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Caviar Portugal

Das Interesse von Paulo Pedro wurde ganz zufällig geweckt, als er in seinem Labor, auf dem Campus de Gambelas, einen Mann mit einem osteuropäischen Akzent und einem ungewöhnlichen Anliegen kennen lernte.
Es war der Ukrainer Valery Afilov, der zwölf Jahre in der ehemaligen Sowjetunion in der Aquakultur von Stör gearbeitet hat. In seiner Heimat pachtete er zusammen mit einem Partner 49 Jahre lang einen See (15 ha Wasseroberfläche). Und auch als er später nach Portugal auswanderte, behielt er das Potential des Geschäfts, das er hinter sich gelassen hat, im Hinterkopf.
Aber die Lust dazu, diesen Fisch hier im Süden zu züchten, nahm erst mit dem Erscheinen von Jorge Pereira Formen an, einem Geschäftsmann mit vielen Verbindungen im Vertrieb von Gourmetprodukten.
Gemeinsam entwarfen sie ein Projekt, dass einen Sonderpreis beim “Economia do Mar” im Wettbewerb «Ideias em Caixa 2010» gewann – eine Initiative, die die Schaffung von innovativen Unternehmen fördern soll, unterstützt von der Universität der Algarve. Die Auszeichnung wurde am 24. März überreicht.
“Zurzeit gibt es einige Interessenten. Wir werden ein Investment benötigen, das sich auf etwa eineinhalb Millionen Euro beläuft, um zwischen 600 und 700 Kilo Kaviar jährlich zu produzieren”, erläutert Paulo Pedro. Der Kilopreis dieser Delikatesse variiert zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Auf dem internationalen Markt existiert für die kommende Produktion bereits eine Warteliste.
Im Prinzip sollte die volle Produktion nach sieben Jahren laufen. “Und wir rechnen damit, dass ab dem vierten Jahr hier produzierter Kaviar verkauft werden kann”, sagt er.
In Russland, wo die Gewässer viel kälter sind und die Winter mit Minustemperaturen eisig, kann es bis zu 20 Jahre dauern, bis der Stör geschlechtsreif ist (und Eier produziert). “Seltsamerweise weist die Algarve die optimalen Konditionen für ein maximales Wachstum dieses Fisches” in einem kurzen Zeitraum auf, sagt Paulo Pedro.
Bezüglich des Namens ist der Plan, das Unternehmen wahrscheinlich “Caviar Portugal” oder “Caviar Algarve” zu nennen, in kyrillischen Buchstaben geschrieben, aber nun muss erstmal ein geeigneter Ort gefunden werden. Wir brauchen einen geschlossenen Platz von etwa 1.600 Quadratmetern. Eine Art Gewächshaus, wo die Süßwassertanks untergebracht werden.
“Die größte Schwierigkeit ist das System, das fortwährend angepasst werden muss”. In anderen Aquakulturen, zum Beispiel bei Arten wie Goldbrassse und Wolfsbarsch, ist das Wachstum auf eine bestimmte Größe beschränkt, dann werden sie verspeist.
“Der Stör ist ein Fisch, dessen Größe und Gewicht stark ansteigen”, erklärt der Biologe. “Die Zahl der Fische ist schwer zu schätzen, aber es werden etwa 40 bis 60 Tonnen Biomasse Stör produziert”. Verursacht so viel Fisch keine Verschmutzung? Der Biologe hält die Wahrheit nicht hinterm Berg, aber erklärt, dass es Pläne gibt, das Schmutzwasser zu behandeln und “den resultierenden Schlamm, der reich an organischer Materie für die Landwirtschaft ist,“ zu nutzen.
In einem sehr bürokratischen und zentralistischen Land sorgen sich die Geschäftsleute um die Erteilung der Genehmigung. Demnächst wird Paulo Pedro in Lissabon ein Treffen mit dem ICBN (Institut zum Erhalt der Natur und der Artenvielfalt) haben. “Es könnte Probleme bezüglich des Imports von Jungtieren geben. Zum einen ist es eine exotische Art, zum andreren eine geschützte”, sagt er.
Die internationale Aufsichtsbehörde für den Handel mit bedrohten Arten, CITES, hat bereits die Ernte von natürlichem Kaviar unterbunden, um die Überfischung der Störbestände in Gebieten wie dem Kaspischen Meer, die von der illegalen Fischerei und Schmuggel geplagt sind, zu stoppen.Das Projekt soll mit vier verschiedenen Arten gestartet werden: Beluga (Huso huso), Russischer Stör (Acipenser gueldenstaedtii), Sibirischer Stör (Acipenser baerii) und Sterlet (Acipenser ruthenus).
“Im Moment gibt es zwei Techniken zur Gewinnung von Kaviar. Die traditionelle, bei der der weibliche Stör stirbt, und eine moderne Alternative, die der Mikro-Chirurgie. Wir haben in Zukunft diese zwei Optionen”, erklärt Valery.
Und neben Kaviar, gibt es noch die Idee, Störfleisch zu produzieren. Auch wenn der Export dabei das Hauptziel ist, könnten die Luxushotels und Restaurants an der Algarve direkten Nutzen aus der örtlichen Nähe der Produktion ziehen. Es ist so, dass die Köche der Haute Cuisine anrufen können und innerhalb kürzester Zeit frisch geernteten Kaviar bekommen. Aber ist es nicht eine riskante Investition in einer turbulenten Zeit? “Ich denke, dass das Einzige, was sich in einer Krise immer verkaufen lässt, Luxusprodukte sind”, meint Paulo Pedro. Valery setzt hinzu: “In Russland hat sich in dem Zeitraum der Krise die Zahl an Milliardären verdoppelt. Was soll ich noch sagen?”.
Derzeit arbeitet Pedro als Maurer auf dem Bau, doch wenn immer er Gelegenheit hat, schnappt er sich sein Laptop, recherchiert stundenlang und verfolgt die neuesten Entwicklungen dessen, was zu seiner Leidenschaft geworden ist. “Das ist schon fast eine Krankheit. Ich stehe morgens auf, gehe abends ins Bett und denke dabei an den Stör. Die Wissenschaft bleibt nicht stehen, es gibt immer Neuigkeiten. Inzwischen werden beispielsweise schon hybride Arten gezüchtet“, sagt er. “Wir möchten ein Stör-Forschungszentrum in Portugal einrichten”, enthüllt Valery, ohne seinen Enthusiasmus zu verbergen.
“Es besteht ein sehr großes wissenschaftliches Interesse an den so genannten Dinosauriern unter den Fischen”, bestätigt Paulo Pedro.
Übrigens veranstaltet das Zentrum für Meereswissenschaften (CCMAR) am 13. April einen Vortrag über die jüngsten Fortschritte einer Studie eines Proteins, das im Stör entdeckt wurde und biomedizinische Anwendung für die menschlichen Blutgefäße finden könnte.
Ein weiteres langfristiges Ziel ist die “Wiederbevölkerung” des Atlantischen Stör (Acipenser sturio) in seiner natürlichen Umgebungen, in der er bereits existiert hat, wie im Rio Guadiana, der diesen Fischen die letzte Zuflucht bot, bis sie in den 1980er Jahren schließlich verschwanden. Aber nicht alle. Derzeit werden die Knorpel der Störe in der pharmazeutischen Industrie zur Schaffung von Beauty-Produkten, wie zum Beispiel Anti-Aging-Cremes, genutzt. Und auch die Haut des Störs “ist der letzte Schrei” unter den Damen-Accessoires ...








