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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Weihnachten unter anderem Namen

In Belarus heißt er Ded Moroz. In China nennen sie ihn Dun Che Lao Ren. In Indien ist er als Christmas Baba bekannt. Während der Planung unserer Weihnachtsausgabe hatte ich die (glänzende?) Idee mit einigen Minderheiten zu sprechen – mit Nationalitäten jenseits von Briten und anderen Europäern, um herauszufinden, was sie an dem Tag tun, an dem die ganze Welt rührselig und sentimental wird. Wie fühlen sie sich als Ausländer, die in Portugal leben und arbeiten. „Du bekommst nie einen Chinesen dazu, mit Dir zu sprechen“, meinte mein Redakteur kopfschüttelnd – und unglaublicherweise sollte er recht behalten! Die Chinesen, die ich angesprochen habe, reagierten, als ob ich ihnen eine vor-Ort-Wurzelbehandlung ohne Narkose vorgeschlagen hätte. Aber es muss doch ein oder zwei dort draußen geben, die bereit sind, mit mir zu sprechen – doch mit dem Druck der Deadline musste ich mir etwas anderes einfallen lassen… Dann dachte ich an die Inder!
Natasha Donn, Ausgabe 709 (22 Dez 2011), Ohne Kommentare »

Praia da Luz, einige Tage vor Weihnachten. Normalerweise berstend vor Aktivitäten, kann man heute eine Stecknadel auf dem Hauptplatz fallen hören. Wo sind alle?

In dem Health-Shop erklärt mir Meri Hanlin, dass sie zuvor drei Mal wöchentlich „einen Bruce Springsteen auf der Straße machen musste“. Einen Bruce Springsteen? “Ich bin auf die Straße gegangen und habe so laut ich konnte gerufen: Lebt hier noch jemand?… Diese Woche ist es schon ein wenig besser.“

Aber so erhebend die Gespräche mit der Kanadierin Meri immer sind, sie gehört nicht der Minorität der Staatsangehörigkeiten an, die ich suchte.

In Richtung Meer fand ich dann zwei: Madhu Panicker und Raj Kumar in der Saffron Indian Kitchen.

Die beiden Hindus erklären mir, dass „Hindus Weihnachten lieben“. „Wir mögen alle Feiertage. Kein Problem!” Sie strahlen mich über eine köstliche Tasse heißen Chai an. „Weihnachten gehen wir alle in die Kirche und unser Haus ist auch schön beleuchtet,“ sagt Madhu. “Wir basteln Papiersterne und essen Huhn. Hühner-Curry!”

Aber was tun sie hier in Portugal? „Wir haben einen Tag frei! Wir gehen aus und essen Hühner-Curry mit Freunden. Vielleicht nach Sagres. Wir haben einen schönen Tag!“

Und wie finden die beiden das Leben in Portugal? „Sehr gut“, strahlt Madhu. „Ich bekomme die portugiesische Staatsangehörigkeit, und dann kann meine ganze Familie nachkommen!“

Madhu erklärt, dass in Lagos 50 bis 60 indische Familien leben, aber das Beisammensein gestaltet sich schwierig ist, da er nur einen Morgen in der Woche frei hat – außer Weihnachten natürlich.

Nur einen Morgen? Sollte er nicht zwei freie Tage haben, wie alle anderen auch? “Hier arbeiten die Leute mit europäischen Regeln, aber wir arbeiten auf indische Weise. Nur ein Morgen pro Woche. Den Rest der Zeit arbeiten wir.“

Aber wie so viele Einwanderer aus ärmeren Ländern, sind diese zwei indischen Herren einfach dankbar, einen Job zu haben – wie auch Nikolai Kuryan, aus Belarus.

Nikolai ist einer von unseren poetischen Lesern. Er ist im vergangenen Jahr ein paar Mal mit uns in Kontakt getreten, mit so reizvollen Briefen, dass wir gar nicht wussten, was wir mit ihnen machen sollten. Er hat uns gedankt, dass wir ihm geholfen haben, „sein Leben zu verändern“. Der Autodidakt in Englisch meinte, nachdem er die «Algarve 123» entdeckt hatte, hat er keine andere lokale Zeitung mehr gelesen und, dass er uns mit auf seine Busfahrten nach Minsk nimmt. Auf seinem Heimweg liest er die Zeitung von vorne bis hinten, um sein Portugiesisch und Englisch zu perfektionieren.

So fiel die spontane Wahl des “anderen Ausländers“ zu Weihnachten an der Algarve auf ihn.

Also, wie ist Weihnachten in Belarus?

„Wir feiern zwei Weihnachten! Unsere erstes ist das katholische Weihnachten, am 24. und 25., und das zweite ist das russisch-orthodoxe Weihnachten, im neuen Jahr, am 7. Januar.“

„Für mich war es interessant zu erfahren, dass der Weihnachtsmann in Deutschland Heiliger Nikolaus genannt wird, da wir ihn in meinem Land Ded Moroz nennen, was als Väterchen Frost übersetzt werden kann.

In meinem Land kommt Väterchen Frost mit seiner Enkelin Snegurochka! Es ist eine Zeit der Familienfeier. Viel Essen und Genuss rund um den Tisch. Viel Schnee. Kinder, die Schneeballschlachten auf der Straße machen. Es ist eine schöne, glückliche Zeit.”

Ob er denn sein Leben in Belarus nicht vermisse?

„An die Algarve zu kommen hat mir ein besseres Leben verschafft – eines, das in Belarus nicht möglich ist – und ich mag so viele Dinge hier!“

„Als ich zum ersten Mal her kam, dachte ich, dieses Land ist magisch, schön – ein Wunderland. Es fühlte sich in der Seele gut an, so viele Seen und Flüsse zu sehen – und die Städte und Straßen so voller Charme!

Man kann hier abends Spazieren gehen und wird nicht müde, denn es gibt so viel zu sehen! Man mag gar nicht nach Hause gehen! Jede Stadt ist anders, aber alle sind sie schön! Ich lebe nun sein drei Jahren hier und kann wirklich sagen: Algarve - tu meu Amor!“

Nikolai arbeitet derzeit in Sines in einer Fabrik. Wie er sagt, ist an der Algarve Arbeit zu finden „im Winter schwieriger“, aber er versucht, jedes Wochenende nach Lagos zu kommen, um den „besonderen Ort“ zu genießen, den er nun Zuhause nennt.

In Begegnungen mit Menschen wie Nikolai, Madhu und Raj realisiert man, dass in Portugal, trotz all der aktuellen Probleme, nicht alles schlecht ist. Wir sollten das diese Weihnachten nicht vergessen, und dankbar für das sein, was wir haben. Viele andere Nationen haben nicht so viel Glück...

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