| Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen. | Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar. |
Marco Dias
Neue Ideen für ein anderes Land

Was ist die Grundidee hinter dem Buch und warum haben Sie die Initiative ergriffen, es zu schreiben?
Marco Dias: Es ist die natürliche Folge all der Heucheleien, die in der Luft schweben. In der Politik ist es nichts Neues, aber alles andere scheint von der Krankheit infiziert sein. Sich bei meiner Familie, Freunden und Kollegen Luft zu machen war nicht genug, um mein Gewissen zu erleichtern.
Ich beschloss, ein wenig zu riskieren und einige Beispiele, persönliche Meinungen, Ideen und Provokationen zur Politik, Justiz und Wirtschaft zu teilen. Ungeachtet ob das Buch Erfolg haben wird oder nicht, habe ich es geschrieben, und es hat mir als ausgezeichnete Therapieform in diesen schwierigen Zeiten gedient.
Hatten Sie ein Zielpublikum vor Augen?
Zunächst möchte ich diejenigen in unwürdigen Zuständen ansprechen, die jeden Tag den echten Wunsch nach Veränderungen zeigen, die unser Land dringend braucht. Diejenigen, die mit leeren Händen dastehen, ohne Perspektiven und nichts zu verlieren haben. Mit dem Buch wurde ich zu einem offiziellen Mitglied dieser Gruppe und ich habe einige Vorschläge und Ideen vorgestellt, in der Hoffnung, dass weitere aufkommen. Ich habe das Mögliche getan, um ernstlich und schamlos all diejenigen zu provozieren, die diese Veränderungen zu verhindern versuchen.
Sie haben einen originellen Weg gefunden, ihr Werk zu veröffentlichen, indem Sie den Platz für Kommentare auf den News-Seiten großer nationaler Zeitungen nutzen. Wie ist die Akzeptanz gewesen?
Grundsätzlich dient diese Form der Veröffentlichung nur dazu, die Menschen zu ermutigen, die Website «100editora» zu besuchen, und ich kann sagen, dass das Resultat sehr gut ist. Die „Botschaft des Autors“ und die „Einführung“ des Buches, die frei verfügbar sind, haben die meisten Kommentare erhalten.
Können Sie uns kurz und bündig erklären, was Sie vorschlagen?
Es ist sehr einfach. Veränderungen! Und ich beziehe mich nicht auf das ausgetretene Klischee, dass sich die Mentalität der Portugiesen ändern muss. Ich spreche von der Schaffung einer wirklich repräsentativen Demokratie, sowie der Notwendigkeit eines effektiven, effizienten, unparteiischen und universellen Justizsystems. Dies liegt daran, dass alle anderen Änderungen aus diesen beiden Grundlagen erwachsen.
Warum senden Sie nicht ein Exemplar an jeden der Abgeordneten im Parlament?
Gute Frage. Vielleicht aus Angst, ins Exil verbannt zu werden...
Die Politiker kommen nicht aus dem Ausland. Es sind Portugiesen. Bedeutet das, dass etwas (oder viel) nicht mit uns als Volk und Gesellschaft stimmt?
Wahrscheinlich stellen sich viele ehrliche Portugiesen guten Willens jeden Tag die gleiche Frage. Ich stelle nicht die Entscheidungen des Einzelnen für sich in Frage, aber als Kollektiv, ja, da scheinen wir zu scheitern. Meiner Meinung nach ist das so, weil wir unfähige und egoistische Führer haben, die nur nach ihrem eigenen Wohl und nicht dem unserer Gesellschaft gehen. Und am schlimmsten ist, dass sie als Beispiel und Entschuldigung für andere dienen, Schlechtes zu tun.
Hatten Sie als Autor jemals “Angst” das System in Frage zu stellen?
Nein. Meine größte Angst ist, in welcher Art von Gesellschaft meine Tochter aufwachsen wird. Bezieht sich Ihre Frage auf die Tatsache, dass es kein Foto von mir in dem Buch zu sehen gibt? Das symbolisiert nur die Furcht vieler Portugiesen zu handeln.
Sie verweisen auf viele Beispiele von Korruption, Vetternwirtschaft, Missbrauch von öffentlichen Geldern. Viele davon sind auch öffentlich zugänglich. Warum, denken Sie, haben wir noch keinen öffentlichen Aufstand erlebt?
Hauptsächlich aus zwei Gründen. Erstens, weil viel mehr Menschen auf Kosten des gegenwärtigen Regimes leben, als wir denken. Korruption, Gefälligkeiten, Bestechung und Nepotismus sind für viele Menschen akzeptierte Arten und Weisen des Handelns. Zweitens haben diejenigen, die nicht zu dieser privilegierten Elite gehören, natürlich Angst um ihre Sicherheit und das Wenige, das sie im Leben haben.
Sie verteidigen das Ende der Parteipolitik. Welche Alternativen sehen Sie?
Die Alternative? Demokratie! Den Bürgern zu ermöglichen, die Ministerpräsidenten, die Mitglieder der Regierung, die Parlamentsabgeordneten sowie die Verantwortlichen der wichtigsten regulierenden Institutionen unseres Landes direkt zu wählen.
Wie ich gelesen habe, glauben Sie, dass der Präsident stärker eingreifen sollte. Warum denken Sie, ist das nicht passiert?
Wenn wir ihn direkt gefragt hätten, hätte er wohl geantwortet? Ich wette, es wäre nie die geeignete Zeit, um Stellung zu nehmen. Er findet selten einen geeigneten Termin dafür... Außer im Wahlkampf natürlich.
Die soziale Herausforderung ist da. Nicht nur auf der Straße, sondern auch durch die Technologie. Glauben Sie, dass es zu einer Veränderung in der nahen Zukunft kommt?
Ich hoffe aufrichtig, dass der technische Fortschritt bald viel mehr als nur den sozialen Protest erleichtern wird. Es sollten interaktive Tools so entwickelt werden, dass die Menschen sich am Aufbau der Demokratie beteiligen können, wie mit Volksabstimmungen, zum Beispiel, die bis jetzt so selten Verwendung finden.
Die jüngste Rede von Passos Coelho bewirkte zum Beispiel eine virtuelle Welle an Reaktionen auf Facebook. Glauben Sie, dass Politiker sich dessen bewusst sind?
Ich wette, sie sind virtuell sehr besorgt.
Glauben Sie, dass es möglich ist, die Korruption in Portugal zu beseitigen?
Nein. Ohne eine tiefgreifende Veränderung in unserem demokratischen System und ohne die notwendige Reform unserer Justiz, nie im Leben. Es gibt kein Verlangen danach.
Wie sehen Sie die Zukunft unseres Landes?
Das kann ich nicht sagen. Ich unterliege vielen Einschränkungen in meinen prophetischen Fähigkeiten, im Gegensatz zu einigen, die in der Lage sind, Ihnen mit Sicherheit zu sagen, wo wir in zehn Jahren stehen werden. Nur fürchte ich, dass die Dinge ohne radikale Veränderungen noch schlimmer werden.
Allerdings liegt mein Glaube gerade in der Möglichkeit, dass die Portugiesen irgendwie diese “Revolution” in der nahen Zukunft realisieren – die Entwicklung eines politischen Systems, das wirklich auf die Befriedigung der Interessen der Bevölkerung ausgerichtet ist, und das Gerechtigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes fördert.
Was wird Ihr nächstes Projekt sein?
Eigentlich sind es drei Projekte. Das erste ist dieses Buch, das immer noch in den Kinderschuhen steckt. Es wird in einem Monat auf den traditionellen kommerziellen Kanälen veröffentlicht werden. Das zweite ist die Schaffung eines Informationsportals für die Bürger, auf dem wir mit Hilfe von vielen anderen versuchen werden, ein alternatives Modell der demokratischen Repräsentation zu replizieren.
Ich möchte es als eine Art Test beginnen und es dann über die nächsten zwei Jahre verfeinern. Das dritte ist ein neues Buch, in dem ich versuche zu erklären, wie man die Ideen und vorgeschlagenen Verfahren des ersten Buches umsetzt – jeweils im Vergleich mit unserem aktuellen Status und einer Analyse der jüngsten Vergangenheit.







