PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelThema der WocheLebensmittelspenden

Lebensmittelbank der Algarve

Lebensmittelspenden

Heute sind etwa 14 tausend Personen auf die Hilfe der “Banco Alimentar do Algarve” (BAA – Lebensmittelbank der Algarve) angewiesen. Obwohl sie seit ihrer Gründung im Jahr 2007 jährlich etwa 250 Tonnen Lebensmittel spendet, befinden sich weiterhin viele gemeinnützige Organisationen auf ihrer Warteliste, da die Anzahl der Familien, die sich aufgrund der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit in großen finanziellen Schwierigkeiten befinden, weiter wächst. Wir sprechen mit Adriano Pimpão, Professor an der Universität der Algarve und Vorstand der BAA, über die Nahrungsmittel-Sammel-Kampagne, die sich am 28. bis 29. November auf die großen Einkaufszentren der Region ausdehnt, um auf sich aufmerksam zu machen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 603 (26 Nov 2009), Ohne Kommentare »

Wer wenig hat, gibt viel

Man sollte vorweg nehmen, dass die “Banco Alimentar do Algarve” nichts direkt an die Öffentlichkeit weitergibt. Sie arbeitet mit ungefähr 80 gemeinnützigen Institutionen der Region zusammen, um sicher zu stellen, dass sie das bekommen, was sie wirklich benötigen. “Ideal wären mindestens weitere 125 Tonnen, dann gäbe es keine Institutionen mehr auf der Warteliste. Viele fragen uns, wie lange sie noch warten müssen und fühlen sich teilweise sogar übergangen. Wir erklären ihnen, dass wir nicht ausreichend Nahrungsmittel haben, aber das löst das Problem ja nicht”, berichtet uns Pimpão.

Hungerleiden in einer modernen Gesellschaft?

Im Gründungsjahr 2007 “konnte man noch nicht ahnen, wie groß der Mangel an Lebensmittel sein würde”, gibt der Wirtschaftsprofessor zu bedenken. “Im Grunde ist es ein neueres Phänomen. Es hängt mit dem benötigten Budget für Nahrungsmittel zusammen, das die Familien kaum noch aufbringen können, da die anderen unumgänglichen Kosten so hoch geworden sind”, erklärt er.

Dieses neue Phänomen nennt sich Verschuldung. Es betrifft “Menschen, die erst einmal nicht den Anschein geben, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, da sie ein Haus und ein Auto haben. Doch sie benötigen Essen, können es sich aber nicht leisten“.

Adriano Pimpão prangert auch die Banken an, die seiner Meinung nach für leicht aufzunehmende Kredite und den Konsumwahn verantwortlich sind. “Das andere große Problem hat mit der Arbeitslosigkeit zu tun. Wenn nur ein Familienmitglied seine Stelle verliert, bricht das Einkommen ein”, was viele negative Konsequenzen nach sich zieht.

Und da gibt es einiges mehr, das den derzeitigen sozialen Stand des Staates ausmacht - “alte Menschen erhalten eine minimale Rente” und “die Bevölkerung aus dem Hinterland hat zwar Besitz und kultivierbares Land, vefügt aber nicht über das notwendige Geld oder die körperliche Verfassung, um das zu tun”.

Wo die Essensspenden her kommen

Die Koordination der BAA befindet sich in Faro, in einem 1.000 Quadratmeter großen Lager, das die Gemeinde zur Verfügung stellt. In die Leitung und das Management sind langfristig 30 bis 40 freiwillige Helfer involviert.

Die BAA bekommt von drei großen Versorgern termingerecht die Nahrungsmittel. Die primäre Quelle sind die Kampagnen, die sich an die Öffentlichkeit richten. Im Schnitt finden diese zweimal im Jahr statt – im Mai/ Juni und jetzt, kurz vor Weihnachten.

Die zweite Quelle sind die großen Vertriebsgesellschaften (Supermarktketten und Hypermärkte), die den “Überschuss” an den Verband der Portugiesischen Tafeln weitergeben. Der Verband verteilt die Nahrungsmittel dann an die verschiedenen Regionen.

Und einen Teil machen auch die Personen und kleinen Firmen aus, die der Organisation Spenden zukommen lassen. Manchmal bringen die Behörden Essen vorbei, das nicht verkauft werden kann. Es ist zwar noch nicht abgelaufen, kann aber nicht auf den Markt gelangen, da es nicht gesetzesgemäß verpackt oder etikettiert wurde. Diese Nahrungsmittel finden ihren Weg dann in das soziale Netzwerk.

Inzwischen ist die Initiative der Tafeln gegen “die Verschwendung von Nahrungsmitteln” schon weltweit vertreten. Dank all dieser Quellen schafft es die BAA jede bis jede zweite Woche, diverse Institutionen zu beliefern.

Die Solidarität wächst vor allen bei denjenigen, die selbst nicht viel haben. “Ich würde sagen, die meisten Freiwilligen, die kommen, um uns zu helfen, sind Rentner, und eher selten gehören sie zu den besser Verdienenden. Genau wie die, die das meiste Essen spenden”, sagt Adriano Pimpão.

Vielleicht erklärt das, warum statistisch gesehen die Orte Olhão und Vila Real de Santo António bei den vorangegangenen Kampagnen am spendabelsten waren.

Hinter dieser Hypothese steht keine soziologische Studie, nur Erfahrung. “Ich denke, die sensibelsten Menschen sind die, die dem Geschehen am nächsten sind. Daher geben sie mehr”, sagt er.

Adriano Pimpão betont, dass die BAA niemals nach Geldspenden fragt. “Wir nehmen nur in ganz seltenen Fällen Geldspenden an”, wenn darauf bestanden wird. Diese Spenden werden dann genutzt, um Material oder Ausstattung zu kaufen. “Sehen Sie, zurzeit fehlen uns ein neuer Gabelstapler und große Körbe, um Essensspenden zu lagern.”

Hilfe oder Betrug?

Obwohl Armut und Arbeitslosigkeit immer mehr Portugiesen und Algarvios einholt, wächst das negative Stigma der sozialen Fürsorge weiter.

Paradoxerweise hört man hierzulande sehr häufig, dass die Menschen, die um Unterstützung und Hilfe bitten, beschuldigt werden, “faul” zu sein und “keine Lust hätten zu arbeiten”.

Und es gibt sogar Leute, die meinen, dass diejenigen, die Hilfe in Anspruch nehmen, im Gegenzug einen sozialen Dienst ableisten und für die Gemeinde arbeiten sollten.

Ohne einen Kommentar über diese zu verlieren, sagt Adriano Pimpão, dass die einzige Sorge der BAA sei, sicherzustellen, dass die gespendeten Güter nicht illegalerweise wieder in den Verkauf gelangen. Aber nach den ganzen Informationen, die er erhält, kann er den Institutionen trauen, mit denen die BAA kooperiert.

“Seit unserer Gründung gab es weniger als 5 Prozent Fälle von versuchten Betrugs. Das ist der Eindruck, der mir von denen, die auf dem Gebiet tätig sind, vermittelt wurde. Wir besprechen mit den Institutionen, was vor sich geht – das ist die andere Seite des Kompromisses, den wir mit der Gesellschaft geschlossen haben. Wir tagen die Verantwortung dafür, dass die Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden und nicht bei Betrügern”, versichert er uns. Auf die Frage, ob man sich dafür schämen müsste, um Hilfe zu bitten, sagt Pimpão ganz klar – “das finde ich nicht!”

Zukünftig ist unsere dringendste Herausforderung, die möglichst schnelle Einrichtung eines Lagers in Portimão, um uns die Distributionsarbeit an der Westalgarve zu erleichtern. Aber die vielleicht größte Herausforderung, die die ganze Gesellschaft betrifft, ist, dass diese und andere Tafeln in Zukunft nicht mehr benötigt werden.

Verwandte Artikel
Isabel Jonet
Ausgabe 702 ( 3 Nov 2011), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 700 (20 Okt 2011), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 654 (25 Nov 2010), Ohne Kommentare »
Ausgabe 626 (13 Mai 2010), Ohne Kommentare »
Caritas Algarve
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 619 (25 Mär 2010), Ohne Kommentare »
Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.