| Einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu verfassen. | Ohne Kommentare. Verfassen Sie den ersten Kommentar. |
Europäischen Tag des Denkmals
Friedhofstourismus in Loulé

„Vor einer Weile wurde ich gefragt, was getan werden muss, damit die Menschen Friedhöfe mit einer touristischen Perspektive besuchen kommen. Nun, das hängt nur von der Art ab, wie wir die Dinge betrachten.
Natürlich wollen wir nicht wie der Friedhof in Paris sein, wo Jim Morrison beerdigt liegt. Wenn wir die Idee aber entmystifizieren können, dass es geheimnisumwitterte Orte sind, an denen Angst und Aberglaube herrschen, die man nur besucht, weil ein Familienmitglied oder Freund gestorben ist, wenn wir sie stattdessen aus einer künstlerischen Perspektive betrachten, die Monumente an sich, dann sind sie allemal einen Besuch wert.
Wären diese Dinge im Museum ausgestellt, würden sie geschätzt werden – vielleicht schaffen die Menschen, es so zu sehen“, meint Luís Guerreiro.
Während der Führung sprach er über einige Leute, die „wichtig waren für den Fortschritt und die Entwicklung dieses Landes, für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die Art, wie sie hier beigesetzt sind, spiegelt auch ihre Bedeutung wieder“, die sie einst in die Welt der Lebenden hatten.
In Portugal geht die Geschichte der Friedhöfe, wie wir sie heute verstehen und kennen, ins neunzehnte Jahrhundert zurück, zum Höhepunkt der Romantik. Laut Luísa Martins, „ist es eine sehr sentimentale Epoche mit vielen Revivals. Es ist die Zeit, in der sie sich die Konzepte von Tradition und Kulturerbe entwickelt haben“, Ideen, die letztlich viel dieser Orte ausmachen.
Den Beweis findet man gleich am Eingang. Zwei monumentale Gräber erinnern an eine Grabkunst in Stein, die heute nicht mehr praktiziert wird. In einem von ihnen liegt Ângelo José de Castro, der 1915 starb. An seiner Seite, in einem anderen, ebenso imposanten Bauwerk befindet sich sein Zeitgenosse José Martins Farrajota.
Ein genauerer Blick zeigt, dass diese großen, aber freidenkenden Männer ihre eigenen persönlichen Werte verewigen wollten, und so, vielleicht unfreiwillig, verewigten sie ein wenig von der Zeit, in der sie lebten.
Es gibt keine religiösen Elemente. Aber in Stein gemeißelt sieht man mehrere Freimaurer-Symbole wie „auf den Kopf gedrehte Fackeln, die die Inversion des Lebens symbolisieren, das Feuer, das sich selbst löscht“, erläutert Luísa Martins. „Es war eine Zeit des Republikanismus, der Veränderung der Mentalität“ und die erste Republik war „tief antiklerikal“.
Hier zeigt sich aber auch, wie die, die im Leben bescheiden waren, es bis in den Tod blieben. „Vor einiger Zeit fragte mich eine Dame, warum António Aleixo, eine besonders wichtige Persönlichkeit für Loulé, nicht eine solche Grabstätte hätte? Nun, die Gräber zeigen die Realität und soziale Lage der Menschen zu deren Lebzeiten.
Das Grab von Aleixo ist schlicht und unkompliziert, weil auch sein Leben so war“, erklärt Luís Guerreiro. In der Tat hat der vielleicht beliebteste portugiesische Dichter aller Zeiten nur ein bescheidenes Zeichen der Ehrerbietung, das die Gemeinde im Jahr 1989 gestellt hat.
„Ich werde gefragt, ob ich nicht denke, es sollte etwas Größeres sein? Nun, ich denke, dass vielleicht die Menschen eine Hommage an den Volksdichter António Aleixo erbringen könnten, ein Mausoleum errichten, in der Art der anderen hier“, meint er dazu.
Im Gegensatz zu Portimão und Faro wurde der Friedhof von Loulé noch nicht von der Expansion der Stadt verschluckt. Er wurde 1918 eröffnet, zur Zeit der Lungenpest, die bis zu „60 Menschen pro Tag getötet hat“, sagt Luís Guerreiro.
Der erste, der existiert hat, befand sich gleich neben der Kirche „Igreja Matriz“, im „Jardim dos Amuados“. Dann wurde er dorthin verlegt, wo heute das Hauptquartier der GNR ist, „der sogenannte Friedhof Rossio“.
„Ende des neunzehnten Jahrhunderts begann man zu erkennen, dass es notwendig ist Friedhöfe außerhalb der städtischen Gebiete zu bauen; genauer weil die Menschen in der Nachbarschaft über die Verträglichkeit des Grundwassers klagten“, sagt Luísa Martins. „Die Menschen im 19. Jahrhundert waren sehr um die öffentliche Hygiene besorgt.“
Die Verwendung von Zypressen auf Friedhöfen wurde von Alexandre Herculano vorgeschlagen, einer weiteren bemerkenswerten Figur seiner Zeit in Portugal, weil sie das ganze Jahr über grün bleiben und so „konstant die Luft erneuern“. Zudem ist ihr „Grün kraft- und würdevoll, was die Seele mit Romantik füllt“.
Und zuvor?
„Es gibt noch andere ältere Friedhöfe, die könnten vielleicht Studenten lokaler Geschichten bekannt sein.“ In der Vergangenheit wurden „die markantesten Persönlichkeiten von kirchlicher oder wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung neben dem Altar der Kirchen und Kapellen begraben.
Der Durchschnittsbürger wurde, ebenso wie die Nicht-Getauften, Verbrecher, Geächteten, in Massengräbern außerhalb der religiösen Orte beigesetzt. Wir wissen von so einem in Lissabon, der so genannte «Poço dos Negros», der nicht nur für Sklaven war.“ In diesem speziellen Fall wird geschätzt, dass es von D. Manuel I im Jahr 1515 befohlen wurde, und noch heute einer Straße der Hauptstadt den Namen verleiht.
Aber befriedigt dieser Tourismus nicht eine gewisse morbide Neugier? „Nein, nein. Es existiert in der Tat etwas, das sich Nekrotourismus nennt. Das sind Ausflüge auf der Suche nach Orten, die mit dem Übernatürlichen, Spiritismus, in Verbindung stehen, bei denen sie neben Friedhöfen auch sogenannte Spuk-Häuser, Schlösser und alte Gebäude mit fantastischen Geschichten besuchen. Dann gibt es den Friedhofstourismus, der ein Tourismus des Erbes und der Erinnerung ist.
Es ist ein Kulturtourismus, weil dies wahre Freilichtmuseen sind. Sie sind für alle zugänglich und deshalb ist er in der Expansion“, glaubt Luísa Martins.
An der Algarve war das vielleicht ein erster Schritt, den die Gemeinde Loulé wiederholen kann. Doch in den beiden größten Städten Portugals ist es vulgär. Seit 1994 werden auf dem Friedhof dos Prazeres in Lissabon regelmäßig Führungen in mehreren Sprachen veranstaltet.
Daten zeigen, dass in Lissabon in nur einem Jahrzehnt die Zahl der Besucher der sieben Friedhöfe der Hauptstadt um das Sechsfache gewachsen ist und im Jahr 2010 rund neun Tausend Touristen betrug. Die meisten kommen aus Ländern in Nordeuropa, wie Deutschland und Holland.
In Porto locken der Friedhof do Prado do Repouso (1839 auf dem Hof von einem Bischof errichtet) und der prächtige Friedhof Agramonte (aus dem Jahr 1855, als Ergebnis einer Cholera-Epidemie) auch viele Touristen an. Darüber hinaus stehen diese beiden an der Spitze der Liste der Gesellschaft für bedeutende Friedhöfe in Europa (ASCE), von insgesamt 54 auf 18 Länder verteilte.
Letztlich spiegelt der Friedhof die Dynamik der Gesellschaft wieder. „Wenn zu Beginn des Jahrhunderts die Leute noch mit Idealen verbunden waren, so haben sie vor kurzem begonnen anderen Dingen in unserem täglichen sozialen und wirtschaftlichen Leben, wie Häusern und Villen, Bedeutung zu geben. Natürlich mit einigen religiösen Nuancen“, schließt Luísa Martins, Bezug nehmend auf die moderneren Gräber auf dem Friedhof von Loulé...








