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«Der Sturm – A Tempestade»

ACTA erobert Europa

Ein Monarch auf einer einsamen Insel im Exil mit seiner Tochter rechnet mit denen ab, die ihn verraten haben. Verschwörung, Rache, Vergebung und vor allem Humor eroberten das Publikum im gefüllten Theater Trier (Deutschland) bei der Premiere von William Shakespeares «Der Sturm – A Tempestade» am 12. Februar. Es handelt sich um eine internationale Coproduktion des Trierer Theaters mit ACTA, der Theatertruppe der Algarve, die im nächsten Juni auch auf die Bühnen unserer Region kommt.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 666 (24 Feb 2011), Ohne Kommentare »
Bruno Filipe Pires

Das gesamte Geschehen läuft auf einer einsamen Insel ab, die fast die gesamte Bühne einnimmt. Sie dreht sich um sich selbst und wird durch die Kraft einer bestialischen und exotischen Kreatur (der Sklave Caliban, dargestellt von Mário Spencer) angetrieben. Zu einer bestimmten Zeit überrascht die Kreatur alle mit einem perfekten Deutsch, was an dem Premierenabend laute Ovationen und großen Beifall erntete.

Auf dieser Insel, ohne Namen oder Staatszugehörigkeit, leben der Protagonist Prospero (ein völlig in den Charakter vertiefter Luís Vicente) und seine junge Tochter Miranda (eine nahezu ätherische Tânia Silva).

Der Herzog von Milano erhält Hilfe von Ariel (Carlos Pereira), einem akrobatischen Geist, der über die Bühne schwebt. Gemeinsam versenken sie als Abrechnung ein Schiff mit Prosperos alten Feinden (gespielt von den Schauspielern des Theaters Trier), dargestellt in drei Sprachen. Komplex?

“Es war das erste Mal, dass wir verschiedene Sprachen verwendet haben. Ich war anfangs etwas nervös, aber ich glaube, dass wir eine theatralische Sprache kreiert und entwickelt haben, die die Sprachbarriere überwindet”, erzählt uns der Intendant und Regisseur Gerhard Weber.

Manches Mal agieren die Schauspieler pantomimenartig. “Ja, das ist beabsichtigt”, sagt der deutsche Regisseur. “Ich mag den körperlichen Ausdruck sehr und denke, dass die portugiesischen Kollegen diesbezüglich etwas freier und kreativer waren als die deutschen Schauspieler. Das war meine Herausforderung an sie”, fügt er hinzu. “Ich wollte ein Gleichgewicht zwischen den dramatischen Elementen schaffen und die humorvolle Seite hervorheben”.

Nach diesen ersten Erfahrungen, die Weber gemacht hat, glaubt er, dass “Shakespeare ein idealer Kontinent ist”, um auch in Zukunft mit ACTA zusammen zu arbeiten. “Vielleicht «Ein Mitternachtstraum»”, um nicht so von Worten abhängig zu sein.

Aber in Wahrheit ist es nicht der berühmte britische Autor, der zu dieser Produktion geführt hat. “Die Idee entstand mit dem Wunsch, Fernando Pessoa zu bringen”, eine Leidenschaft, die er mit dem dramaturgischen Leiter des Theaters Trier, Peter Oppermann, teilt.

Das sagt Maria de Jesus Duran Kremer, die den Prozess von Anfang an, seit drei Jahren, begleitet. Seit 1966 in Trier ansässig, ist die Portugiesin im Ort ziemlich bekannt. Sie ist Mitglied des Stadtrates, Vorsitzende des Gemeinderates und Leiterin der portugiesischen Vereinigung von Trier.

Maria Kremer hat viele Jahre die Archäologie an der Algarve studiert. Sie ist eine derjenigen, die zum Beispiel bestens mit Milreu vertraut ist. Als Zuschauerin in der Arbeit der ACTA bewandert, war sie es, die diese Truppe vorgeschlagen und alle Kontakte vermittelt hat. Warum?

“Ich denke, dass wir in Portugal eine reiche Kultur haben, die vor die Tür treten und sich der Welt zeigen muss. Ich bin keine Nationalistin, bin aber stolz auf das, was wir haben. Es ist so schade, dass unsere Kultur weder entsprechend wertgeschätzt noch gefördert wird. Ich denke, das war der Hauptantrieb für meine Intervention, dieses Projekt zu ermöglichen”, berichtet sie uns.

Der Vizekonsul Abílio Dias Ferreira, 60 Jahre alt, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, von denen er 35 im portugiesischen Konsulat in Frankfurt gearbeitet hat, gesteht uns, dass “es das erste Mal ist, dass er hier eine portugiesische Theatertruppe sieht”. Gewöhnlich sind hier nur zwei oder drei portugiesische Musiker pro Jahr zu sehen.

«Der Sturm – A Tempestade» wurde vom europäischen Kulturprogramm 2007- 2013 unterstützt, das den interkulturellen Dialog fördern möchte. “Hätte es diese Unterstützung nicht gegeben, hätten wir es nicht geschafft”, räumt Maria Kremer ein.

“Trier ist in jeder Hinsicht eine sehr konservative Stadt, selbst kulturell. Es ist sehr schwierig, hier experimentelles Theater zu bringen oder etwas anderes, das aus dem Rahmen des klassischen Theaters fällt”. Daher ist unser Sieg “nicht nur die Realisierung des Projektes. Wir konnten das Publikum erobern, das sich nicht gescheut hätte, zu zeigen, wenn es ihm nicht gefallen hätte”.

Maria Kremer hat sich außerdem in die Übersetzung involviert. “Ich habe die deutsche mit der portugiesischen Version des Textes verglichen und fand, dass sie nicht recht zusammen passen”. Sie hat das Portugiesisch von der poetischen Last befreit, so dass es zeitgenössischer und angemessener ist.

Der Kritiker Dieter Lintz (laut Maria Kremer ein Mann, dessen Meinung “Stücke zerstört”) von der Zeitung «Volksfreund» hat geschrieben, dass dies “allemal eine Produktion ist, mit der sich die beteiligten Theater aus Trier, Portugal und Luxemburg auf europäischer Ebene sehen lassen können”. Des Weiteren wurden die Inszenierung von Jean-Guy Lecat - üblicherweise Mitarbeiter des berühmten Peter Brook - und die Musik von Sebastian Matz gelobt.

Luís Vicente, künstlerischer Leiter der ACTA, hofft, auch weiterhin den Namen der Region und des Landes in andere Breitengrade zu tragen. “Wir haben Abmachungen mit Polen und Italien getroffen. Es gibt Gespräche und sogar einiges, das bereits definiert wurde. Jetzt werden wir sehen, ob mit den vorgesehenen Kürzungen die Bedingungen zur Fortführung dieses Projekts zur Internationalisierung der Kompanie vorhanden sind - was meiner Meinung nach durchaus Sinn macht. Wir haben die Möglichkeit, eine enge Beziehung mit der Algarve fortzuführen und gleichzeitig diesen Ausflug außerhalb des Landes zu machen. Ich denke, es ist ein Anspruch, der als Strategie zur Affirmation und Entwicklung legitim ist”.

Die geplante Vorstellung mit Polen soll an der Algarve uraufgeführt werden, wo es im Oktober insgesamt acht Vorstellungen geben wird. Es ist eine Erfahrung, die wir erstmalig machen; eine Vorstellung ohne Texte. Es gibt nur einen Erzähler. Es geht um Inês de Castro, jedoch nicht in historischer Hinsicht, sondern es wird eine Reflexion über die Liebe und den Tod”…

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