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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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New Light Pictures

Freies Kino aus der Algarve

Sie verfügen nicht über exorbitante Mittel oder eine millionenschwere Ausrüstung. Es handelt sich um ein Team junger Menschen in ihren Zwanzigern, das das Kino liebt und sich der Produktion von Filmen mit Qualität widmet. Der Kopf von «New Light Pictures» ist Patrício Faísca, 25 Jahre, auch unter dem Spitznamen «Spielberg von Almancil» bekannt. Trotz des jugendlichen Alters und keiner audiovisuellen Ausbildung fallen Faísca und sein Team in der Welt der Kurzfilme und des unabhängigen Kinos ins Gewicht. Können Sie kaum glauben?
Ausgabe 686 (14 Jul 2011), Ohne Kommentare »

Schüsse, Kugelhagel, Explosionen. Am Boden eines Grabens befindet sich ein Soldat, entschlossen, seine Mission zu erfüllen: Eine Nachricht an den kommandierenden Offizier überbringen.

Dies ist eine simple Zusammenfassung des Kurzfilms «Comando» - zehn Minuten pure Action - mit Spezialeffekten, inspiriert von dem Film «Der Soldat James Ryan/ Saving Private Ryan».

Ganz anders als bei dem Gegenstück aus Hollywood, beliefen sich die Gesamtkosten für den Kriegsfilm von Patrício Faísca und seinem Freund Sonat Duyar auf nur 27,50 Euro – die allein in die Herstellung von Kunstblut und den Kauf von Stacheldraht flossen.

„Unsere Filme drehen wir auf Basis der Mittel, die wir auftreiben können. Meistens ist es ein Austausch an Gefälligkeiten oder ein Darlehen. Wir bezahlen nur für etwas, wenn es unbedingt nötig ist“, sagt Patrício Faísca.

Zur Schaffung des Schlachtfeldes war es nötig, mit der Hand (da keine andere Möglichkeit bestand) einen über fünfzehn Meter langen Schützengraben auszuheben, was die Koordination von etwa zwanzig Personen erforderte, die freiwillig zwei intensive Tage an den Dreharbeiten teilgenommen haben.

„Wir wissen, dass dieser Film um die Welt geht. Wir erhalten E-Mails von Leuten, die Lust haben, ihn auf Kurzfilmfestivals zu zeigen. Im Prinzip geht er noch in diesem Jahr nach Russland und Indien“, sagt Patrício Faísca. Vor Kurzem wurde er auf dem Portugiesischen Kurzfilm Festival 2011 in New York ausgestrahlt.

In Portugal „werden wir sehr geschätzt”.

Ein Beispiel ist der Erfolg bei «Shortcutz», einer Veranstaltung, die jeden Dienstag in Lissabon und jeden Mittwoch in Porto stattfindet. Dort werden jeweils zwei Kurzfilme gezeigt, nur die jüngsten Produktionen, um dem Publikum etwas Neues zu bieten. „Gut daran ist, dass die Filmemacher eingeladen werden, um ihre Arbeiten zu präsentieren“.

Am Ende gibt es eine monatliche und eine jährliche Prämie (im Rahmen einer kleinen Gala, mit unterschiedlichen Kategorien). Im Norden wurde «Comand» als bester Kurzfilm im April ausgezeichnet.

Patrício Faísca verliebte sich schon als Kind in das Kino. Im Alter von sechs begann er, im Fernsehen Dokumentarfilme über das “Making of” von Filmen zu sehen. Er war von den Spezialeffekten fasziniert – und begann früh, selbst aktiv zu werden. Mit zehn Jahren lieh er sich die Kamera seines Vaters für seine ersten Versuche aus. Im Jahr 2000 drehte er seinen ersten Spielfilm «A Mata», sehr im Stile des damals angesagten «Blair Witch Project».

„Ab dem Moment sah ich, dass ich der Sache näher kam”, sagt er. Wie bei vielen kreativen Menschen, lief die Schule nicht so gut. „Meine Eltern haben immer viel Wert auf ein Studium gelegt, aber ich bin nach der zehnten Klasse abgegangen. Ich ging zur Schule, doch was ich wollte, war Filme drehen und kreativ sein, anstatt vor Büchern zu sitzen.

Ich konnte sehr gut von den Tutorials im Internet profitieren, mehr als von einem Multimedia- Kurs“, der ein Witz war. „Das war zu einer Zeit, als die Regierung eine Menge Software-Lizenzen verloren hat” und, enttäuscht von der ganzen Situation, entschied sich Faísca einen anderen Weg einzuschlagen.

Das Resultat? Im April 2009 sorgte der Horrorfilm «Vila Gondra», mit einem Budget von 65 Euro gedreht, für eine Sensation auf SIC Radical. Ausgewählt von Pedro Boucherie Mendes, Direktor der SIC-Kanäle, wurde er im Rahmen der Feierlichkeiten zum achten Jahrestag des Senders gezeigt. Er wurde vier Mal ausgestrahlt.

„Einen Film machen bedeutet mehr als Dreharbeiten. Dazu gehört auch die Vorbereitung, die Postproduktion und der bestmögliche Vertrieb“, sagt der Gründer von «New Light Pictures». Und es ist auch die Fähigkeit, praktische Lösungen (einige sind wahre Gadgets) zu suchen und zu kreieren, um ihnen Leben zu schenken.

Es „begann mit einem Traum – in den sich später andere Personen gesellten. Ich habe allein begonnen, dann hat eine Gruppe junger Menschen Interesse gezeigt, die heute mehr ist, als nur meine rechte Hand“. Einer davon ist Nelson Mendonça, 22 Jahre, der als Komparse angefangen hat und seit 2002 zu dem Team zählt. In Zukunft „hätte ich gerne eine Firma, die sich dem Kino widmet und Teil der Filmindustrie ist“, sagt Faísca.

Die nächste Produktion, «Agente K17», wird noch in diesem Jahr urausgestrahlt. „Bisher existiert nur eine Webseite, weil der Film erst Ende des Sommers herauskommt.

Dies ist für uns ein neues Genre, das Komödie mit Action mischt. Es ist eine Kritik an der Politik, die in Portugal gemacht wird, und porträtiert einen Geheimagenten, der von der portugiesischen Regierung beauftragt wurde, aber kein Geld hat, um seine Mission zu finanzieren. Ab da beginnt die Action“.

Aber das ehrgeizige Team (derzeit rund zwanzig Personen) hat ein weiteres Projekt im Ärmel, das größte und teuerste aller Zeiten, das „für Anfang 2012 vorgesehen ist.”

Es nennt sich «Último Recurso», hat ein Budget von 600 Euro und beinhaltet Catering und Reisen an verschiedene Drehorte an der Algarve – Messines, Lagos und Albufeira.

Regie und Drehbuch lagen in der Verantwortung von Patrício Faísca, der den Schleier noch nicht lüften mag. „Ich kann sagen, dass es ein anderer Stil ist. Es geht um ein Genre, das ich seit langer Zeit erforschen will, eines das mit der Zukunft in Verbindung steht. Und wir untersuchen das Action-Drama“.

„Wir mussten wieder in Kunstblut investieren, was charakteristisch für unsere Filme ist. Da wir einen gewissen Erfolg hatten, müssen wir investieren, um mit unseren Spezialeffekten einen Schritt weiter zu gehen“, scherzt er. Die Formel ist einfach - Geschirrspülmittel und Farbstoff. „Vielleicht nicht die beste, aber für uns und die Kamera funktioniert es“. Das, was den Schauspielern aus dem Mund läuft, ist Maisgelee mit Farbstoff.

Ein weiterer wichtiger Aspekt „ist die weibliche Präsenz“ in den Filmen. Eine Schwierigkeit ist es, dafür Leute zu finden. „Bisher gehen wir hier in der Nachbarschaft (Loulé) auf die Suche. Wir können aber auch auf einige Menschen mit Erfahrung im Fernsehen zurückgreifen, die bereits Castings und Workshops gemacht haben. Auch ist es nicht einfach, ältere Schauspieler zu bekommen“, meint er.

Bisher haben sich die Mentoren von «New Light Pictures» nicht offiziell organisiert. „Nein, da wir keine Profis sind, versuchen wir zuerst an Reife zu gewinnen“. Laut Faísca, werden sie von der Algarve Film Comission als „zukünftiges Versprechen“ angesehen.

„Ich denke, die Algarve hat viel Potential für Filme, wegen des Lichts und der Landschaften. Wenn ich unterwegs bin und einen Blick durch das Objektiv werfe, denke ich, es wäre schön, das in einem Film zu sehen. Es gibt viele Ruinen und viele verlassene Plätze. Wir haben den Strand und das ländliche Hinterland. Es gibt hier ein bisschen von allem. Das einzige, was fehlt, ist die Industrie”...

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