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Ausgabe 729
2012-05-17 > 2012-05-23
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Universidade Aberta

Offene Universität - Wissen braucht keinen Ort

Sie hatten nicht die Gelegenheit eine Universität zu besuchen, als Sie jung waren? Sie mussten Ihr Studium aus Gründen höherer Gewalt aufgeben? Wollen Sie es noch einmal versuchen und einen Uni-Abschluss machen, ohne dabei auf Beruf und Familienleben zu verzichten? Diese und andere Fragen werden an der Offenen Universität (Universidade Aberta, Uab) beantwortet, bei der sich immer mehr Menschen aus der Algarve bewerben. Das berichtet uns Elsa Vieira, 32 Jahre, Koordinatorin des Lernzentrums CLA (Centro Local de Aprendizagem) in Silves, eine Art Delegation dieser wegweisenden öffentlichen Institution für Fernunterricht. Heute erfordert lernen keine Stundenpläne oder Reisen. Man benötigt nur einen Computer mit Internetanschluss, Selbstbestimmung und die Lust daran, sich im Leben weiter zu entwickeln.
Bruno Filipe Pires, Ausgabe 662 (27 Jan 2011), Ohne Kommentare »

“Die Universidade Aberta bietet Bachelor- und Masterabschlüsse sowie die Möglichkeit seinen Doktor zu machen. Es gibt Aus- und Weiterbildungen für das ganze Leben. Sie gehört zu denen, die auf europäischer Ebene arbeiten und den Menschen helfen, in ihren Berufen aufzusteigen”, erklärt Elsa Vieira.

Um eine Vorstellung zu bekommen: Im Schuljahr 2009/2010 schlossen 816 Studenten ihre Ausbildung an der Offenen Universität (Universidade Aberta, Uab) ab, und für das Schuljahr 2010/2011 sind 12.017 Schüler eingeschrieben (national sowie international).

Es ist nicht falsch zu behaupten, dass die traditionellen Universitäten einem Großteil der Studenten weder einen geeigneten Studiengang noch für sie zugeschnittene Bedingungen anbieten können – so beginnen viele den Fernunterricht im digitalen Zeitalter mit anderen Augen zu sehen.

Laut Elsa Vieira ist “der Student der Offenen Universität in der Mehrheit jemand, der arbeitet - der auf dem Arbeitsmarkt aktiv ist. Es sind Menschen im Alter um die 40 Jahre, die eine Möglichkeit zu studieren suchen”.

“Der Arbeitsmarkt ist wettbewerbsorientiert, Beschäftigung schwierig. Die Menschen möchten sich entwickeln und setzen auf Bildung, weil sie wissen, dass diese sehr wichtig ist”.

Vieira hat beobachtet, dass “sich die Menschen oft dem aktiven Berufsleben zuwenden, anstatt einem Schulbesuch,” weil sie sich ein Studium nicht leisten können. Weiterbildung ist eine Frage der Möglichkeiten.

Es herrscht eine abwertende Haltung gegenüber einem “Fernstudium”. Die Koordinatorin kennt das “Stigma”, aber beschwichtigt.

“Ich weiß, dass die Offene Universität sehr streng mit den Studenten ist. Ich denke, dass die Diplomanden gut vorbereitet sind, zusätzlich zu ihrem gestärkten psychologischen Profil. Sie sind keine 18-Jährigen, die die Uni besuchen und danach unvorbereitet auf dem Arbeitsmarkt erscheinen – und die nur das tun wollen, was sie gelernt haben und sonst nichts. Unsere Studenten sind reifer, stärker in das Berufsleben integriert, und es gibt keinen Grund für Diskriminierung”, meint sie.

Vieira, die einen Master in portugiesischer Literatur und Kultur hat, bezeugt “aus eigener Erfahrung”, dass der Fernunterricht wesentlich “anspruchsvoller ist, als herkömmlicher Unterricht. Er fordert viel mehr Intensität bezüglich der Aufgaben der Dozenten. Wir müssen in der Lage sein, uns neben der Arbeit zu organisieren. Wir müssen uns mehr abverlangen”, sagt sie.

Obwohl es immer mehr Interessenten gibt, ist die Uab aufgrund von Vorurteilen und einer digitalen Kluft noch immer vielen Zweifeln ausgesetzt. Wie funktioniert das nun eigentlich?

Anders als früher wird bei dieser Lehrmethode Spitzentechnologie per Internet genutzt. Das so genannte E-Learning hat außerdem den Vorteil, die digitale Kompetenz zu fördern.

“Alle Schüler gehen durch eine Integrationsphase. Es gibt Modul-Einstellungen, die ihnen helfen sich in dieses Lehrsystem zu integrieren. Sie machen sich mit einer Plattform vertraut, wo die Studenten sich per log-in identifizieren und mit einem Passwort Zugang erlangen”, erklärt sie.

“Dann haben die Studenten Zugang zu den Kursen. Jeder hat seinen eigenen Lehrvertrag - ein Dokument, auf dem alles Schritt für Schritt erklärt wird; von der Anzahl der Stunden, über die nötigen Dokumentationen, benötigte Quellen, die Bücherliste und das Lernziel”.

“Wir haben hier auch 60-Jährige. Ihnen fällt es schwerer mit der Tastatur zu arbeiten, aber sie finden das, wonach sie suchen”, fügt Vieira hinzu.

Ein interessanter Aspekt ist die interaktive Software (Learning Management System auf Englisch). Der Student ist nicht allein. Er steht sowohl mit den Professoren als auch den Kommilitonen in Kontakt. “Ja, es gibt auch Gruppenarbeiten, aufgeteilt zwischen den Mitgliedern einer Klasse”, berichtet sie.

Alles läuft per E-Mail. “Der Student ist immer auf dem Laufenden, wird stetig informiert.”

Auch die Bewertung der Studenten findet nach deren Verfügbarkeit statt. Wer mehr Zeit hat, kann eine kontinuierliche Bewertung bekommen; dabei werden die Arbeiten wöchentlich oder alle vierzehn Tage abgeschickt. Das können Projekte, Tests, Problemlösungen und Referate sein. Am Ende gibt es einen nur 90-minütigen Test. Alternativ “kann der Schüler auch eine Abschlussprüfung vor Ort machen, die zwei einhalb Stunden dauert”.

Diese Prüfungen finden im “Centro Local de Aprendizagem” (CLA) statt, von denen es dreizehn im ganzen Land verteilt gibt. Die nächst gelegenen befinden sich in Grândola und Reguengos de Monsaraz. Das in Silves sollte ursprünglich 2008 eröffnet werden, aber aus verschiedenen Gründen wurde es auf Juli 2010 verschoben. Allerdings besteht das Protokoll zur Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und der Uab schon seit fünfzehn Jahren.

Im nächsten Februar beginnen die Bewerbungen für die Studiengänge, die am meisten gefragt sind. Es gibt keinen Numerus Clausus und damit keine Konkurrenz. Es müssen schlicht einige Formalitäten erfüllt werden.

Der Bewerber muss über 21 Jahre alt sein, eine spezielle Aufnahmeprüfung für seinen gewählten Kursus ablegen und das 12. Schuljahr erfolgreich abgeschlossen haben. Wenn man vorher abgegangen ist, muss man über 23 Jahre alt sein und einen allgemeinen Test machen. Der gesamte Prozess erfolgt online.

Die Kurse dauern, laut Protokoll von Bologna, drei Jahre. Die Gebühr wird von der Regierung festgelegt (etwa zwei Mindestgehälter pro Schuljahr). Es gibt verschiedene Angebote in den Geistes- und Sozialwissenschaften oder Informatik. Der Master kostet zwischen 2.000 und 3.000 Euro.

“Jeder Schüler kann sich um ein Stipendium bei der Universität bewerben. Natürlich unterliegen die Kriterien der Regierung”, schließt sie.

1988 gegründet, hat die Offene Universität 10.000 Studenten in 33 Ländern eine Weiterbildung auf tertiärem Niveau erlaubt. Sie hat über 400 Bücher veröffentlicht (viele werden an traditionellen Hochschulen studiert), über 3.500 Stunden audio-visuelles Material und 6.000 Stunden Fernsehen in ihren eigenen Studios produziert.

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