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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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ÜbersichtArtikelThema der WocheDie Renaissance der Marionetten

Bonus Frater

Die Renaissance der Marionetten

Es sind kleine Gliederpuppen, die durch sich kreuzende Fäden gelenkt werden. Einige Puppen kann man sich wiederum wie Handschuhe überziehen. Sie kommen in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlichen Persönlichkeiten daher. Aber alle teilen sie seit jeher die gleiche Fähigkeit: Kinder und Erwachsene in eine Traumwelt zu versetzen. Im November 2006 in Vila Real de Santo António gegründet, ist die Puppenspielertruppe «Bonus Frater» eine absolut einmalige Initiative im Süden Portugals: Sie hauchen den Marionetten Leben ein. Bis Ende Oktober zeigen sie jeden Dienstag und Freitag um 10:30 Uhr das Kindertheaterstück «O Moço, o velho e o burro» (Der Junge, der Alte und der Esel). Der Eintritt ist frei und alle sind herzlich willkommen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 596 ( 8 Okt 2009), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Der Ort ist das «Casa da Marioneta», das Haus der Marionette. Es eröffnete vergangenen Januar und liegt gleich neben dem Garten des Sportkomplexes von Vila Real de Santo António. Das Projekt rief Hélio Rodrigues, pensionierter Portugiesischlehrer, ins Leben. Er war schon immer äußerst facettenreich, sowohl in sprachlicher als auch kultureller Hinsicht.

Das primäre Ziel der Gruppe ist, lehrreiche Stücke für Schulkinder zu zeigen – ihre Zielgruppe reicht von den ganz Kleinen bis zu den Sekundarschülern. Auf diese Weise ist es für die Kinder einfacher, die portugiesische Geschichte und Literatur, von Gil Vicente bis Camões, zu verstehen und zu begreifen.

“Ich habe festgestellt, dass es praktisch nichts derartiges im Süden des Landes gibt und, nachdem ich am Internationalen Marionetten Festival in Alcobaça mitgewirkt habe, entschieden, diese pädagogische Aktivität als Ergänzung zu den Schulthemen zu realisieren”, berichtet Hélio Rodrigues.

So unglaublich, wie es scheint, die meisten Puppen wurden aus Brasilien importiert. Die Gruppe greift auf den Dienst eines Puppenmachers aus São Paulo zurück, der die Marionetten und all die anderen kleinen Figuren herstellt. Hinter jeder Puppe steht eine ausführlich Recherche, zum Beispiel bezüglich der Kleidung der bestimmten Epoche, abhängig vom historischen und regionalen Kontext. Details wie Taschentücher, Ohrringe, Ketten oder Schwerter helfen, die Puppe noch faszinierender und reeller wirken zu lassen.

Hinter der Bühne des kleinen Theaters scheinen Kinderträume wahr zu werden. Dort gibt es über 300 Marionetten aller Größen, die den Anschein erwecken, gleich lebendig zu werden und ein Märchen, Überlieferungen oder eine in Vergessenheit geratene Legende zu erzählen. Ein König, ein Kreuzritter, ein riesiger Adamastor, eine maurische Prinzessin, sogar ein kleiner, detailgetreuer Vasco da Gama warten auf die erfahrenen Hände, die ihnen Leben schenken.

Den ganz Kleinen eröffnet «Bonus Frater» eine Fantasiewelt. Wenn sie das «Casa da Marioneta» besuchen, sehen und hören die Kinder unterhaltsame Stücke, die von den traditionellen Geschichten der Algarve und Portugals inspiriert sind. Auch kurze Fabeln, die immer eine Botschaft enthalten, so wie «O Moço, o velho e o burro», bei der es um üble Nachrede innerhalb einer Gesellschaftsstruktur geht.

Rodrigues, der in der Gruppe für den technischen, künstlerischen und literarischen Teil zuständig ist, hält auch kleine Workshops im Haus, wo er Techniken und Materialien für den Bau der kleinen Puppen und ihre Handhabung erforscht.

Heute spielen bei den Vorführungen neue Technologien mit. Die Stimmen werden zum Beispiel vorher auf Band gesprochen. Es gibt Beleuchtung, Musik, Videos und Illustrationen, die dem ganzen Rhythmus und Dynamik verleihen, mit denen die Aufmerksamkeit der Zuschauer bis zum Schluss gehalten wird. In Zukunft hätte Hélio Rodrigues gerne einen Mehrzweckraum, für Film-, Theater- und Marionettenvorführungen. Im November wird die Gruppe «A Lenda das Amendoeiras» (Die Legende der Mandelbäume) zeigen, und im Dezember gibt es eine große Weihnachtsproduktion, die im Kulturzentrum António Aleixo aufgeführt wird und vom Kindertheater «La Colmenita» aus Kuba inspiriert ist. Verblüffend ist, dass das angesprochene Hauptpublikum aus zwei extrem unterschiedlichen Altersstufen stammt – Kinder und alte Menschen. “Die Älteren erinnern sich an die Zeit vor 50 Jahren, als es auf den Märkten noch die sogenannten «Teatros de Robertos» gab. Vielen von ihnen ist diese Art der Veranstaltung, die inzwischen fast gänzlich verschwunden ist, vertraut”, weiß Rodrigues zu berichten. “Aber auch das junge Publikum wird nun eingeweiht”, damit diese Kunstform nicht wieder verschwindet und weiterhin ein Lächeln auf die Gesichter vieler Generationen zaubern kann...

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