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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Tó Quintas

Ein Meister

Bühnenbildner, Modellbauer, Erbauer von Flugobjekten, Erfinder. Tó Quintas, 50 Jahre, ist einer jener Menschen, die die Gabe haben, die Träume Anderer zu materialisieren. Zuerst in der Phantasie und dann in der Werkstatt hat er viele Szenarien für die Stücke der Theatertruppe ACTA zum Leben erweckt. Hinter der Kulisse bei der Schaffung der Bühnenbilder - schon äußerst spektakulär -, widmet er sich dem Bau von Heißluftballons, Drachen, Raketen, Fallschirmen und sogar Feuerwerken. Wir wollten mehr über seine Arbeit und die Projekte erfahren, die in seiner Werkstatt, in seinem Haus am Stadtrand von Faro, Flügel verliehen bekommen.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 680 ( 2 Jun 2011), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

“Es ist ein wenig ein Kindheitstraum und gleichzeitig die Geschichte der Luftfahrt”. Mit diesen freundlichen Worten beschreibt Tó Quintas das Mobile, eine bewegliche Skulptur, bestehend aus mehreren Stücken, mit Seilen befestigt, das er in den vergangenen Monaten montiert hat.

Jedes Element repräsentiert einen bestimmten Flug - wie ein Modell, das von dem Wasserflugzeug «Lusitania» inspiriert ist, dem Fairey Doppeldecker, mit dem die Piloten Sacadura Cabral und Gago Coutinho im Jahr 1922 den Atlantik überquerten.

Einmal fertig, wird das Mobile auch ein Renn-Flugzeug aus den 1920er Jahren enthalten, einen der ersten Düsenjäger und ein Stück in Anspielung auf die Eroberung des Weltraums.

Wenn alles wie geplant läuft, hofft Tó Quintas darauf, dass sein Entwurf öffentlicher Kunst noch bis Ende diesen Jahres am Flughafen Faro, in der Nähe der Check-In Schalter, ausgestellt wird. Aber dies ist nur eine Seite seines Schaffens. Seine neueste Kreation ist ein innovatives Stehaufmännchen, das dem Akteur nur eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit erlaubt.

“Es war eine Idee von José Louro (symbolische Figur für das Theater an der Algarve) und von Rui Cabrita (ein junger Schauspieler, der jetzt in São Bartolomeu de Messines lebt), ein Stehaufmännchen zu schaffen, das von einem einzelnen Tetraplegiker verwendet werden könnte. Es funktioniert allein durch den Schwung der Arme. Man benötigt keine Kraft”, erklärt er.

“Es gab viel zu bedenken, aber im Grunde sind es einfach die Grundlagen des Archimedes.” Eine solche Maschine wird durch das Studium der Balance erschaffen. Es ist ein sehr altes Spielzeug, das nun einem anderen Maßstab angepasst wurde.

Es war ein Projekt, das weder zu groß noch zu schwer und sicher sein sollte. Der Akteur ist mit zwei Gurten darin befestigt. Es birgt kein Geheimnis. Es funktioniert nur mit der Schwerkraft und durch das Verhältnis zwischen dem Gewicht der Insassen und vier Blöcken Zement mit einem Gewicht von 120 Kilo. Wenn es in Bewegung gerät, schwankt es hin und her”, sagt er.

Dies ist nur ein Beispiel des Genius Tó Quintas, der interessanterweise, und trotz seiner Fähigkeiten, einen langen Weg zurück gelegt hat, bis er sich ganz der Bühnenbildnerei widmte.

Die Fähigkeit und das Geschick kamen “durch die Familie väterlicherseits. Diese Leute waren handwerklich sehr geschickt. Sie fertigten ihre eigenen Möbel und waren immer damit beschäftigt etwas zu bauen. Sie haben nie darüber gedacht, wo es etwas zu kaufen gab. Sie haben sich Gedanken gemacht, wie man es herstellen kann,” erinnert er sich.

“Als wir klein waren, animierte meine Mutter mich und meinen Bruder, beschädigte oder alte Radios einzusammeln, um sie alle in der Küche zu zerlegen. Wir wurden schon immer dazu ermutigt, Werkzeuge zu nutzen.” Die Schule ist nicht schlecht gelaufen, es hätte aber viel besser sein können, wenn er nicht als Linkshänder geboren worden wäre.

“Die Idee mit Links zu schreiben, wurde” in Portugal vor dem 25. April 1974 “mit dem Kommunismus verbunden”. Und daher war es etwas, was man unterdrücken wollte.

“Das Ergebnis war eine enorme Legasthenie. Heute schreibe ich am Ende mit beiden Händen schlecht. Deshalb konzipiere ich Dinge in Form von Bildern, das ist die Grundlage meines Denkens. Es fällt mir relativ leicht in drei Dimensionen zu denken”, sagt er.

Neben der Schule und später der Arbeit, traf Tó Quintas immer donnerstags eine Gruppe Freunde, die sich für Modellflugzeuge interessierten, sowie den Modellbau von Raketen, Autos mit Gummibandmotoren und sogar das Zuschneiden und Schweißen von Fahrrädern.

Er arbeitete als Sekretär im Casino Vilamoura, “eine Sache, die nichts mit mir zu tun hatte.” “Eines Tages las ich in einer Fachzeitschrift einen Artikel mit dem Titel «Mach Dein Hobby zum Beruf». Das weckte mein Interesse. Ich habe einen Kurs als junger Unternehmer absolviert und widmete mich dem Bau von Gebäudemodellen für die Baubranche.”

In den 90er Jahren begann das Geschäft zu fallen. “Nun, ich begann typische Häuser der Algarve aus Gips zu basteln und zu bauen”. “Das Problem ist, dass der Prozess industriell hätte sein müssen, um profitabel zu sein, sonst lohnt es sich nicht. Ich verbrachte also meine Tage mit dem Anpinseln von Häusern, und verdiente kaum genug, um die Miete zu bezahlen”, lacht er.

“Ich schloss das Unternehmen und begann Zahnersatz herzustellen. Zunächst die Formen und dann das Gießen von Metallen. Ich hatte eine ziemlich große “Modellschule”, da ich rund zehn Jahre lang in der Branche gearbeitet habe. Es war sehr trocken”, erinnert er sich.

“Als dann SINCERA und danach die ACTA auftauchten, waren sie leicht verzweifelt auf der Suche nach jemandem, der ihnen die Szenarien baut. Die normalen Zimmerer haben meist Schwierigkeiten mit den Dingen außerhalb der Norm”.

Daher “begann ich parallel, mit dem Bau der Bühnenbilder. Ich hatte eine Werkstatt in meinem Wohnzimmer.”

Die Gründung der ACTA war ein maßgeblich “solides Projekt”, wogegen in Faro und an der Algarve “das Theater eine verrückte Sache war, die immer mit der Respektlosigkeit der Jugend verbunden war, eine marginale Sache eben”, erinnert er sich. “Es wurde nicht als Beruf gesehen. Die ACTA trat hervor, um das Gegenteil zu beweisen”.

In einer der ersten Aufführungen “zeigte sich Luís Vicente besorgt über das Szenario, denn alle schauten etwas befremdet drein. Er rief mich an. Wir betrachteten uns etwas argwöhnisch”, aber so kam es... “Es begann mit jährlich zwei oder drei Stücken, die mir konsequent Arbeit in diesem Bereich erlaubten”, berichtet er.

Und wie sieht diese Arbeit aus? “Die Frage ist immer, wie die Szenerie auf der Bühne verwendet werden soll und wofür. Wird sie beeinträchtigt? Wird auf ihr herum gesprungen? Muss sie sich öffnen und schließen? Muss sie auf dem Boden befestigt werden oder beweglich sein? Auf welche Weise wird sie genutzt? Dementsprechend müssen wir die Dimensionen erwägen. Da wir hier an der Algarve touren, muss alles portabel und zerlegbar sein. Und dann ist da die Frage der Optik, sie muss zu der Umwelt, den Farben und der Zeit passen, auf die sich das Stück bezieht”, erläutert Tó Quintas.

Er hat stets eine Frist von mindestens zwei Monaten. Zeit für die Arbeit an der Konzeption und Umsetzung von Ideen, die ihm vorgestellt werden. Während der Zusammenarbeit mit der ACTA, musste Quintas überrascht feststellen, wie sehr dieses Kollektiv die völlige kreative Freiheit genießt.

Eine kuriose Tatsache ist, dass er keinen Computer besitzt und kaum das Internet nutzt. “Ich habe meine Quellen. Ich lese und beobachte viel. Ich werde ein geistiges Erbe schaffen”, sagt er.

Am Ende fragten wir Tó Quintas, wie er sich selbst sieht: “Grundsätzlich sehe ich mich als eine Person, die nützliche Dinge für andere konstruiert. Ich halte mich für einen Meister meines Fachs, eine Person mit einem großen kumulierten Wissen über Materialien, Formen und Informationen, die ich mir auf unkonventionelle Art zugelegt habe, als Autodidakt.”

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