PortuguêsEnglishDeutsch
Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
Tel.: 282 418 881
Passwort vergessen?AnmeldenKostenlose KleinanzeigenArtikelThema der WocheReportageInterviewAktuellesMeinungRestaurantsDie AlgarveVerzeichnisHilfe
ÜbersichtArtikelThema der WocheAußergewöhnliche Menschen

Internationale Tag der Menschen mit Behinderung

Außergewöhnliche Menschen

Der 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Doch diese Realität ist in der portugiesischen Gesellschaft weiterhin kaum sichtbar. Um Mentalitäten zu ändern, wird auf Initiative eines Vereins der Algarve einer der Kreisverkehre in Albufeira ein Stück Kunst im öffentlichen Raum gewinnen. Und in Portimão gibt es einen Schwimmer, der in nahezu jedem Wettbewerb, an dem er teilnahm, Preise gewonnen hat. Lernen Sie Geschichten über außergewöhnliche Menschen kennen!
Ausgabe 706 ( 1 Dez 2011), Ohne Kommentare »

Es sind 500 handbemalte Kacheln. Sie kommen aus verschiedenen portugiesischen Institutionen und Schulen, um den gewöhnlichen Kreisverkehr bei Balaia, in Albufeira, zu einem besonderen Platz zu machen. „Die Idee ist, unter der gesamten Bevölkerung der Algarve und auf nationaler Ebene bekannt zu machen, dass behinderte Menschen ein großes Potenzial haben. Sie erledigen Arbeiten wie die sogenannten normalen Leute.

Trotz ihrer Behinderung sind sie nützlich“, erklärt Nuno Neto, 50 Jahre, Geschäftsmann, der im Jahr 2003 den Verein APEXA (Verein zur Unterstützung außergewöhnlicher Personen der Algarve) gründete.

Die auf einigen drei Meter hohen Mauern arrangierten Kacheln wurden alle von Behinderten gefertigt. „Gäbe es so etwas nicht, würden die Menschen behinderte Mitbürger vergessen, weil sie sie nicht viel sehen und daher das Problem Behinderung nicht spüren. Ich selbst gebe zu, dass ich früher auch nicht viel davon mitbekommen habe“, sagt Nuno Neto, der in der Realität behinderter Menschen mit einem Fall in der eigenen Familie erwacht ist.

„Ich hatte das Pech oder das Glück, ein Kind mit Spina bifida zu bekommen. So dachte ich, ich müsste Grundlagen für es schaffen, um eine Hilfsstruktur in der Zukunft zu haben – die auch anderen hilfreich sein könnte. Dieser Verein ist ein zweiter Vater für meinen Sohn geworden, der ihm hilft, im Rahmen seiner Möglichkeiten vorwärts zu kommen. Ich habe mich mit einer Gruppe von Eltern und Freunden zusammengeschlossen, mit dem Bürgermeister gesprochen und Dinge sind in Bewegung geraten“, berichtet er.

Derzeit zählt APEXA 300 Mitglieder jeden Alters in der Algarve, die meisten in der Gemeinde Albufeira. Der Start war schwierig, und das größte Problem bleibt der Betrieb diverser Aktivitäten in “geliehenen Räumlichkeiten”. Eine weitere Schwierigkeit ist laut Nuno Neto die Langsamkeit und das Gewicht der institutionellen Bürokratie.

Dennoch bietet diese Institution der Gemeinschaft verschiedene Dienste – wie eine frühzeitige Intervention (ab Geburt bis 6 Jahre, aktuell mit 30 Kindern). In Oura findet ein sozio-professionelles Projekt statt und ein weiteres in Ferreiras um Schulprobleme zu bewältigen. Beide laufen „mit großem Erfolg“. Desweiteren gibt es noch einen Kunst-Workshop in Algoz.

Nuno Neto sagt, dass noch viel zu tun ist. „Ich habe keinen Zweifel, dass alles anders wäre, wären wir in Lissabon, Porto oder Coimbra, weil in diesem Bereich alles zentralisiert ist. Hier sind die Ressourcen immer noch zu schwach. Aber zum Glück unterstützen unsere Unternehmer und die Zivilgesellschaft solche Fälle und das ist es, was uns rettet. Vor wenigen Tagen waren zwei niederländische Paare hier, die uns geholfen haben, physotherapeutische Ausrüstung für die Frühförderung der Kinder im Wert von 2.000 Euro anzuschaffen“.

Es muss sich auch die Mentalität ändern. „Ja. Ich bin aus einer Zeit, als man an Schulen keine behinderten Kinder gesehen hat. Sie wurden einfach beiseite geschoben und es gab keine Chancen für sie. Heute ist das nicht mehr so. Es gibt eine pädagogische Strategie der Integration dieser jungen Menschen in Schulen – und das bedeutet, dass es in der Zukunft anders wird. Aber es wird sicherlich noch eine Generation dauern, die Mentalität zu ändern“, sagt er.

„Ich hatte große Schwierigkeiten, als ich bemerkte, dass mich jeder anschaut, weil ich ein behindertes Kind im Rollstuhl habe. Ich musste lernen, abzuschalten. Heute lasse ich ihn nicht mehr zu Hause, ich empfinde es als Freude; wenn es auch natürlich zunächst sehr schmerzhaft war. Manchmal sind wir irgendwo und hören die Leute sagen, „das arme Ding“. Wir sind immer noch in diesem Stadium. Es ist unsere Kultur...”, klagt Neto.

Das Wandbild ist ein Projekt, das Ende des Jahres 2010 begann. Um die Menschen etwas aufzurütteln, hat APEXA zudem auch den nationalen Wettbewerb «Rehabilitation durch die Kunst» organisiert, der Fotografie, Malerei und Skulptur einbezieht. In diesem Jahr nehmen 42 Einrichtungen mit 95 Arbeiten teil – es werden fünfzehn davon prämiert. „Wir haben die Hotels der Algarve gebeten, Wochenenden anzubieten.

Sie alle sind zu beglückwünschen, denn trotz der schweren Zeiten, arbeiten sie alle eng mit dem sozialen Bereich zusammen“.

„Ich gebe zu, dass dies trotz allem, auch eine sehr bereichernde Erfahrung gewesen ist. Diese Leute sind wirklich außergewöhnlich, anders und gleich“, verglichen mit allen anderen...

Filipe Santos – ein Champion

Paulo Alexandre, 39, ist Schwimmtrainer der Stadt Portimão. Er ist einer der Gründer des Vereins “O2”, dessen Ziel es ist, mit Behinderten und einem vielfältigeren Publikum zu arbeiten. Seit 2005 trainiert er ehrenamtlich mehrere Stunden am Tag Filipe Santos, 23, einen jungen Mann mit Trisomie 21. „Ich erkannte, dass er leicht lernt, und es wurde ein natürlicher Prozess“, berichtet Alexandre.

Der nationale Rekordhalter über 25, 50, 100, 200 und 400 Meter Freistil, Filipe Bjorke dos Santos, hält auch den nationalen Rekord über 100 und 200 Meter Schmetterling. Sein Traum ist es, weiterhin zu schwimmen. Sein letzter Erfolg war die Goldmedaille in 200 Meter Schmetterling bei den Europameisterschaften 2011.

Der Trainer meint, dass sein Athlet „die Bedeutung von Wettbewerben versteht und immer gewinnen will“. Das Problem ist, dass wir aktuell, trotz des großen Potenzials, noch keine Sponsoren zur Finanzierung haben“.

Paulo Alexandre schätzt, dass jeder Wettkampf auf nationaler Ebene mindestens 500 Euro kostet, um Reisekosten, Unterkunft und Ausrüstung zu finanzieren“. Gegenwärtig konzentriert sich das Duo auf die Weltmeisterschaft 2012.

„Ich habe davon geträumt und es geschafft, Filipe weiterzubringen. Er hat es an die Weltspitze geschafft, aktuell ist er der beste in Europa. Aber um 2012 aufs Podium zu gelangen, müssen wir ins Fitnessstudio gehen und eine professionellere Routine entwickeln“.

„Er war mal dick, hat sich aber sehr entwickelt, auch auf sozialer Ebene. Ich fing damit an, Filipe laufen zu lassen, und nach fast einem Jahr Training am Strand dachte ich daran, ihn an der nationalen Leichtathletik-Meisterschaft teilnehmen zu lassen – wo er die Bronzemedaille für 200 Meter gewann!“

„Sport für Behinderte wird nicht sehr geschätzt. Und an der Algarve ist es noch schlimmer, obwohl es alle Bedingungen dafür gibt. Ich hatte ein autistisches Kind, Rui, das ich trainiert habe, und er ist der beste in 25 Meter Rückenschwimmen in Portugal. Jetzt hat er aufgehört“, bedauert Alexandre.

„Es gibt viele Vorurteile und Unwissenheit. Die Vorstellung ist, dass es sich um „arme Dinger“, „kranke“ oder „abnormale Menschen“ handelt. Sie sind nichts davon. Sie sind behindert und gewinnen Wettbewerbe, weil sie dafür arbeiten“.

„Ich hatte ein weiteres Kind, Gustavo, dem sich niemand annehmen wollte, und ich habe ihn zum Schwimmen gebracht.

Es war nicht einfach, aber ich habe mich inzwischen daran gewöhnt. Natürlich hängt alles von dem Grad der Behinderung ab. Wir müssen das herausarbeiten, und von dort aus ist alles möglich“, sagt er.

Das Einkaufszentrum Continente in Portimão hat beschlossen, dieses Paar zu unterstützen. Vom 1. bis 4. Dezember wird es einen Charity-Verkauf in der 1. Etage geben, dessen Erlös dem Athleten zukommen wird, damit er 2012 an der Weltmeisterschaft in Italien teilnehmen kann.

Verwandte Artikel
Ausgabe 704 (17 Nov 2011), Ohne Kommentare »
Zugänglichkeit
Ausgabe 663 ( 3 Feb 2011), Ohne Kommentare »
Ausgabe 661 (20 Jan 2011), Ohne Kommentare »
Portugal
Ausgabe 650 (28 Okt 2010), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 634 ( 8 Jul 2010), Ohne Kommentare »
Kommentare
Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen.Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar.