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Sofia Cravo – Tragödie und Nostalgie

Normalerweise darf man auf Ausstellungen nichts berühren. Nun, dies ist die erste von vielen Grenzen, die von der jungen Künstlerin überschritten werden. “Meine Bilder sind sehr taktil. Ich möchte, dass die Leute sie anfassen”, sagt sie mit einer großen Natürlichkeit.
Das erklärt, warum auf ihren Bildern oft viele Schichten unterschiedlichster Materialien sind, die eigentlich nicht zum Malerbedarf gehören. Steinmehl, Ton, Erde, Federn, Spitze und weitere organische Materialien, die im Kontrast zu den Öl- und Acrylfarben stehen. Die Natur ist ein essenzielles Element in den Arbeiten von Sofia Cravo – sie hat sogar schon ein Vogelnest in eine Skulptur eingearbeitet.
“Ich bin ein wenig zwanghaft bei der Arbeit, spüre die ganze Zeit das Bedürfnis zu schaffen, Dinge zu kreieren. Der Prozess mag spontan sein, aber ich verwende viel Zeit auf die Auswahl der Materialien”, berichtet sie.
Sie hat Sandfabriken (zur Herstellung von Zement) in Nordportugal aufgesucht, um den besten Sand zu finden. Sie war in Aljezur auf der Suche nach Schiefer und hat Erde aus Griechenland mitgebracht. All diese Elemente nutzt sie, um ihren Werken Dreidimensionalität und Aussagekraft zu verleihen.
Louise Bourgeois (stark vom Surrealismus beeinflusste Malerin und Bildhauerin, deren Arbeiten abstrakt und voller Symbolik sind) ist eine von Sofias Lieblingskünstlerinnen. Ganz klar warum – fast alles, was Bourgeois macht, ist experimentell.
Auf den Bildern von Sofia findet man oftmals Kalligraphien (Handschriften) und Collagen aus Magazinen, was alles noch abstrakter erscheinen lässt.
Neben dem Experimentalismus sind auch die eigensinnigen Themen der jungen Frau besonders. Sie sind von der Geschichte der Menschheit inspiriert.
Zum Beispiel sind der Fruchtbarkeitskult und die prähistorische Kunst in Verbindung mit der Frau Themen, denen sich Sofia Cravo gerne annimmt. Und abgesehen von ihren Verweisen in die Vergangenheit, spielt auch ihre eigene Weiblichkeit eine Rolle in ihrer Kunst.
Bibelgeschichten, Mythen und Legenden von antiken Zivilisationen zählen ebenfalls zu Sofias Inspirationsquellen. Hemmungslos arbeitet sie mit dem Davidstern und dem Kreuz. “Es spielt nicht nur der ästhetische Effekt eine Rolle, auch der Symbolismus, der dem Werk verliehen wird”, sagt sie. “In der Tat versuche ich immer, ausdrucksstarke Arbeiten zu schaffen”, setzt sie hinzu.
Bleibt zu sagen, dass auch die portugiesische Kultur, speziell die Folklore des Minho, mit ihren bunten Trachten und antiken Schmuckstücken in den Bildern einen Platz findet. “Auf eine Art mag ich es, meine Bilder als Fado zu betrachten – sie tragen eine schwere Last, sind geradezu tragisch, sogar nostalgisch”, sagt Sofia.
Wo möchte sie mal hin? “Mein Ziel ist, Malerin zu sein. Ich möchte nicht berühmt werden. Das Wichtigste ist, das zu tun, was ich mag, ehrlich zu mir selbst und anderen zu sein”, schließt sie.
Sofia Cravo wird sich die Galerie mit Gareth Thoma, Avi Cohen, Mikki F und Mariola Landowska teilen. Sie liegt in der Rua do Vale Formoso, an der Straße zwischen Almancil und Loulé.







