| Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen. | Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar. |
VATe
Letzte Haltestelle Theaterplatz

Die Phantasie und Kreativität der Kinder der Region anregen waren zwei Ziele der Theatertruppe ACTA (A Companhia de Teatro do Algarve) aus Faro, als sie das Projekt VATe im Januar 2006 gegründet hat.
„Ich denke, die meisten Leute glauben, dass wir eine Schule besuchen, eine Aufführung zeigen und dann wieder gehen. In der Tat verbringen wir aber das ganze Schuljahr mit der Arbeit mit Schülern“ der Grundschulen an der Algarve und besuchen Orte, die in der Regel isoliert liegen, wie Alcoutim, Martinlongo, Rogil, Monchique, unter anderen.
„Bei unserem ersten Besuch haben wir eine Show präsentiert und mit den Kindern über das, was sie gesehen und gefühlt haben, gesprochen“, erläutert die Koordinatorin Jeannine Trévidic, 30 Jahre. „Dann lassen wir ihnen eine Aufgabe bis zu unserer Rückkehr da. Bis dahin arbeiten sie zwei oder drei Monate an einer Aufführung, die sie selbst präsentieren. Die Klasse selbst organisiert sie.”
„Und daher ist der Bus sehr wichtig, weil er eine Bühne ist, die auch den Kindern dient, wo sie Licht und Ton verwenden können und Umkleiden haben, wo sie für einen Tag Puppenspieler oder Schauspieler sind“, sagt Jeannine, die die letzten drei Schuljahre mit „auf Tour“ war.
Die Puppenspiele und Schattenspiele sind besonders beliebt. „Sie haben eine große Macht, Aufmerksamkeit zu erlangen“, fügt sie hinzu. Das Team VATe – derzeit bestehend aus vier Personen – erarbeitet Stücke, die auf den Märchen des französischen Schriftstellers Jean de La Fontaine basieren oder auf Klassikern wie Don Quixote von Miguel de Cervantes und sogar Shakespeare.
„Es ist großartig, weil wir sie in einer Weise auf das vorbereiten, was während ihrer Schullaufbahn auf sie zukommt“, sagt Carla Dias, 35 Jahre, die VATe von Anfang an begleitet hat. Zum Beispiel ist „Ulysses eine schöne Geschichte für Kinder, weil wir an einem Punkt innehalten und fragen, was eigentlich ein Held ist. Eines Tages hatten wir einen Jungen, der an nichts teilnehmen wollte, der aber plötzlich das Schweigen brach und sagte: Ein Held zu sein, bedeutet Hoffnung zu haben! Es mag wie eine Phrase klingen, aber die Kinder überraschen uns jeden Tag“, sagt sie.
Im Durchschnitt haben zwischen 2008 und 2010 achttausend Menschen über 300 Aufführungen pro Jahr besucht. Es werden jährlich mindestens zwei Produktionen angeboten. Im Jahr 2011 war das neue Stück «A mais louca história da aviação em 9 minutos e 30 segundos» (Die verrückteste Geschichte der Luftfahrt in 9 Minuten und 30 Sekunden).“ Aber natürlich wird das Team, wenn kein Bus zur Verfügung steht, sich bemühen, die Klassenzimmer nutzen zu können.
Doch werfen wir einen genaueren Blick auf den Theaterbus, der in einer Werkstatt in der Nähe von Olhão steht. Er ist zwölf Meter lang, drei Meter breit und vier Meter hoch, wiegt 18 Tonnen und verbraucht 50 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Er ist skelettiert und auseinandergelegt. Wir haben Luísa Gonçalves, die Fahrerin des Busses, und den Schauspieler Luís Vicente getroffen.
Luísa Gonçalves gibt ein wenig mehr von der Geschichte des Busses zum besten: „Fünfzehn Jahre lang fuhr er für die Busgesellschaft EVA als Transrapid zwischen der Algarve und Lissabon hin und her. Dann wurde er in Pension geschickt. ACTA holte ihn zurück ins Leben.“ Am Ende des letzten Winters gab es jedoch erstmals ernsthafte Probleme. Es hat aufgrund von Rost an der Karosserie und Problemen mit der Isolierung in den Bus hineingeregnet.“
Die öffentlichen Kassen Portugals sind jedoch leer. Der Staat und einige Gemeinden der Algarve stehen am Rande des Bankrotts. Seit vielen Jahren erleidet das Budget der ACTA (und anderer kultureller Einrichtungen) eine Kürzung nach der anderen.
Die alles entscheidende Frage lautet: Wie kann in Zeiten, in denen das Geld an allen Ecken und Kanten fehlt, ein wichtiges regionales Theaterprojekt für Kinder gerettet werden?
Keith Johnson betritt die Bühne des Busses. Auch er könnte viele Geschichten von Bussen erzählen, hat er doch über viele Jahre Reisebusse zwischen England und dem Festland hin und her bewegt. Vor kurzem setzte er sich an der Algarve zur Ruhe und übergab das Fuhrunternehmen seinem Sohn.
Johnson ist Vorsitzender des Almancil Rotary International Clubs, in dem zwei Dutzend Geschäftsleute aus neun europäischen Ländern soziale Initiativen an der Algarve unterstützen. Jeden Mittwoch um 13 Uhr trifft sich Rotary International in den Clubräumen der ASCA (Associação Social e Cultural de Almancil), um über wohltätige Projekte zu beratschlagen.
Auf diese Weise kamen Luís Vicente und Keith Johnson an einen Tisch. ACTA stellte das Problem dar, und die Rotary-Mitglieder diskutierten das Vorhaben. Ende September einigte man sich darauf, das Theaterbus-Projekt zu unterstützen.
Drei Aufführungen außer der Reihe wollen Rotary und ACTA von «Ardente» (siehe Kasten) im November gemeinsam auf die großen Bühnen der Algarve bringen. Mit dem Geld, das durch den Verkauf der Eintrittskarten erzielt wird, könnte bereits die Hälfte der Reparatur des Theaterbusses bezahlt werden.
Über den Verkauf von Werbeflächen auf dem Theaterbus soll die andere Hälfte zusammenkommen.
Uschi Kuhn und Martin Temple gehören dem gleichen Team des Rotary Clubs an, das den ACTA-Theaterbus in den Werkstätten von «Sul-Truck» bei Olhão unter die Lupe nimmt. Wichtig sind dem Rotary Club als Finanzpartner ein seriöser Kostenvorschlag, der nicht nach ein paar Wochen schon wieder Makulatur ist, sowie eine nachhaltige, langlebige Investition. Der Theaterbus soll nicht bereits im nächsten Jahr wieder in eine Generalüberholung kommen müssen. Für Rotary International Almancil ist es wichtig, dass keine Mittel in „weiße Elefanten“ investiert werden.
Carla Dias meint, immer „mehr Lehrer erkennen, dass die künstlerischen Disziplinen in der Erziehung eines Kindes sehr wichtig sind“, denn sie ermöglichen „spielend zu lernen“.
„Es gibt Lehrer, die glauben, Schüler interessieren sich mehr für Schulfächer als für die Teilnahme an diesem Projekt“, das die Entwicklung eines „kritischen Geistes“ und der Teamarbeit unterstützt.
Manchmal „entdecken Lehrer an den Schülern Seiten, die sie noch nicht kannten, und fangen an, diese Kinder auf eine andere Weise zu betrachten“, sagt Jeannine Trévidic.
Inspiriert von VATe entstand eine kleine Schul-Theatergruppe. „In Monchique sind die Kinder und Lehrer immer sehr inspiriert, vielleicht weil sie in den Bergen leben“, lächelt Carla Dias.
Selbst nach Beendigung der Grundschule „klopfen einige Kinder an unsere Tür, um zu fragen, ob sie mitmachen dürfen“. Die Liebe zum Theater bleibt. „Es ist ein Samen, der begonnen hat, zu keimen.”
Schließlich erklärt Luís Vicente, der bei vielen Portugiesen auch aus dem Fernsehen bekannte Schauspieler und Dramaturg, die Bedeutung dieses Bildungs-Projekts: „Das Theater kommt zu den Kindern in die Dörfer und der Bus ist die einzig wirkliche Abwechslung in ihrem Alltag“.
„Unser Projekt ist nicht nur wegen des Busses einzigartig, sondern auch durch unsere Arbeit. Daher kann es nicht auf diese Weise enden. Und es gibt Kinder, die auf uns warten“, resümiert Jeannine Trévidic.
Das ACTA-Theaterstück handelt von Inês und Pedro, von Liebe und Tod zweier Protagonisten, die vor mehr als 650 Jahren im Norden der Iberischen Halbinsel lebten. Das Drama beginnt am 13. Januar des Jahres 1355, als die spanische Adelige Inês de Castro auf Befehl des portugiesischen Königs Afonso IV hingerichtet wird. Sie ist die Geliebte des Kronprinzen Pedro I. Regie bei ARDENTE führt der polnische Dramaturg Leszek Madzik, Professor an der Katholischen Universtät Lublin. Madzik war Schüler Karol Wojtylas, mit anderem Namen Papst Johannes Paul II. Er ist international als renommierter Spezialist für Produktionen bekannt, die den visuellen Aspekt von Gefühlen darstellen. Sein Theater ist eine Performance aus Bildern und Impressionen, jedoch ohne Worte. Die Musik stammt von Zé Eduardo, vielen bekannt aus der portugiesischen Jazz-Szene. Das Drama geht über 60 Minuten.
Aufführungen in folgenden Theatern der Algarve:
TEMPO Teatro Municipal de Portimão, Freitag, 18. November 2011, 20h30
TEATRO LETHES in Faro, Samstag, 19. November 2011, 20h30
TEATRO LETHES in Faro, Sonntag, 20. November 2011, 16h00
Eintrittspreis pro Karte: €20.
Kartenvorverkauf: ESA, Verein ASCA Almancil, Supermärkte Apolonia, Almancil und Galé.








