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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Hände weg von Porto do Mós!

Oberflächlich ist es der Kampf, ein familiär geführtes Restaurant vor dem Abriss durch Bonzen zu retten - aber im Endeffekt sind es die Menschen, die Lagos lieben und die sagen: “Es reicht! Es ist an der Zeit, die weitere Zerstörung unseres natürlichen Erbes zu stoppen!”
Natasha Donn, Ausgabe 693 ( 1 Sep 2011), Ohne Kommentare »

Am vergangenen Samstag, 27. August, wurde ich Zeuge einer sehr ungewöhnlichen Demonstration am Strand von Porto do Mós, am Rande der historischen Küstenstadt Lagos.

Einer der Demonstranten sagte: “Die Leute wachen endlich auf! Wir müssen die Art, wie die Menschen hier Geschäfte tätigen, ändern - sonst machen wir uns besser auf die Suche nach einem anderen bewohnbaren Planeten!”

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das allseits beliebte familiär geführte Restaurant «O António», das gezwungen wurde, während des belebtesten Monats des Jahres zu schließen - aufgrund eines lang andauernden Gesetzesstreits mit einem Unternehmen, das ein sechsstöckiges Hotel mit Strandblick auf dem Hügel von Porto do Mós plant.

Nach Jahren des Besitzes des 11.562 Quadratmeter großen Geländes hat Omniasol Sociedade Empreendimentos Turísticos, SARL – verbunden mit dem nahegelegenen Cascade Development – es nun eingezäunt und macht das Parken mitten im August zu einem Hochsaison-Alptraum.

Ein Vertreter von Cascade berichtete der «Algarve123», dass das Unternehmen wohl “im Rahmen seiner Rechte” einen Zaun um das Gelände konstruiert hat, und dass als Folge des Sieges im Rechtsstreit mit dem Restaurant «O António» - das im Laufe der Jahre auf das Land von Omniasol übergegriffen hat - die Behörden dem Restaurant die Betriebslizenz entzogen haben.

So finden die Strandgänger dort nun während der Hauptsaison nicht nur einen drastisch reduzierten Parkplatz vor, sondern auch einen Meilenstein in der Restauration “bis auf weiteres geschlossen”.

“Es ist eine absolute Schande!” Maria Candida Leão Gomes aus Lissabon erzählt uns, sie habe die Petition unterzeichnet, die von den Anwohnern ins Leben gerufen wurde und auf Facebook bereits massiv unterstützt wird - mit fast 1.800 Unterschriften. “Eine bodenlose Ungerechtigkeit! Die Zerstörung des populären Tourismus zu Gunsten der Reichen! Porto do Mós sollte für alle sein, nicht nur für reiche Urlauber!”

Während junge Menschen aus Lissabon ihren Protest mit einem hastig in einem nahe gelegenen Chinaladen gekauften Lautsprecher kundtun, hören wir die Meinung des deutschen Urlaubers Johannes Brandl.

“Ich bin in den letzten drei Jahren her gekommen - und ich bin in der Vivenda Miranda untergekommen, die ebenfalls dem Mann gehört, der Cascade Development besitzt: Urs Wild. Mir wurde gesagt, er sei mit dem Auto auf dem Weg aus der Schweiz nach Portugal und sollte wegen dieses Protestes am Montag ankommen. Ich möchte mit ihm reden - obwohl ich keine Ahnung habe, ob er mir zuhören wird.

“Ich unterstütze die Portugiesen hier voll und ganz”, fährt der Bayer Herr Brandl fort. “Und ich hoffe, ich kann Herrn Wild sagen, wie ich darüber denke. Sehen Sie, wenn es zu viel Entwicklung in einem Ort gibt, werden die Leute letztlich einfach woanders hingehen.

Es gibt schlicht kein “unbegrenztes Wachstum”. Wenn ein Reiseziel zu viel Veränderungen erfährt - zu hässlich oder überentwickelt wird - werden die Menschen dort nicht mehr hinkommen. Ich weiß, dass ich nicht zurückkehren werde, wenn sie dieses Hotel bauen.”

Es ist genau das, was auch die motivierte junge Anwältin und zweifache Mutter Alexandra Soares, 38, denkt, die den Protest mit der Umweltverfechter-Veteranin Laurinda Seabra ins Leben gerufen hat.

“Ich war schon immer gegen eine Bebauung auf diesem Hügel, aber als ich das über dieses Hotel herausfand, dachte ich: “Es reicht! Ich muss jetzt etwas tun!”

“Im Großen und Ganzen sind Portugiesen sehr konformistisch. Sie denken, “es gibt nichts, was wir tun können” - aber es gibt vieles, was wir tun können, wenn wir es nur versuchen! Dank der wunderbaren Hilfe von Laurinda, haben wir das hier geschafft!”

Laurinda, die lange in Südafrika gelebt hat, ist eine geborene Kämpferin mit portugiesischen Wurzeln, die erst vor kurzem nach Lagos gekommen ist und überzeugt ist, dass es eine Stadt ist, “an der viel gemacht werden muss“!

“Es scheint, einer öffentlichen Beratung kommt keine Aufmerksamkeit zu”, erklärt sie. “Wir wollen daran arbeiten! Wir hoffen, bis zu 5.000 Unterschriften für diese Petition zu sammeln, dann können wir sie der Regierung vorlegen, und das Thema wird im Parlament zur Sprache kommen.”

“Es geht weit über die rechtlichen Fragen rund um die Schließung des Restaurants «O António» hinaus. Es geht um die Zukunft - es geht um die Nachhaltigkeit eines wunderschönen, natürlichen Landstrichs”.

Es ist kein Geheimnis, dass die Klippen an diesem Küstenabschnitt sehr anfällig sind. Der Architekt im Ruhestand, Tim Tomlinson, war nur zu gern bereit, uns die großen Furchen zu zeigen, die das abfließende Wasser der neu gebauten Häuser in den Felsen geschnitzt hat.

“Diese Häuser wurden so dicht an den Klippenrand gebaut, dass sie in 100 Jahren einfach verschwunden sein werden”, fügt er hinzu.

“Und das ist das größte Problem hier - die Instabilität der Klippen. Werden sie in Ruhe gelassen, ist das eine Sache. Aber wenn man beginnt an ihnen entlang zu bauen, Gärten anzulegen und Gras zu bewässern, laufen die Dinge schief. Wenn Sie das Restaurant «O António» abreißen, wird meiner Meinung nach die ganze Klippe extrem instabil.”

Mr. Tomlinson, seit 19 Jahren Anwohner, hat bereits einen ganzen Abschnitt der Klippe weichen sehen, nicht weit vom Hotel. “Es ist nur eine Frage der Zeit und der Dummheit und Gier, bis es wieder passiert”, sagt er.

Der Protest am vergangenen Samstag begann am frühen Morgen, mit Laurinda Seabra, Alexandra Soares und Angestellten aus dem «O António», die Unterschriften für die Petition gesammelt haben. Im Laufe des Tages versammelten sich immer mehr Menschen an den Tischen draußen vor dem geschlossenen Restaurant, um ihren Unmut zu bekunden.

“Portugal wird die Seele genommen”, beklagte sich Sally Vincent, die seit 40 Jahren in Burgau lebt. “Sie haben die ganze Küste verbaut – die schönsten Strände zerstört und monströse Hotels errichtet, die einen Großteil des Jahres leer stehen.

“Die Menschen kommen speziell wegen des Strandes und dem Restaurant «O António» nach Porto do Mós. Keines von beiden sollte im Interesse eines weiteren Hotels, das die Gegend nicht braucht, zerstört werden!”

“Es muss bessere Möglichkeiten geben, Touristen zu locken”, stimmt der 17-jährige André Carvalho zu, der aus Lissabon hier zu Besuch ist. “Ich komme schon seit 17 Jahren her. Dies ist ein wunderschöner Ort, und ein anderes Hotel, gerade jetzt, genau hier, wird einfach alles zerstören.”

So gehen die Beschwerden bis weit in den Nachmittag hinein. Und wie das Meer zurückgeht und die Sonne nach Westen wandert, scheint sich auch eine Welle des öffentlichen Gewissens in Bewegung zu setzen.

Für weitere Informationen im Kampf, um Porto do Mós und «O António» zu retten, nehmen Sie bitte via Facebook Kontakt mit Laurinda Seabra auf.

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