscht.
Vernachlässigung? Desinteresse? “Ich glaube, es muss immer schnell gehen, weil es hier nicht genügend Ärzte gibt”, meint Walburga. Nach Antibiotika gefragt, fasst sich der Arzt an den Kopf - “Es ist schrecklich, schrecklich! Ich habe ein Kind gesehen, das ständig an vereiterter Mandelentzündung gelitten hat. Es hat 50 Mal Antibiotika bekommen! Das Kind war gerade mal sieben Jahre alt!”
Der Mediziner ist auch geschockt, welche Arzneien den Kindern zum Teil verschrieben werden. “Zum Beispiel antibiotika- und kortisonhaltige Augentropfen. Hier werden Kindern Mittel verschrieben, die Substanzen enthalten, die in Deutschland seit 20 Jahren verboten sind. Oder ihnen werden Zäpfchen verschrieben, die für rheumakranke Erwachsene verwendet werden sollten!”, klagt er.
“Es gibt einen Allergologen, der die Kinder wirklich krank macht. Er führt 30 Tests mit ihnen durch und verabreicht dann fünf verschiedene, starke Mittel täglich. Ich nehme sie ihnen weg und nichts passiert. All diese Kinder haben die gleiche Diagnose – Asthma”, enthüllt er.
Aber nicht nur die traditionelle Medizin ist krank. Lehmann warnt vor den Scharlatanen, die sich unter dem Deckmantel der “alternativen Therapien” verbergen. “Zu mir kam ein Kind aus Lissabon, das dort von einem Homöopathen betreut wurde. Es brachte eine riesige Tüte voll mit Medikamenten mit”, aber die Eltern konnten mir nicht sagen, wofür die waren…
Letztlich wird klar, warum das Ehepaar nur mit jungen Menschen arbeitet. “Die Kinder tun uns so leid. Erwachsene können sagen – Du spinnst, hierher komme ich nie wieder. Die Kinder können das nicht. Bei uns erhalten sie eine leichter verträgliche, sanfte Behandlung”, sagt Walburga. “Viele Kinder sagen, dass sie nur zu dem Arzt mit den weißen Haaren wollen”, sagt sie. Die vielen Zeichnungen, die überall in der Praxis hängen, belegen das.
Im Gegensatz zu Deutschland ist die Homöopathie hier nicht sehr verbreitet. “Normalerweise stehen die Mütter dieser Therapieform offener gegenüber. Die Väter zeigen sich immer sehr kritisch”, sagt Helmuth.
“Wenn wir über die Routine der Kinder Fragen stellen, wissen die Väter nie etwas. Wenn einer mit dem Kind alleine kommt, wird häufig die Mutter angerufen”, fügt der deutsche Arzt hinzu.
Dieses Gespräch ist wichtig, die Basis der Homöopathie und das effizienteste Mittel für die Diagnose. Simple Antworten auf Fragen, „Wie und wann das Kind hustet. Wenn es sich hinlegt? Hustet es im Schlaf oder wenn es wach ist? Ist es ein trockener oder ein verschleimter Husten? Wie oft in Folge während des Tages?” sind fundamental, um das richtige Mittel zu finden.
Interessanterweise war auch Helmuth selbst anfangs skeptisch. Die erste, die mit den Studien begann, war Walburga, trotz der Skepsis und der Vorbehalte des Ehemanns.
Erst nach einem Problem mit seinem Fuß, das seine Frau mit Harnsäure behandelt hat, entschied sich Helmuth 1987, sich an der Schule für Heilpraktiker in Duisburg einzuschreiben. Dort stieß er auf etwas Widerwillen seitens seines Lehrers Georg Pflüger, der “keine Ärzte unterrichten wollte”…
In den letzten Wochen behandelte Lehmann immer mehr Fälle der neuen Grippe. Er ist aber nicht besorgt. “Es gibt drei epidemische Heilmittel bei dieser Grippe – Eupatorium (Wasserdost), Gelsemium (Jasmin) und Bryonia. (Zaunrübe). Mehr ist nicht nötig.”
Bezüglich der Impfung sagt er, dass er sie “nicht mag”. In der Zusammensetzung sind “Stoffe enthalten, die bisher nicht weiter erforscht wurden. Niemand kennt die Auswirkungen”, sagt er.
Auch der allgemeine Impfplan wirft Zweifel auf. “Die Rötelimpfung kriegen auch kleine Jungen. Das ist total verrückt, die werden doch niemals schwanger”. Dem Mediziner sind auch unglückliche Fälle mit Komplikationen nach der Impfung gegen Kinderlähmung bekannt, die “große Risiken birgt”. Nur gegenüber der Tetanusimpfung ist er positiv gestimmt. “Ich finde es gut, wenn Kinder Windpocken haben, denn all diese Kinderkrankheiten stärken das Immunsystem”, erklärt er. Bleibt zu sagen, dass die Homöopathie die beste Alternative zur traditionellen Medizin ist, da sie auch die Gefühlswelt behandelt. Zum Beispiel Trauma, Autismus, Hyperaktivität finden natürliche Antworten und müssen nicht mit Antidepressiva oder chemischen Beruhigungsmitteln bekämpft werden. Ebenso einfachere Fälle, wie Angst vor der Schule oder vor der Dunkelheit.
Es ist außerdem wichtig, zu erwähnen, dass die homöopathischen Mittel sehr viel günstiger sind als die meisten Angebote aus der Apotheke. In Wasser gelöst werden wenige Tropfen mehrmals täglich eingenommen, eine einfache und erschwingliche Therapie.
Momentan lernt das Ehepaar Lehmann Doktor Alexandra an, eine russische Augenärztin, Professorin an der Universität Moskau, die fließend Deutsch spricht und die Arbeit des Paares weiterführen könnte. “Es ist wichtig, dass wir eine große Tür aufstoßen”, schließt Walburga.








