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«Almingas»
Austausch und gegenseitige Unterstützung an der Algarve

Die Sonne brennt heiß, als fast ein Dutzend Menschen anfangen sich auf dem Land zu verstreuen. Einige kennen sich bereits, andere nicht. Sie veteilen Hacken, Pickel und Wasser.
An diesem Tag wird ein kleines Grundstück in Barão de Sao João bearbeitet, irgendwo in der Gemeinde Lagos. Die Szenerie könnte an die alten Zeiten der landwirtschaftlichen Arbeit erinnern, wäre da nicht die Tatsache, dass alle Anwesenden freiwillige Helfer sind. Einige kommen von weit her. Andere waren noch nie in der Landwirtschaft tätig.
“Was passiert, ist, dass wir alle anfangen uns bewusst zu werden, dass dieses Leben mit Arbeit und noch mehr Arbeit, um Geld zu verdienen und um Dinge und noch mehr Dinge zu kaufen, nicht zu unserem Glück beiträgt. Vielleicht liegt unser Glück in den viel kleineren Bedürfnissen”, meint Ana Tara, 33 Jahre, Koordinatorin der Gruppe «Almingas».
Der Wille «Almingas» zu gründen, kam spontan und entstand ganz natürlich im Zuge eines anderen Ereignisses. “Ich habe einen Blog über den Rückgang und die Einfachheit von freiwilligen Leistungen. Es ist eine Bewegung von Menschen, die sich für ein einfaches Leben ohne Konsum entschieden haben.”
Nach dem internationalen Kongress dieser Bewegung, der in Barcelona stattfand, beschloss die Organisation ein Picknick zu organisieren, das am 6. Juni 2010 an verschiedenen Orten der Welt stattfand, um über diese Fragen zu sprechen.
Ana Tara machte bei dieser (in Portugal komplett neuen) Aktion mit und verbreitete die Nachricht in den sozialen Netzwerken und per Mail. Der gewählte Ort war Barão de São João. “Es erschienen viele Menschen. Es war so schön, dass wir beschlossen, es monatlich zu wiederholen”.
Doch dann entwickelte sich die Idee zu einer “etwas aktiveren” Angelegenheit. Und so wurde die Gruppe geboren, der sich immer mehr neue Gesichter anschließen.
“Die Menschen stoßen dazu, weil es eine sehr einfache Geschichte ist. Es gibt keine Bürokratie. Wer kommen kann, kommt. Wer nicht kann, auch kein Problem.” Es ist völlig freiwillig.
Es gibt einen kurzen Fragebogen auszufüllen, der als Datenbank für das Netzwerk dient. Aktuell hat die Gruppe bereits über 40 aktive Mitglieder. “Nach dem Mittagessen saßen wir zusammen, um zu diskutieren, wo die nächste Aktion stattfinden wird und wann”, sagt sie.
Ana Tara, Doktorand der Biologie, ist auf diesem Gebiet sehr bewandert und glaubt, dass immer mehr Menschen offen sind für neue Wege des Seins.
“Als ich begann, meine Realität zu betrachten und begriff, dass sie nicht zu mir passte, gab es nur wenige Menschen wie uns. Es gab zwar viel Kritik und Kämpfe, aber nichts Konkretes. Es verstrich gut ein halbes Jahrzent. Es ist unglaublich, wie sich die Zahl der Menschen, die alternative Lebenswege suchen, multipliziert hat”, sagt sie.
“In den letzten zwei Jahren gab es einen wahren Boom an Menschen, die auf das Land gezogen sind, in ihren Gärten und auf den Balkonen Gemüse pflanzen und Kurse in Permakultur besuchen. Es passieren viele neue Dinge”.
Bis jetzt hat «Almingas» nur „auf dem Land“ gearbeitet. “Aber wir stehen auch anderen Aktivitäten zur Verfügung. Nicht jeder, der teilgenommen hat, hat einen Hof. Also warum helfen wir nicht auch den anderen Menschen, wenn sie uns benötigen? Die Idee ist, ein Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung zu schaffen. Wir sind für einander da”, sagt sie.
Helena Campos, 60 Jahre, die Mutter von Ana Tara, gehört seit Anfang zu dieser Gruppe. “Ich wusste immer, dass ich auf dem Land leben möchte und seit meinem 19. Lebensjahr habe ich ein alternatives Leben geführt” – eine wenig orthodoxe Idee in einer Zeit, in der Portugal einen Höhepunkt der Landflucht durchlebte, mit einer Bevölkerung, die mehr und mehr das Leben in den küstennahen Städten sucht.
“Es gab aber auch immer Leute, die sich weigerten in der Stadt zu leben, weil sie sahen, dass dort alles falsch läuft - und weil wir im Grunde nicht für ein solches Leben geeignet sind”, sagt sie.
Und natürlich “haben viele Menschen aufgegeben, weil es ein hartes Leben ist. Es müssen viele Entscheidungen getroffen und viele Konsum- und Wohlstandsartikel vergessen werden, um so zu leben.”
“Ich bereue nichts. Ich habe mich auch noch nie einsam gefühlt. Wie kann sich jemand mit all den Vögeln, Mandelbäumen, Feigenbäumen um sich herum einsam fühlen? Das ist unmöglich. All das erfreut mich jeden Tag unheimlich!”
Heute, nach fast 40 Jahren, den sie in Kontakt mit der Natur verbracht hat, sieht sie mit Freude, dass ihre Töchter in ihre Fußstapfen treten. “Noch besser ist, dass es eine gebildetere Generation ist, was dem Umweltschutz sehr zugute kommt”.
“Wissen Sie, vor 23 Jahren habe ich hier auf dem Grundstück Bäume gepflanzt, die ich heute nicht mehr pflanzen würde. Damals hatte ich keine Ahnung”. “Dies war eine Wüste, es gab nur Steine und ich wollte viel Grün anlegen. Ich habe unpassende Dinge gepflanzt, wie Pinien und Zypressen, die hier einfach nicht geeignet sind”, berichtet sie.
Helena Campos, die Kunsthandwerk aus Bambus herstellt, denkt, dass «Almingas» etwas ist, das in der Lage ist, “ein anderes Bewusstsein der Menschen zu entwickeln.”
Diese Meinung teilt auch Ana Manjua, Kindergärtnerin, 32 Jahre, die zum dritten Mal mitgearbeitet hat. “Es ist ein Lernprozess. Es gibt Menschen, die in der traditionellen Landwirtschaft arbeiten, andere in der Permakultur, und daher ist es ein sehr interessanter Austausch”, sagt sie.
Als sie die Gruppe kennen lernte, “wollten die Leute wissen, wo sie das nächste Mal aktiv werden könnten. Ich sagte ihnen, dass ich ganz in der Nähe ein Stück Land zu kultivieren habe, aber da ich immer in der Stadt gelebt habe, hatte ich aber nicht die leiseste Ahnung, wie.
Also wurde der Ort für den 1. Mai gewählt. Obwohl es den ganzen Tag geregnet hat, habe ich jetzt einen fantastischen Garten. Er ist mit viel Liebe gepflanzt worden”, schließt sie...








