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«Southern Tracks»
Willkommen in der Natur!

Wer die Glaserei nahe Portimãos Rathauses besucht, wird kaum wissen, dass dort einer der wenigen Menschen zu finden ist, die die schönsten Plätze im südlichen Portugal am besten kennen.
Die Jeeps vor der Tür, manchmal mit Kajaks auf dem Dach, könnten einen Anhaltspunkt geben. Die Zeiten sind hart für das Familienunternehmen. Vitor Pereira verbirgt seine Nostalgie nicht, aber er hofft, dass er sich schon bald ausschließlich dem widmen kann, was er wirklich gerne mag - “mitten in der Natur sein”, sagt er.
Neben der Glaserei erbte er die Vorliebe seines Vaters für die Natur. Er erinnert sich an die Zeltabende mit Fledermäusen. Seltsamerweise wurde er bei den Pfadfindern rausgeworfen. Es war kein Junge, der bei ihren Versammlungen in Kirchen eingepfercht sein mochte, und floh lieber zum Campen, bei Regen oder Sonne”. Und damit fuhr er während seines gesamten Lebens fort. “Dies ist eine Art des Seins”.
Vitor Pereira, 45, begann als Reiseleiter auf dem Höhepunkt der Jeep-Safaris an der Algarve in den 1980er Jahren. “Ich dachte immer, das sei zu wenig. Es war sehr langweilig, zu banal”, erinnert er sich. Er machte sich jedoch auf eigene Faust auf in andere Abenteuer. Er reiste durch Afrika, das ihm schon damals “zu sehr von den Werten des weißen Mannes und den Auswirkungen der Entkolonialisierung kontaminiert” schien.
Es erfüllte nicht seine Erwartungen. So wandte er sich seinem eigenen Land zu. Ein häufiges Ziel war die Serra do Gerêz, manchmal von Schnee bedeckt, “um Wölfe zu sehen”. Die kamen ihm aber nie unter die Augen...
Was ihm aber gelang, war geographische Kenntnisse zu erlangen, die er nun mit anderen Naturfreunden teilen möchte. “Diese Art Produkt ist die Zukunft, in allen Aspekten, auch die Motivation, die es bringt. Die Menschen, die diese Orte kennen, wollen mehr darüber erfahren. Und sie sind auf ihre Erhaltung bedacht”, sagt er.
“Ich denke, das Wichtigste, was Sie wissen müssen, ist, wie dieses Erbe “auf nachhaltige Weise“ zu verwalten ist. Ein Beispiel. “Ich besuche die gleichen Orte nie zweimal, weil die Wildtiere beginnen würden, sich durch unseren Einmarsch in ihren Raum gestört zu fühlen. Ich weiß, dass wegen meiner Anwesenheit die Dachse vielleicht nicht aus ihren Höhlen kommen. Ich weiß, dass Rehe den Geruch von unserem Feuer spüren und an andere Orte fliehen, wenn sie den Klang der Stimmen hören”, sagt er.
Eines der Angebote von Vitor Pereira nennt sich “Walking Safaris”, eine ideale Möglichkeit für tiefere Erkundungen. “So können wir uns in unglaublichen Landschaften bewegen, mit dem Gefühl der Abgeschiedenheit von der Zivilisation.” Es ist ideal für diejenigen, die gerne Vögel beobachten, zum Beispiel beim Alqueva Stausee, vor allem im Winter, wenn es hier von Zugvögeln wimmelt.
Der Führer ist überzeugt, dass dies ein attraktives Land für den Naturtourismus ist, vor allem für den aus dem Ausland. “Tatsächlich sind die Bilder, die ich ins Internet stelle, kaum die Szenarien, die jeder mit Portugal verbindet”.
Heute ist bekannt, dass “der Süden zerrissen ist. Wir zerstören die traditionelle Kultur. Die Urbanisierung wurde komplett übertrieben. Die Strände sind, was sie sind, auch wenn es nur noch einige wenige gibt, die nur mit dem Kajak erreichbar sind, wo man einen Einblick in die eigentliche Algarve bekommen kann. Dann haben wir noch Städte, wo die Vorstellung von Wohlbefinden völlig verloren gegangen ist”, kritisiert er.
“Diese Art von Landschaftserbe wird nicht gefördert”. Die offiziellen Stellen “sind in dieser Hinsicht ein wenig kurzsichtig und erkennen nicht das Potenzial. Aber auf eine Art begrüße ich das sogar, weil ich Angst davor habe, was sie mit diesen Orten tun würden. Stellen Sie sich vor, ein Freund von einem Freund in der Regierung sieht eine große wirtschaftliche Chance, schon bald kommen die Bulldozer angerollt”, sagt er.
Und was sind das für Plätze? Die Liste ist lang und beschwörend. Einer der Favoriten von Vitor Pereira ist der Ribeira do Vascão. Der Fluss bildet die Grenze zwischen dem Nordosten der Algarve und dem Baixo Alentejo. “Es ist in der Zone, die ich das portugiesische Outback nenne. Es hat eine unglaubliche Macht, unsere Phantasie wird beflügelt.”
An den kalten Nächten im Mai kann man einen Frosch hören, “der Mittelmeer-Laubfrosch, mit seinem charakteristischen Gesang, der einfach spektakulär ist. Manchmal hört man nächtliche Konzerte heulender Füchse in der Paarungszeit. Zu einer Zeit des Jahres, bei Tagesanbruch, ist der Gesang der Vögel eine wahre Symphonie”, sagt er.
Im portugiesischen Outback sind besonders die Vögel beeindruckend – der Uhu (die größte Eule der Welt), der Rotmilan, der Spanische Kaiseradler, der Gleitaar (eine Habichtart) bieten “unbeschreibliche“ Anblicke.
“Ein weiterer Reichtum, den wir haben, ist die Absenz von Lichtverschmutzung. Wir haben einen Himmel, wie man ihn in der Sahara zu sehen bekommt. Ich war bereits dort, daher kann ich es vergleichen. Es gibt erstaunlich kristallklare Nächte”, für den Gelegenheitsastronomen.
Ein weiterer besonderer Ort ist der Ribeira da Foupana, der der Serra de Caldeirão entspringt und ein Nebenfluss des Guadiana ist. Er gilt auch als einer der wenigen wilden Flüsse des Landes.
“Dort wird immer noch das Neunauge gefischt, und im April wandern die Barben den Fluss aufwärts”, ein Ritual, ähnlich wie beim Lachs. Trotz der Trockenheit der Landschaft gibt es üppige Gärten an unerwarteten Stellen, die “in die Zeit der Araber zurückgehen”, sagt er.
Die Ria Formosa, mit 40 Kilometern Länge, ist auch ein kleines Paradies. Pereira nennt es die “Karibik”, wegen des flachen Wassers und den Sandbänken, “wohin niemand geht, selbst im Hochsommer.” Eine Reise, die er empfiehlt, ist von Cacela Velha bis zur Landzunge (die Spitze der Ilha de Faro).
“Die Lebensphilosophie ist hier noch so, wie sie schon immer war: Mit dem überleben, was das Meer einem schenkt”, sagt er. “Hier werden zum Beispiel Venusmuscheln und Austern auf dem Feuer zubereitet.”
Für alle, die sich über ihre Gesundheit Gedanken machen, empfiehlt der Führer die heiligen Quellen eisenhaltigen Wassers der Serra de Monchique.
“Sie befinden sich an Orten, die einst ein sehr intensives Leben erfuhren und jetzt vergessen sind. Es gibt eine Quelle, wo Tanzveranstaltungen stattfanden und Brot verkauft wurde. Dort wurden viele Esel angebunden; die Ringe sind heute noch da”, sagt er.
“An diesen abgelegenen Orten herrschen bei den älteren Menschen noch bestimmte Praktiken, die sie am Leben halten. Deshalb ist es an der Zeit, mit ihnen zu sprechen. Das beste an diesen Touren ist, eine Taverne zu betreten und die Geschichten vom früheren Leben zu hören”, meint er.
Überall in der Algarve, vor allem rund um Silves und nahe Sagres, findet man prähistorische Steine. “Sie sind Überreste von agro-pastoralen Gesellschaften. Einige Menhire haben Intarsien tribaler Symbolik. Einige haben sogar Gräber in der Nähe.”
Ein weiteres “kleines Stück wunderschönes Portugal ist die Küste, die bei Sagres beginnt und von dort bis Troja verläuft”, mit dem größten Sandstrand Europas. “Wir haben unglaublich schöne Sandsteinfelsen gesehen, die aussehen wie wahre Skulpturen”, und auf dem Weg kann man heute noch die Störche in Cabo-Sardão bewundern. Berichten zufolge ist es der einzige Ort der Welt, wo sie auf den Felsen im Meer nisten.
In dem Unternehmen, das er nun aufbaut, hat Pereira ein paar vordefinierte Routen. Die billigste kostet 50 Euro pro Person und dauert etwa einen halben Tag – sie kann zu Lande oder auf See sein. Zur Wahrung der Integrität der Natur sind die Gruppen nie größer als acht bis zehn Personen.
Der Grundpreis der Führungen beträgt 70 Euro. Der Rest ist für Nahrung und Spesen wie die Transportkosten.








