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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Passagier des Windes

Ballons im Barlavento

Der Flug beginnt am Fuße Monchiques. Immer vor der Morgendämmerung. Der Hochbetrieb, den Ballon aufzubauen dauert nur einige Minuten und all die abenteuerlustigen Passagiere müssen mit anpacken. Danach geht es bis zu fünftausend Fuß in die Höhe, man sieht den Sonnenaufgang, das Meer am Horizont, die Berge unter sich - ein unbeschreibliches Schauspiel. Zu dieser Uhrzeit kann man Wildschweine und andere Wildtiere auf dem leisen und sanften Flug beobachten. Das berichtet uns Helena Sá, Ballonfahrerin aus Leidenschaft. Helena Sá, 42 Jahre, ist in Portugal die einzige Frau unter den Ballonfahrern und bietet an der Algarve Heißluftballonfahrten an. Sie kam vor drei Jahren in die Region, erschloss aber erst jetzt diese brachliegende Nische im Angebot an Freiluftsport. So hat sie inzwischen etwa 100 Flüge an der Westalgarve und 200 im Alentejo absolviert. Sie überquerte schon ganz Portugal im Ballon und meint, es sei das schönste Land in ganz Europa, um diese Art von Fliegerei zu praktizieren. Wir wollten mehr darüber erfahren und sind zum Flugplatz in Lagos gefahren, wo der Sitz ihrer Fluggesellschaft «Barlavento Balloons» ist.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 600 ( 5 Nov 2009), Ohne Kommentare »

Gut gelaunt und ein entspanntes Auftreten – man mag nicht ahnen, dass Helena Sá Fliegerin ist. Vielleicht ist der Begriff auch nicht ganz passend, denn sie erobert die Lüfte auf unkonventionelle Weise, ohne Flügel oder Motor.

Sie begann mit der Ballonfahrt in Südafrika, wo sie als Tochter portugiesischer Einwanderer aufgewachsen ist. Damals war sie 23 Jahre alt. “Ich arbeitete in einem Hotel und einer meiner Nachbarn flog Ballon. Eines Tages, fragte er mich, ob ich mit ihm arbeiten wolle, und so begann es”, erinnert sich die junge Frau, die inzwischen fast ihr halbes Leben mit der Ballonfahrt zu tun hat.

Bis vor kurzem lebte Sá in Deutschland, kam zur Teilnahme an einem Ballonfahrt-Wettbewerb nach Portugal und blieb. Heute möchte sie mit ihrem neuen Geschäft «Barlavento Balloons» in ganz Europa zukünftige Ballonfahrer unterrichten. Die Flotte besteht aus nur einem Ballon, der bis zu vier Personen fasst. Die Flüge, die sie anbietet, dauern eine Stunde. Wir bitten sie, uns zu berichten, wie es ist, wenn man vom Wind abhängig fliegt.

Das Erste, was auf einen als Passagier des Windes zukommt, ist das frühe Aufstehen. Sehr frühes Aufstehen. Das kommt daher, dass “die Ballonfahrt beim Einsetzen der Thermik, etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang, nicht mehr gut möglich ist”, erklärt sie. Es gibt für Ballonfahrer keine großen Einschränkungen, aber Schwangere und Kinder unter sieben sollten darauf verzichten.

Vor jedem Start analysiert Helena Sá mit Bedacht die Wettervorhersagen und die atmosphärischen Bedingungen, um einen sicheren Flug zu gewährleisten. Dann wird der Ballon mit Hilfe eines Motorgebläses mit kalter Luft gefüllt. Erst danach wird diese mit einem Propangasbrenner erwärmt. Die Luft im Inneren des Ballons ist dann etwa 100 Grad heiß und leichter als die kühlere Luft der Umgebung.

An der Algarve kommt der Wind meist von Nord/Nordwest und bläst in Richtung Meer. Aber “in den verschiedenen Höhen sind auch die Winde unterschiedlich. Die Herausforderung ist, diese so zu erwischen, dass man mit ihnen den Ballon dort hin lenken kann, wo man möchte”, erklärt Sá. Die maximale Aufstiegsgeschwindigkeit beträgt etwa 400 Fuß pro Minute.

Immer, wenn Sá mit ihren Passagieren in die Luft steigt, wird sie von einem Bergungsteam begleitet. Der Jeep verfolgt den Ballon auf der gesamten Reise bis zu seiner Landung… von der man nie genau weiß, wo sie stattfinden wird. Hat man wieder festen Boden unter den Füßen, feiert man traditionell “mit einem Gläschen Champagner, den Flug überlebt zu haben”, scherzt sie.

Helena Sá schätzt die Risiken minimal ein, obwohl die Algarve nicht die allerbesten Voraussetzungen für diesen Sport bietet.

“Die Geografie und der Wind erschweren es ein wenig. Man sollte ausreichend Erfahrung mitbringen”, sagt sie. Abgesehen von den natürlichen Bedingungen, ist auch der Einfluß der Menschen an Land nicht gerade hilfreich. Die Kräne, Strommasten, hohen Gebäude, aller Art Hindernisse dieser Art und der Müll, der in der Landschaft verteilt liegt, erschweren die Heißluftfahrt in der Region. Helena Sá bevorzugt den Alentejo, der die besten Voraussetzungen bietet, die Hauptstadt Europas für diesen Sport zu werden.

In der Luftfahrt zählt der Ballon zu den Luftschiffen, “obwohl er ein bisschen langsam ist”. Er benötigt wie Flugzeuge oder Hubschrauber eine Zulassung. Er verfügt teilweise auch über die gleiche Ausrüstung, wie Funk, Kompass, GPS und einen Transponder – eine Vorrichtung, die die Identifikation des Luftschiffes via Radar erlaubt. Wenn wir von der Luftsicherheit entdeckt werden, sind sie “immer etwas verwirrt, da sie solche Flugobjekte nicht gewohnt sind”. Die Nähe zum Flughafen Faro ist kein Hindernis, da wir uns nur in dem zulässigen Luftraum aufhalten.

Um Ballonfahrer zu werden, muss man, genauso wie für alle anderen Luftfahrzeuge, einen Schein machen. Um damit ein Gewerbe zu betreiben, muss man mindestens 75 Flugstunden absolviert haben. “Das scheint nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass es nur wenige Stunden am Tag möglich ist, zu fliegen, bedeutet es doch viel Arbeit”.

Die Hülle für einen Heißluftballon wird normalerweise aus einem speziellen, dünnen Nylon hergestellt, und solch ein Ballon, der für ein Besatzungsmitglied und vier Passagiere geeignet ist, kostet zwischen 25 und 30 tausend Euro. Die Lebensdauer beträgt 300 bis 400 Flugstunden, vielleicht auch ein wenig mehr, wenn man ihn gut pflegt. Der Korb ist tatsächlich immer noch ein Geflecht aus hölzernem Material, leicht und sehr resistent (übersteht sogar einen Zusammenstoß mit einem Baum). “Bisher hat man nichts Besseres erfunden”, lächelt Sá.

In Europa existieren verschiedene Hersteller, die meisten findet man in Großbritannien, wo sich der Sport großer Beliebtheit erfreut. Auch in Spanien gibt es einen etablierten Produzenten, ebenso in der Tschechischen Republik.

“Die Ballonfahrt war schon immer populär. Es hat ein bisschen länger gedauert, bis sie nach Portugal kam, und zurzeit gibt es hier um die zehn Personen, die sie praktizieren. Es ist eine sehr kostspielige und nicht ganz einfache Sportart; anders, als sich in ein Flugzeug zu setzen und loszufliegen. Es erfordert Zeit, Geduld und viel Hingabe seitens des Piloten. Außerdem ist man auf die Hilfe von Freunden und Familie angewiesen, man kann es nicht alleine durchführen”.

Aktuell kostet ein Flug etwa 165 Euro pro Person. Helena Sá sagt, dass es, obwohl etwas kostenintensiv, eine absolut einmalige Erfahrung sei. Es könnte zum Beispiel ein ideales Hochzeitsgeschenk sein. Na dann, Glück ab und gut Land!

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